Hartgesottene treffen sich auch bei frischem Wetter noch im Biergarten. Damit das im Winter noch möglich ist, haben manche Selmer Wirte aufgerüstet. Andere vergrößern den Gastraum im Inneren.

Selm

, 03.10.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei Außentemperaturen um die 15 Grad beginnen die ersten Selmer, ihre Heizungen aufzudrehen. Andere genießen noch die letzten Sonnenstrahlen im Biergarten. Darüber freuen sich die Wirte: Durch die Corona-Abstandsregeln ist in diesem Winter im Gastraum weniger Platz. Deshalb haben manche von ihnen beschlossen, die Biergartensaison mit kreativen Ideen zu verlängern und mehr Platz für die Gäste zu schaffen.

Dort, wo vor drei Wochen noch ein Biergarten war, steht nun ein Zelt: Annette und Wilhelm Heitmann, seit 40 Jahren Geschäftsführer des Restaurants Jakobsbrunnen, haben das Beste aus der Situation gemacht und bieten nun Motto-Wochen im Zelt an. Im Moment gibt es, passend zur Oktoberfestzeit, bayrische Wochen mit einem Haxen-Tag am Freitag. So sollen die Gäste, deren Feierlichkeiten aufgrund der Corona-Lage ausfallen, wenigstens im kleinen Kreise anstoßen können.

Nach den Haxen kommt der Glühwein

„Uns gibt es ein gutes Gefühl, die Gäste mit unseren Mottos im Zelt zu erfreuen. Es gab in den letzten Tagen so viele glückliche Menschen, so viele strahlende Gesichter, so viel Lob und warme Worte“, sagt Annette Heitmann. Rund 30 Menschen passen in das nagelneue Zelt.

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Nach den bayrischen Wochen soll es um Wein gehen. Und danach kommt die Adventszeit: „Da gibt es natürlich Glühwein“, verspricht Heitmann. Der Kauf der Elektro-Heizstrahler und des Zeltes rentiere sich durch die zusätzlichen Gäste laut Wirtin schnell. „Man muss nur genug Werbung machen, dann klappt das. Die Leute wollen Frischluft genießen und freuen sich über das Angebot“, fügt sie hinzu.

Heizpilze auf der Terrasse halten Raucher warm

Günther Bottelberger, Chef der Gaststätte Zum Alten Feld, geht einen anderen Weg: Er hat Heizpilze bei der Stadt beantragt, um die überdachte Terrasse auch in der kalten Jahreszeit warm zu halten. Gasbetriebene Heizpilze müssen von der Stadt genehmigt werden, weil sie CO2 freisetzen. Ein Zelt kommt für Bottelberger nicht in Frage: „Ein Zelt ist ein geschlossener Raum, der dann auch wieder Corona-konform gelüftet werden muss. Noch wichtiger ist aber, dass im Zelt nicht geraucht werden darf. Das ist aber vielen, die bei diesem Wetter noch draußen sitzen möchten, wichtig.“

55 Sitzplätze gibt es auf der Terrasse. Im Kaminraum sind es 36, in den anderen Räumen insgesamt rund 50. Noch immer bestünde Nachfrage nach den Plätzen auf der Terrasse: „Manche trauen sich aufgrund der Corona-Situation noch nicht herein. Aber auch in den vergangenen Jahren gab es im Oktober noch Gäste, die an schönen Tagen noch draußen sitzen wollen.“

Aber auch die Plätze im Haus seien häufig ausgebucht. Ein spontaner Wechsel sei da nicht möglich: „Was wir mit denen machen, die eigentlich einen Platz auf der Terrasse gebucht haben, aber dann doch rein wollen, weil es ihnen zu kalt ist, wissen wir noch nicht. Passiert ist das zum Glück noch nicht.“

Mehr Sitzplätze im Inneren statt Biergarten

Beim Braten der unzähligen Kartoffelpuffer am Kartoffelpuffer-Aktionstag kommt Margret Hettstedt, Chefin der Gaststätte Klähr, ordentlich ins Schwitzen. Auch die Gäste haben es warm: Die 40 Außensitzplätze werden im Winter auch in Corona-Zeiten nicht besetzt: „Sonntag saßen noch Gäste draußen. Radfahrer und Hundebesitzer sind da nicht so empfindlich. Die packen sich warm ein. Aber wenn es noch kälter wird, können wir unsere Mitarbeiter nicht ständig vom Warmen ins Kalte schicken. Da erkälten sie sich nachher noch.“

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Nur 24 Plätze gibt es aufgrund der Abstandsregeln aktuell im Innenraum. Um mehr Gäste bewirten zu können, wurde bei der Stadt beantragt, einen Teil des Saals, der eigentlich für geschlossene Gesellschaften angemeldet ist, für den regulären Betrieb zu nutzen. Dann können 32 weitere Gäste im Gebäude bewirtet werden. „Die Gäste vermissen aber weiterhin den Thekenbetrieb. Der ist leider noch nicht wieder erlaubt“, sagt Hettstedt.

Namen kontrollieren ohne Ausweiskontrolle

Neben den Abstandsregeln müssen die Wirte nun verschärfte Regeln bezüglich der Kontaktdaten umsetzen. Wer sich ins Lokal setzt, muss Name, Adresse und Telefonnummer in eine Liste eintragen. Weil sich mancherorts Gäste mit Fantasienamen in die Listen eingetragen haben, gibt es nun ein Bußgeld von 250 Euro für die Falschangaben. Die Wirte müssen kontrollieren, ob die Namen plausibel oder offensichtlich erfunden sind.

Allerdings sei laut Malte Woesmann, Pressesprecher der Stadt Selm, noch nicht klar, ob die Wirte sich rechtlich gesehen den Personalausweis zur Überprüfung zeigen lassen dürfen. Das Ordnungsamt wirft in den kommenden Tagen besonders ein Auge auf die Listen: „Das Personal wird für die Gastro-Kontrollen nicht aufgestockt. Das Ordnungsamt steht jedoch in engem Kontakt mit den Gaststätten und kontrolliert in den ersten Tagen verstärkt.“

Kein Essen für „Niko Laus“

Und wie wollen die Gastronomen die Listen kontrollieren, wenn sie den Ausweis nicht sehen dürfen? „Wenn da ‚Niko Laus‘ steht, fragt man natürlich nach. Ansonsten gilt: Keine Daten, kein Essen. Wer den Zettel nicht ausfüllt, bekommt nichts“, sagt Bottelberger. Margret Hettstedt bewirtet in der Gaststätte Klähr etwa 80 Prozent Stammgäste, die sie mit Namen kennt.

„Es gab aber auch schon welche, die ihre Daten nicht angeben wollten. Die haben wir nach Hause geschickt. Die meisten sind aber ehrlich, da gab es noch keine eindeutigen Fantasienamen.“ Auch im Jakobsbrunnen gab es laut Annette Heitmann noch keine Quatschnamen: „Wir setzen die Regeln mit couragierter Strenge durch. Bisher gab es da keinen Stress. Unsere Gäste sind verantwortungsvoll.“

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