Einkaufen in Selm: Die größten Chancen und Risiken für den Einzelhandel

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Wie gut lässt sich in Selm einkaufen? Das hat ein Gutachter ermittelt. Er zeigt auf, wo das Geld ausgegeben wird. Wo Selm gut da steht. Und was Sorge machen muss - unabhängig von Corona.

Selm

, 22.05.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Jörg Lehnerdt 2019 seine Arbeit aufnahm, war Corona noch ein Fremdwort. Der Leiter der Kölner Niederlassung der Handelsberatung BBE hatte den Auftrag bekommen, für die Stadt Selm ein neues Einzelhandelskonzept zu erstellen: ein Papier, das aufzeigt, wie gut es sich in Selm einkaufen lässt. Wo Chancen liegen und wo Risiken. Von der größten Gefahr konnte Lehnerdt noch nichts ahnen, als er seine Arbeit abschloss.

Nur zehn Große teilen sich mehr als die Hälfte der Verkaufsfläche

Vom Dorfladen in Cappenberg bis zum Hellweg-Baumarkt an der Lüdinghausener Straße in Selm: Die Betriebe, die im Mittelpunkt des Gutachtens stehen, unterschieden sich deutlich - nicht nur durch das Sortiment, sondern vor allem durch die Größe: Zehn Betriebe stellen zusammen 60 Prozent der gesamten Verkaufsfläche in der Stadt - und verbuchen mit 65,1 Millionen Euro 57 Prozent des gesamten Umsatzes.

Der größte unter den „Big 10“ in Selm ist der Hellweg-Baumarkt. Sechs große Lebensmittelmärkte, der Raiffeisen-Markt, Thomas Philipps und das Kaufhaus Berken komplettieren die Reihe. Die aktuellen Bauarbeiten an der Kreisstraße hatten noch nicht begonnen, als Jörg Lehnerdt seinen Bericht schrieb. Dennoch hat er diese Veränderung bereits berücksichtigt.

Das Gesamtergebnis veränderte das nicht. Zwar entstünden ein neuer, größerer Rewe-Markt und ein moderner Aldi, wo bislang Aral-Tankstelle und Autohaus Rüschkamp waren. Allerdings handele es sich nicht um Neuansiedlungen, sondern um Verlagerungen.

52 Kleine teilen sich 6 Prozent der Gesamtfläche

52 Betriebe haben weniger als 100 Quadratmeter Verkaufsfläche. Damit ist die Mehrheit der Selmer Geschäfte eher klein. Auf 57 Prozent aller Betriebe entfallen gerade einmal 6 Prozent der gesamten Verkaufsfläche in Selm.

Unterm Strich entfallen auf jeden der 26.322 Selmerinnen und Selmer 1,3 Quadratmeter Verkaufsfläche: ein Messwert, der die Dichte mit Geschäften illustrieren soll. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Bundesbürger kann über 1,4 Quadratmeter Verkaufsfläche bummeln.

4800 Quadratmeter Einkaufsfläche liegen brach: zwölf Läden ohne Leben. Das Gros dieser Fläche entfalle auf das leer stehende Möbelhaus Wulfert, sagt der Gutachter Anfang März - wenige Tage vor dem Corona-bedingten Ladenschluss.

Geld für Lebensmittel und Baubedarf bleibt in Selm

Fast das gesamte Geld, das Selmerinnen und Selmer für Nahrungs- und Genussmittel ausgeben, bleibt vor Ort: 90 Prozent. Genauso hoch fällt die sogenannte Umsatz-Kaufkraft-Relation für den Bereich Bau- und Gartenbedarf aus: beides Traumwerte.

Diese starke Orientierung auf Selm die sich neben Lebensmitteln und Baumarktartikeln auch noch bei Drogeriewaren zeigt, ist bei nahezu allen anderen Sortimenten Fehlanzeige. Zum Shoppen geht es am liebsten nach Lünen und Dortmund. Der größte Konkurrent ist aber das Internet.

Konkurrent Internet ist besonders groß

40 Prozent ihrer Bücher kaufen die Selmerinnen und Selmer im Internet, nur 23 Prozent in ihrer Heimatstadt und 26 Prozent in Lünen und Dortmund. Bei Sportartikeln ist die Diskrepanz noch größer: Elf Prozent der Kunden aus Selm kaufen sie in Selm ein, 34 Prozent im Internet.

Andernorts sei die Bedeutung des Onlinehandels noch größer, tröstet Lehnerdt. Dennoch: Untätig bleiben sollte Selm nicht. Die Nutzungsvielfalt vor Ort sei zu erhalten. Er begrüßt es, dass sich die Kreisstraße zum Hauptzentrum mit großflächigen Betrieben etabliert habe, während das Nebenzentrum in der Altstadt mit Kleinteiligkeit und Individualität punkte.

Bessere digitale Sichtbarkeit gefordert

Allen empfiehlt er eine „bessere digitale Sichtbarkeit“. Um die Konkurrenz aus dem Netz mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, brauche es mehr als nur Web-Seiten. Online-Shops etwa hätten bislang aber nur Filialisten wie Family oder Kick.

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