Warum 900 Schülerinnen und Schüler noch mehr lernen sollen über das Thema Klima

hzVortrag im Bürgerhaus

900 Schülerinnen und Schüler besuchen in dieser Woche im Bürgerhaus einen Vortrag zum Thema Klima. Die Mitteilung liest sich, als müssten Schüler dazu besondere Nachhilfe erhalten. Wirklich?

Selm

, 17.09.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa 900 Schüler des Selmer Gymnasiums und der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule werden sich am Mittwoch und Donnerstag auf den Weg ins Bürgerhaus machen, um bei der Veranstaltung „Energievision 2050“ mehr über das Thema Klima und Energie zu lernen. Die Pressemitteilung dazu wirft Fragen auf.

„Energievision 2050“ wird vom Verein Multivision organisiert. Das Jahr 2050 steht dabei für den Zeitpunkt, in dem die Bundesregierung die Treibhausgasemissionen drastisch - um bis zu 90 Prozent - heruntergefahren haben will.

„Selm ist zum dritten oder vierten Mal dabei“, erklärt Stadtsprecher Malte Woesmann. Die Veranstaltung wird von den Stadtwerken und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW finanziell unterstützt.

Nicht zum ersten Mal in Selm

Dabei sehen die Schüler in Gruppen einen 20-minütigen Film über das Thema, sollen ihre Fragen stellen und diskutieren, wie Marcel Bohnen, Pressesprecher von Multivision sagt. Dann würden sich die Schüler je nach Interesse mit verschiedenen vertiefenden Modulen beschäftigten. Wie zum Beispiel Konsum, Mobilität oder Wohnen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bildungsveranstaltung „Energievision 2050“ sich auf den Weg nach Selm gemacht hat, um Schüler über Themen wie Energie, Nachhaltigkeit und Umwelt zu informieren. Doch durch Fridays for Future und Diskussionen über Klimanotstand ist das Thema aktuell wie nie.

Wie aus der Zeit gefallen

Da wirkt der Ankündigungstext zur Veranstaltung schon eher ein bisschen wie aus der Zeit gefallen: „Wir wollen Jugendliche direkt und unterhaltsam informieren, wie Nachhaltigkeit geht und welche Wichtigkeit sie für ihr Leben hat“, wird da Franz Schättle vom Verein Multivision in einer Pressemitteilung zitiert, „im täglichen Leben der Heranwachsenden haben Nachhaltigkeit, Klima- und Energiethemen keinen ausreichenden Stellenwert und die Jugendlichen verfügen häufig über ein geringes Wissen.“

Zwei Sätze, die vielleicht vor einem Jahr noch gegolten haben, als Greta Thunberg gerade angefangen hatte, vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren. Aber heute?

„Tatsächlich ist Klima gerade genau das Thema, was auch von den Schülerinnen und Schülern nachgefragt wird“, sagt Marcel Bohnen. Das bedeute, dass Schüler ihre Lehrer auch gezielt ansprechen und Veranstaltungen wie diese einfordern. Tatsächlich wirke da die Formulierung aus der Ankündigung komisch und müsste „nochmal überarbeitet werden.“

Ausgeprägteres Interesse an Umweltthemen

Auch Ulrich Walter, Schulleiter des Selmer Gymnasiums, ist der Meinung, dass das Wissen der Schüler über das Thema Umwelt und Klima größer ist als vor einem Jahr: „Das ist so, dass wir in letzten Jahr eine Aktivierung der jungen Menschen in dem Umfang nicht hatten“, sagt Walter.

Allerdings schmälere das keinesfalls die Bedeutung einer Veranstaltung, wie die im Bürgerhaus. „Wir müssen die Diskussion, die wir mit den Jugendlichen führen, auf einer sachlichen Ebene halten.“

Der Schulleiter des Gymnasiums verstehe die „Energievision 2050“ ohnehin als eine Ergänzung zum normalen Unterricht. So gab es bei der Projektwoche zum 30. Geburtstag des Gymnasiums die Veranstaltung „Radeln for Future“, bei der die Schüler zum Halterner Stausee fuhren und anschließend berechneten, wie viel CO2 sie dadurch eingespart hatten.

Die Selma-Lagerlöf-Gesamtschule ist erstmals bei der Veranstaltung dabei. „Ich finde sehr wichtig, dass zu einem Interesse für das Thema auch Expertise dazu kommt“, sagt Schulleiterin Karin Vogel. An der Schule gibt es bereits Energiedetektive: Schüler, die darauf achten, dass in den Pausen kein Licht in den Klassenräumen brennt. Unter anderem. „Es geht ja nicht nur ums Engagement, sondern darum, das eigene Verhalten zu ändern“, sagt Vogel. Und die Veranstaltung im Bürgerhaus könnte dabei eine Hilfestellung sein.

Das steckt hinter der Energievision Der gemeinnützige Verein Energievision kümmert sich um Jugend- und Erwachsenenbildung. Sein Ziel ist dieFörderung der politischen und gesellschaftlichen Bildung. Die Veranstaltung Energievision gibt es seit 1998. Alle drei Jahre wechselt das Programm für die Schüler. Das aktuelle Programm ist seit diesem Jahr erstmals im Einsatz.
Lesen Sie jetzt