Die Pandemie spitzt sich auch im Kreis Unna dramatisch zu. Jüngste Zahlen zeigen: Die Corona-Krise wird zur Bewährungsprobe für die gesamte Gesellschaft. Es gibt erste Versorgungslücken.

Kreis Unna

, 18.03.2020, 13:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Die Zahl der bestätigten Infektionen im Kreis Unna hat sich binnen eines Tages auf 51 mehr als verdoppelt. Hinzu kommen 23 begründete Verdachtsfälle mit noch ausstehenden Testergebnissen in den Krankenhäusern – und über 1000 Kontaktpersonen, die kreisweit unter Quarantäne stehen.

Dramatische Zahlen, die wohl nach wie vor nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs sind. „In den nächsten Tagen werden wir den Ernst der Lage deutlich erkennen“, warnte Landrat Michael Makiolla am Mittwoch davor, die Pandemie jetzt noch auf die leichte Schulter zu nehmen. Sein Eindruck vom Vortag sei, dass es „noch sehr viele Menschen gibt, die sich noch sehr sorglos verhalten“.

„In den nächsten Tagen werden wir den Ernst der Lage deutlich erkennen.“
Landrat Michael Makiolla

Die Gesellschaft wird sich auf weitere Einschnitte einstellen müssen. Der Kreis und die zehn kreisangehörigen Kommunen haben sich am Mittwoch darauf geeinigt, das Verbot öffentlicher Veranstaltungen bis zum 1. Mai zu verlängern. Tanzveranstaltungen, Kundgebungen und alles, was mit dem Maifeiertag zusammenhängt, wird nicht stattfinden. Makiolla geht sogar davon aus, dass die Verbote auch über diesen Tag hinaus Gültigkeit haben. „Der 1. Mai ist ein beliebiger Zeitpunkt und ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit weiteren Einschränkungen rechnen müssen.“

Bis zu 10.000 Anrufe täglich über Hotline des Kreises

Die Behörden konzentrieren im Moment all ihre Bemühungen auf den Kampf gegen die exponentielle Ausbreitung. Das Kreishaus beispielsweise ist seit Mittwoch geschlossen, um Kapazitäten für die Aufgaben rund um die Pandemie freizuschaufeln. Wie dringend die nötig sind, zeigt das Anrufaufkommen der Hotline des Kreises: Bis zu 10.000 Anrufe am Tag – die Mitarbeiter können nur einen Bruchteil davon überhaupt entgegennehmen. Am Montag führten sie 212 Gespräche, am Dienstag 295.

Makiolla versteht die Ängste und Sorgen der Bevölkerung. Doch er ruft dringend dazu auf, die Hotline „nur in dringenden Fällen und für ganz wichtige Fragen“ anzurufen. In den Gesprächen gehe es im Moment überwiegend um Fragen, die für den Einzelnen zwar wichtig erscheinen – aber in der Berichterstattung der Medien zu Genüge beantwortet werden. Etwa zu Verhaltensregeln.

Keine Schutzkleidung: Erste Hausärzte und Pflegedienste stellen Arbeit ein

Auf das wohl größte Problem aber steuert der Kreis Unna überhaupt erst noch zu. Es fehlt Schutzkleidung für das medizinische Personal – Kreisgesundheitsamt und Rettungsdienst, aber Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte kommen zunehmend in die Bredouille. Und das hat offenbar erste Auswirkungen auf die medizinische Versorgung im Kreis Unna, wie Makiolla berichtet. Demnach schließen bereits Hausarztpraxen im Kreisgebiet mit Verweis auf fehlende Schutzkleidung. Zudem weigern sich laut Makiolla „immer mehr ambulante Pflegedienste, ohne Schutzkleidung in die Haushalte zu gehen“. Material sei bestellt, jedoch ohne Aussicht auf einen Liefertermin.

Eindringlich haben die zehn Bürgermeister und der Landrat am Mittwochmorgen in einer gemeinsamen Konferenz mit NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach auf diese Gefahr hingewiesen. Die kann allerdings im Moment auch nicht mehr tun, als den Hilferuf mit an den Kabinettstisch nach Düsseldorf zu nehmen.

„Die Bekämpfung dieser Pandemie ist die größte und schwierigste Herausforderung seit Ende des Zweiten Weltkrieges, wir stehen vor einer großen Bewährungsprobe.“
Landrat Michael Makiolla

Die einzigen, die im Moment wirklich handlungsfähig sind im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus, sind die Bürger selbst – nämlich indem sie die Warnungen der Behörden ernst nehmen. „Die Bekämpfung dieser Pandemie ist die größte und schwierigste Herausforderung seit Ende des Zweiten Weltkrieges, wir stehen vor einer großen Bewährungsprobe“, sagte Makiolla am Mittwoch. Auf die Frage, ob er eine generelle Ausgangssperre befürworte, wie sie in anderen Ländern der Europäischen Union bereits gilt, sagte er: „Es werden natürlich weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen – aber die entscheidende Instanz ist die Landesregierung.“

Alle Auflagen, die jetzt schon gelten – und dazu zählt unter anderem das Öffnungsverbot für Geschäfte und Bars – werden die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden kontrollieren; und bei Verstößen auch sanktionieren.

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