Es war ein globaler Klimastreik, der sich am Freitag, 25. September, in Hunderten Städten abspielte. Auch in Selm. Dort hat er eine besondere Bedeutung. In mehrerer Hinsicht.

Selm

, 25.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es waren 40 Beteiligte, verteilt auf knapp 300 Metern Länge: Das sind die reinen Zahlen der Klimademo, zu der der Klimatreff Selm für Freitag, 25. September, aufgerufen hatte. 30 Teilnehmer hatte der Klimatreff bei der Stadt Selm angemeldet, sagt Jeannine Tembaak vom Klimatreff. 40 sind es also geworden. „Ich bin zufrieden. Das sind mehr als wir angemeldet haben“, erklärt sie.

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Klimademo in Selm: Menschenkette im Video

Die Teilnehmer der Klimademo standen in einer beweglichen Menschenkette die Kreisstraße entlang zwischen dem Kreisverkehr Botzlarstraße und dem Kreisverkehr Beifanger Weg. Unter dem Motto #KeinGradWeiter gingen sie „für starke EU-Klimaziele, einen Kohleausstieg bis 2030 und eine sozial-ökologische Wende gemeinsam mit Fridays for Future auf die Straßen“. Das war die allgemeine Zielrichtung des Streiks.

Mit Maske, Schal und Abstand

Die Rahmenbedingungen waren auf die Coronaschutzbestimmungen abgestimmt und nach den lokalen Gegebenheiten im Selmer Zentrum ausgerichtet: Die Teilnehmer kamen mit Alltagsmaske und Abstand. Der Klimatreff Selm hatte die Teilnehmer gebeten, einen Schal mitzubringen, der passend zum Motto die Menschen miteinander verbinden und gleichzeitig für den nötigen Abstand sorgen sollte. Das hat geklappt.

Jüngere und ältere Menschen nahmen an der Klimademo teil.

Jüngere und ältere Menschen nahmen an der Klimademo teil. © Arndt Brede

Die Teilnehmer durften auch Trillerpfeifen und Trommeln mitbringen, um auch akustisch Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auch das funktionierte hörbar.

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Am Mittwoch zuvor hatten einige Mitglieder des Klimatreffs noch Plakate gemalt, um deutlich sichtbar auf das Anliegen der Klimademo hinzuweisen. Die Buchstaben auf den Plakaten formten nebeneinander das Motto der Klimademo.

Klimakrise macht keine Pause in der Coronazeit

In diesem Jahr setzte die Klimademo in Selm besondere Akzente. Eine Aktion wie die Klimademo als äußeres Zeichen der inhaltliche Arbeit rund um Klimaschutz sei „extrem wichtig“, sagt Jeannine Tembaak. „Das gehört mit zu unseren Zielsetzungen, dass wir die Öffentlichkeit informieren, aufmerksam machen auf den Klimanotstand, diese Klimakrise, die wir teilweise schon erleben und die in den künftigen Jahren noch viel schlimmer auf uns zukommen wird. Wir möchten zeigen, dass die Klimakrise auch in Coronazeiten da ist, dass sie auch in der Coronakrise keine Pause macht.“ Es sei wichtig, „dass die Menschen merken, dass das nicht in Vergessenheit geraten darf“.

Jetzt sei die Chance auch für die Politik, bei all den coronabedingten Wirtschaftshilfen darauf zu achten, dass klimafreundliche Handlungsweisen auch bei den Unternehmen gestärkt werden.

Längere Staus gab es während der Klimademo nicht.

Längere Staus gab es während der Klimademo nicht. © Arndt Brede

Nun hat die Stadt Selm ja eine Stelle für einen Klimaschutzmanager beziehungsweise eine Klimaschutzmanagerin. Was hält Jeannine Tembaak davon? „Es ist ein gutes Zeichen, dass überhaupt das Klimaschutzkonzept erstellt worden ist, dass die Stadt durch eine solche neue Stelle jemanden Verantwortlichen als Bindeglied zwischen Bevölkerung, Wirtschaft und Politik hat.“ Trotzdem gehen einige Prozesse laut Jeannine Tembaak „einfach viel zu langsam“. Man müsse viel mehr handeln und mehr Bereitschaft zeigen, dem Klimaschutz eine höhere Priorität einzuräumen bei allen politischen Entscheidungen.

Am Sonntag, 27. September, entscheidet sich in der Stichwahl, wer neuer Bürgermeister Selms wird. Der neue Rat ist bereits gewählt worden. Kann die Klimademo Akzente in Richtung der neu Gewählten setzen? „Prinzipiell haben ja alle Parteien jetzt ihr Herz für Klimaschutz entdeckt“, sagt Jeannine Tembaak, die selbst für die UWG Mitglied des neuen Rates sein wird. Inwiefern das dann auch umgesetzt werde, werde sich in den nächsten fünf Jahren zeigen.

Grundschüler mit dabei

Dann werden einige der Teilnehmer ins Jugendlichenalter wechseln. Denn auch Mädchen und Jungen zum Beispiel der Ludgerischule waren bei der Demo dabei. „Wir haben den Kindern das Thema im Kinderrat der Ludgerischule kindgerecht näher gebracht“, heißt es dazu aus dem Team der Integrationskräfte der Grundschule. Darauf hin hätten sich Kinder gemeldet, dass sie das gut finden, wenn man sich für die Umwelt einsetze. Mit dem Einverständnis der Eltern sei dann eine Handvoll Ludgerischüler bei der Demo dabei. (In einer früheren Version hatten wir von Overbergschülern geschrieben. Wir bitten um Entschuldigung.)

Dass auch Jugendliche und Kinder dabei waren, erhöht die Chance auf mehr Akzeptanz von Klimazielen und auch für die Arbeit des Klimatreffs, hofft Jeannine Tembaak. „Das erleben wir bei nahezu allen Aktionen, dass der eine oder der andere dazu stößt.“ Die Kerngruppe, also die regelmäßig Aktiven, liege bei zehn bis 15 Menschen.

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