Drive-in für Schnitzel: Restaurant macht in der Corona-Krise besonderes Angebot in Selm

hzCoronavirus

Geschlossen. Die Türen des Restaurants Jakobsbrunnen an der Südkirchener Straße bleiben in Zeiten von Corona zu. Dafür öffnet sich neuerdings ein Fenster zur Küche.

Selm

, 19.03.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Absagen am laufenden Band: Annette und Wilhelm Heitmann, die die Traditonsgaststätte Zum Jakobsbrunnen in Selm betreiben, haben in den vergangenen Tagen nur schlechte Nachrichten weitergeben müssen. Seit Mittwochabend gibt es aber auch eine gute Neuigkeit.

Die Hochzeitsfeier mit 100 Gästen muss ausfallen, die Party zum runden Geburtstag ebenso, und die vielen Clubs und Vereine können auch nicht mehr ihre Versammlungen abhalten in der mehr als 130 Jahre alte Gaststätte - alles wegen des Coronavirus. Annette Heitmann hat schon Stunden am Telefon zugebracht, um ihre Kundinnen und Kunden über die Auswirkungen der Pandemie zu unterrichten.

Allgemeinverfügung würde Öffnung bis 15 Uhr erlauben

Eigentlich könnte der Jakobsbrunnen laut der aktuellen Allgemeinverfügung der Stadt Selm noch zwischen 6 und 15 Uhr öffnen - unter strengen Auflagen. Die Wirte müssen die Namen der Gäste notieren und dafür Sorge tragen, dass die Tische mehr als zwei Meter auseinander stehen.

Wilhelm Heitmann vor seinem Restaurant Jakobsbrunnen,

Wilhelm Heitmann vor seinem Restaurant Jakobsbrunnen, © Archiv

Die Heitmanns haben sich dagegen entschieden, unter diesen Umständen zu öffnen. Stattdessen öffnen sie jetzt regelmäßig zwischen 17.30 und 21 Uhr das Küchenfenster: ein Abholservice, den die Allgemeinverfügung erlaubt.

Küchenfenster dienst als Schalter

Das Fenster ist gerade so hoch, dass man von innen bequem etwas herausreichen kann und es von außen ebenso einfach entgegennehmen kann - sogar aus dem Auto heraus. Als die Heitmanns dieses Fenster vor einigen Jahren einbauen ließen, hatten sie keinen Moment daran gedacht, dass es einmal als Schalter dienen könnte. „Aber jetzt ist eben alles anders“, sagt die Hausherrin. „Jetzt“ heißt, seitdem das gefährliche Coronavirus um sich greift.

Jetzt lesen

Ob Cordon bleu, Braumeister- und Pfefferrahmschnitzel: Acht Schnitzelvarianten stehen auf der verkleinerten Speisekarte, alle zwischen 10 und 11 Euro. Am 18. März haben die Heitmanns das zum ersten Mal angeboten. Wilhelm Heitmann in der Küche, Annette Heitmann am Schalter. Und die beiden bekamen mehr zu tun als sie gedacht hätten. Rund 65 Essen haben sie herausgegeben. Alles Gerichte, die die Kunden zuvor telefonisch bestellt hatten

Existenzielle Ängste in der Krise

„Klar, freuen wir uns über diesen Zuspruch“, sagt Annette Heitmann. Aber was überwiegt, sind auch bei den beiden die Sorgen: „Existenzielle Ängste“, sagt die Frau. Da gehe es ihr nicht anders als allen anderen in der Gastronomie und inzwischen auch im Einzelhandel. Wann sie die 15 Servicekräfte wiedersehen werde, die bei großen Veranstaltungen immer zur Stelle waren, weiß sie nicht. Gleichwohl hat sie Verständnis für die einschneidenden Maßnahmen: „Es handelt sich um eine Ausnahmesituation, so etwas, von dem wir nie gedacht hatten, dass es passieren könnte“.

Lesen Sie jetzt