Ein Facebook-Post der Kreispolizeibehörde Unna sorgt in dieser Woche für Aufsehen. „Liebe Straftäter, lasst es doch gleich bleiben“, heißt es darin. Gehen Straftaten in Selm zurück?

Selm

, 28.03.2020, 17:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna hat am Dienstag (24. März) mit einem Facebook-Post für Aufsehen gesorgt. Dabei richtete sie sich direkt an potentielle Straftäter. „Liebe Straftäter, lasst es in diesen Tagen doch gleich bleiben. Die wundervollen Menschen im Kreis Unna sind zu Hause - Einbrüche könnt ihr euch also schon mal sparen“, heißt es in dem Post.

Und weiter: „Ihr braucht auch nicht mit mehreren Tätern losziehen, denn wegen des Kontaktverbots halten wir euch schon auf, wenn ihr mehr als zwei seid. Wenn ihr euch die Straftaten jetzt abgewöhnt, braucht ihr sie nach überstandener Corona-Krise auch nicht weiter begehen.“

Appell wirkt belustigend, ist jedoch ernst gemeint

Bei vielen Menschen sorgte diese Mitteilung für ein Schmunzeln, zumindest lassen die Likes für diesen Post darauf schließen. Mehr als 100 Menschen reagierten bisher mit einem Lachen, statt dem obligatorischen Daumen nach oben. Ernst gemeint ist der Appell jedoch allemal.

„Der Appell ist absolut ernst gemeint. Zum einen haben wir gemerkt, dass wir innerhalb der letzten Tage weniger Einsätze haben. Aber wir wollen auch weiterhin, dass weniger Straftaten verübt werden“, teilt Vera Howanietz von der Kreispolizeibehörde Unna auf Nachfrage mit.

Weniger Einbrüche als im selben Zeitraum aus dem Vorjahr

Am Freitag (27. März) hat die Polizei darüber hinaus das wöchentliche Wohnungseinbruchs-Radar veröffentlicht. Demnach wurden im Tatzeitraum vom 19. bis 26. März im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna drei vollendete und vier versuchte Wohnungseinbrüche angezeigt: drei vollendete in Kamen sowie je ein versuchter Einbruch in Unna und Schwerte und zwei in Bergkamen. In Selm wurden in diesem Zeitraum keine Wohnungseinbrüche angezeigt.

In der Woche zuvor wurden im gesamten Kreis ein versuchter und ein vollendeter Wohnungseinbruch angezeigt. Die Zahl der Anzeigen ist im Vergleich zur Vorwoche also doch gestiegen. Im Vergleich zum Zeitraum im vergangenen Jahr (vom 15. bis 22. März 2019) ist die Zahl jedoch tatsächlich minimal gesunken. Damals waren es kreisweit drei versuchte und fünf vollendete Einbrüche, die zur Anzeige gebracht wurden.

Zahlen sind nicht in Zusammenhang mit Kontaktverbot zu bringen

Howanietz will die Zahlen jedoch nicht mit dem von der NRW-Landesregierung verhängten Kontaktverbot, das am Montag (23. März) in Kraft getreten ist, in Zusammenhang bringen: „Wir haben momentan eine Entwicklung, dass es weniger Anzeigen und Einsätze wegen Straftaten gibt. Ob das an Corona oder dem schönen Wetter liegt - dazu können wir aber noch keine Rückschlüsse ziehen.“ Zumindest was Verkehrsunfälle angeht, sei es derzeit ruhiger geworden. „Es gibt derzeit weniger Verkehr und damit auch weniger Unfälle. Aber das mit validen Daten im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu belegen, ist auch in diesem Fall noch zu früh“, so Howanietz.

Was definitiv gute Nachrichten sind: Die Menschen scheinen sich größtenteils an das Kontaktverbot zu halten. Schon am vergangen Sonntag (22. März) teilte die Kreispolizei unter anderem auf Facebook mit, dass es an diesem Tag in diesem Zusammenhang wesentlich weniger Einsätze gegeben habe, als am Vortag.

Verhältnismäßigkeit walten lassen

In Selm wurden wegen etwaiger Verstöße gegen das Kontaktverbot laut Auskunft von Selms Bürgermeister Mario Löhr bislang keine Bußgelder verhängt. Das liegt auch daran, dass die Polizei in Zusammenarbeit mit den Ordnungsämtern im Kreis Unna bisweilen mit einem „gewissen Augenmaß“ an die Sache herangegangen ist, wie Howanietz sagt.

„Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass man zu zweit unterwegs ist und auf einen Dritten trifft. Da machen Ordnungskräfte und die Polizei bisher drauf aufmerksam, dass dies zu vermeiden ist und müssen in speziellen Fällen auch eine entsprechende Verhältnismäßigkeit walten lassen“, sagt Howanietz. Man dürfe sich auf offener Straße weiterhin kurz grüßen. Aber: „Es geht um die öffentlichen ‚Corona-Partys‘, die es für die Ordnungskräfte aufzulösen gilt.“

Kein ruhiger Monat

Von einem ruhigen Monat März kann bei der Kreispolizeibehörde jedoch bei Weitem nicht die Rede sein. Howanietz: „Wir haben viele neue interne Regelungen und müssen gewisse Sicherheitsvorkehrungen treffen, um auch bei uns die Infektionsrisiken zu minimieren, damit wir die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in jedem Fall aufrechterhalten können.“

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Darüber hinaus warnen die Kreispolizeibehörde und die Kreisverwaltung Unna vor einer neuen Masche von Trickbetrügern im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Dabei geben sich die Betrüger - ausgestattet mit Mundschutz - als Mitarbeiter einer Gesundheitsbehörde aus und täuschen vor, die Bürgerinnen und Bürger nun zu Hause auf das Coronavirus zu testen. So versuchen sich die Täter Zutritt zur Wohnung zu verschaffen und die Betroffenen dann auszurauben.

Keine Vorfälle im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Unna

Die Polizei rät daher: „Die Gesundheitsbehörde führt keine Tests zu Hause durch. Lassen Sie keine fremden Personen in Ihre Wohnung. Gibt jemand an Ihrer Haustür vor, er wolle Sie auf das Coronavirus testen, rufen Sie sofort den Notruf unter 110.“ Im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Unna sind derartige Vorfälle bislang noch nicht angezeigt worden.

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