Eisdiele San Remo in Selm wie leer gefegt - Joáo Ameixa: „Zurzeit ist alles komisch“

hzEisdiele San Remo

Kaum Gäste in der Eisdiele San Remo in Selm. Dem Geschäftsführer Joáo Ameixa bereitet das große Sorgen. Schließen will er seinen Laden vorerst nicht - zumindest nicht freiwillig.

Selm

, 17.03.2020, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Dienstagnachmittag (17. März) ist es leer in der Eisdiele San Remo an der Kreisstraße in Selm. Nur zwei Gäste sitzen vor dem Laden auf der sonnigen Terrasse und genießen ihren Kaffee. Hinter dem Tresen in der Eisdiele sorgt das für lange Gesichter - beim Personal und beim Geschäftsführer Joáo Ameixa. „Ich habe fast 100 Prozent weniger Umsatz“, sagt der Eisdielen-Betreiber. Die Menschen scheinen sich an den Appell von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zu halten, möglichst zu Hause zu bleiben.

Die Eisdiele macht jeden Tag um 10 Uhr auf. Bis 15 Uhr waren jedoch gerade mal etwas mehr als zehn Kunden im Laden. „Und das bei diesem schönen Wetter“, sagt Ameixa. Selbst als er Anfang Februar bei vergleichsweise schlechtem Wetter seinen neuen Laden eröffnet hatte, waren mehr Kunden da. Er sei sehr traurig, hat aber trotzdem nicht vor, seinen Laden zu schließen. „Solange ich nichts Offizielles höre, dass ich schließen muss, bleibt mein Laden geöffnet“, sagt er.

Joáo Ameixa hat die Eisdiele San Remo Anfang Februar eröffnet.

Joáo Ameixa hat die Eisdiele San Remo Anfang Februar eröffnet. © Marcel Schürmann

Stühle und Tische im Außenbereich reduziert

Normalerweise hat Ameixa seinen Laden bis 22 Uhr geöffnet. „Zurzeit ist alles komisch. Vielleicht muss ich demnächst eher schließen. Ich weiß es nicht“, sagt er. Freiwillig würde Ameixa auch die Tische und Stühle in der Eisdiele reduzieren und weiter auseinander stellen. Draußen vor der Eisdiele ist das schon geschehen.

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Die Verunsicherung wegen der Einschränkungen durch die Bundes- und Landesregierung auf das öffentliche Leben - sie sind auch deutlich in der Eisdiele San Remo zu spüren. Nicht nur bei Ameixa und seinem Personal. Auch bei den Kunden.

Kunden sind geteilter Meinung

Denn um 15.10 Uhr kommen doch noch ein paar mehr Kunden in die Eisdiele. Manuela Tölle aus Selm ist eine von ihnen. Sie bestellt ein paar Becher Eis zum Mitnehmen. Ihrer Meinung nach ist die Einschränkung des öffentlichen Lebens „übertrieben“, wie sie sagt - auch wenn sie Verständnis dafür hat, dass man versuchen wolle, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und gerade ältere Menschen geschützt werden müssten. Bedenken, sich in eine volle Eisdiele zu setzen, hätte sie aber nicht.

Manuela Tölle aus Bork sieht das ganz anders als die Eisdielenbesucherin gleichen Namens. Es sei dringend notwendig, dass in dieser Krisenzeit alle ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum herunterfahren, damit sich das Virus nicht zu schnell ausbreite. Wer unnötig das Haus verlasse, handele unverantwortlich - für sich und andere. Sie könne sich nur den Appellen anschließen, wenn eben möglich zuhause zu bleiben, sagt die Borkerin in einem Telefonat.

Andreas Krumm ist ebenfalls Besucher der Eisdiele an diesem Dienstag. Er kauft mehrere Portionen zum Mitnehmen. „Nein“, sagt er, „ich würde mich nicht in die Eisdiele setzen, wenn sie denn voll wäre.“ Er hält sich so weit wie möglich an die Einschränkungen, auf soziale Kontakte zu verzichten: „Meinen Eltern bleiben wir aktuell fern. Es ist einfach schwierig für alle.“

Wir haben den ursprünglichen Beitrag im Nachhinein ergänzt um das Statement von Manuela Tölle aus Bork, die ihrer Namensvetterin aus Selm deutlich widerspricht.

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