Die Kunden müssen sich noch mit Abohlservices bei den Selmer Geschäften begnügen. Die Händler setzen auch ab Montag, 8. März, weiterhin auf die Treue ihrer Kunden. © Arndt Brede
Shopping-Tourismus

Droht dem Einzelhandel in Selm ein Shopping-Tourismus in den Kreis Coesfeld?

Der Einzelhandel darf ab Montag, 8. März, wieder öffnen. Ob mit oder ohne Terminbuchung, das hängt an Inzidenzwerten. Könnte das zu einem Shopping-Tourismus von Selm in den Kreis Coesfeld führen?

Dass ab Montag, 8. März, der Einzelhandel wieder öffnen darf, das hat die Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin ausgearbeitet. Es klingt einfach: Liegt der Inzidenzwert, also die Zahl der Neuinfektionen der letzten sieben Tage, gerechnet auf 100.000 Einwohner, unter 50, darf ein Kunde pro zehn beziehungsweise 20 Quadratmeter ins Geschäft. Liegt der Wert zwischen 50 und 100, darf ein Kunde pro 40 Quadratmeter nach vorheriger Terminvereinbarung im Geschäft einkaufen.

Im Kreis Unna, aber auch im Land NRW, also egal, ob der Kreis- oder der Landeswert maßgeblich ist, liegt der Wert – Stand 5. März – zwischen 50 und 100, nämlich bei 62,5 beziehungsweise 63,9. Was Terminshopping möglich macht. Spannend wird es im Kreis Coesfeld. Dort liegt der Inzidenzwert bei 23,6. Theoretisch dürften also in Olfen, Nordkirchen und Lüdinghausen – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Selm – die Geschäfte ohne Terminvergabe mehr Kunden gleichzeitig begrüßen als in Selm. Zwar hat der Kreis Coesfeld – Stand 5. März – noch nicht entschieden, ob das tatsächlich so kommen darf. Aber befürchten die Selmer Einzelhändler ein Abwandern der Kunden von Selm in die Nachbarkommunen im Kreis Coesfeld?

„Nein“, sagt Thomas Kaim, Sprecher der Werbegemeinschaft im Selmer Zentrum. „Das kann ich mir nicht vorstellen, dass es so kommt.“ So groß sei der Kaufdruck bei den Selmer Kunden wohl nicht. „Mein Eindruck ist, dass es eher so ist, dass die Kunden, wenn sie wieder einkaufen dürfen, vermehrt in ihrem Umfeld einkaufen. Vielleicht sogar mehr als vorher.“ Viele würden die weiteren Wege wegen der Coronapandemie scheuen.

Die Erfahrung der letzten Monate zeige, dass die Kunden den Kontakt zu den Geschäften halten. „Sie haben sich angewöhnt, in den Geschäften anzurufen, um zu hören, wie es aussieht, ob man kommen kann oder nicht, und dann einen Termin machen. Das hat zugenommen.“

Altstadt-Sprecherin sicher: Kunden bleiben treu

Auch in der Selmer Altstadt befürchten die Händler offenbar keinen Shopping-Tourismus in umliegende Kommunen: „Es wird sicher ein paar Menschen geben, die das dann nutzen würden, weil sie einfach mal wieder bummeln gehen wollen, aber die gab es vorher auch“, sagt Nicole Reuter, Sprecherin der Werbegemeinschaft in der Altstadt. „Wir haben über die ganzen Monate festgestellt, dass die Selmer ihre ganze Kaufkraft hier gelassen haben und uns auch immer wieder mitgeteilt haben, wie wichtig wir sind und dass sie uns auf jeden Fall treu bleiben. Ich glaube schon, dass das auch weiterhin so ist.“

Thomas Kaim und Nicole Reuter sind also sicher, dass die Selmer den lokalen Einzelhandel unterstützen und ab Montag, 8. März, wieder kommen werden. Die Geschäfte seien auf jeden Fall bereit, ihre Kunden zu begrüßen.

Berken-Chef: Warten auf NRW-Verordnung

Auch im Kaufhaus Berken bereitet man sich auf eine mögliche Öffnung am Montag, 8. März, vor. Ausreichende Laufwege, Wartezonen vor den Kassen, Hygienemaßnahmen – alles vorhanden. Euphorie jedoch ist nicht die Emotion, die die Geschäftsleitung bewegt. „Ob und wie wir öffnen dürfen, weiß ich noch gar nicht“, sagt Dennis Berken, geschäftsführender Gesellschafter des Kaufhauses Berken, auf Anfrage. „Die Bundesregierung hat eine Vorgabe gemacht, aber jedes Land kann das ja noch mal anpassen. Eine Verordnung vom Land NRW habe ich noch nicht vorliegen.“ Die Lage sei sehr unsicher, erklärt Berken.

Die Geschäftsleitung des Kaufhauses Berken vermisst eine klare Verordnung vom Land, wer wie öffnen darf.
Die Geschäftsleitung des Kaufhauses Berken vermisst eine klare Verordnung vom Land, wer wie öffnen darf. © Marie Rademacher (Archiv) © Marie Rademacher (Archiv)

Je nachdem, welche Inzidenzwerte maßgeblich sind – ob vom Land oder vom Kreis -, könnte es am Ende zur kuriosen Situation kommen, dass das Kaufhaus Berken in Selm ab Montag, 8. März, mit Terminvergabe und verringerter Kundenzahl öffnen darf und das Kaufhaus Berken in Lüdinghausen ohne Terminvergabe und mit mehr Kunden. Das eine – in Selm – im Kreis Unna mit Inzidenzwerten zwischen 50 und 100 und das andere – in Lüdinghausen – im Kreis Coesfeld mit Inzidenzwerten unter 50. Die beiden Geschäften liegen nur rund elf Kilometer auseinander.

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Redaktion Selm
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