„Es wird Zeit zu sagen, was zu tun ist“: Das sagen Selmer Parteien zum Klimanotstand

hzKlimanotstand in Selm

Eine Selmerin hat eine Petition gestartet, um in Selm den Klimanotstand auszurufen. Was sagen die Selmer Parteien zu der Aktion?

Selm

, 06.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Genau 521 Unterzeichner braucht die Selmerin Insa Behrens, damit ihre Petition zum Thema Klimanotstand an Bürgermeister Mario Löhr übergeben wird. Bislang haben mehr als 220 Menschen die Petition unterschrieben.

Eine der ersten Parteien, die auf die Petition reagiert hatte, war der Stadtverband der Selmer SPD, der am Samstagmorgen die SPD-Fraktion im Rat dazu aufgerufen hatte, die Petition zu unterstützen. Sprecher Jesaja Michael Wiegard hat die Petition selbst unterschrieben und kommentiert dazu: „Wenn das Haus brennt, muss man Feuer rufen.“ Selm arbeite zwar an einem Klimaschutzkonzept, „aber wer weiß das schon. Es wird also Zeit, lauter und deutlicher zu sagen, was zu tun ist - und dass die Zukunft ernsthaft gefährdet ist. Und auch, dass die Änderungen im eigenen Verhalten nicht immer schmerzfrei sind“.

Auch die Selmer UWG hat die Petition kurz nach Veröffentlichung auf ihrer Seite geteilt und ihre Unterstützung signalisiert. „Wir haben sofort gesagt, da schließen wir uns an, denn das sind die Themen, die unter den Nägeln brennen“, sagt Maria Lipke von der UWG auf Anfrage der Redaktion.

Maria Lipke, findet es gut, dass die junge Generation sich engagiert. Sie sagt: „Manchmal wird man vielleicht ein bisschen betriebsblind. Ich selbst gehöre zur 68er-Generation, wir haben damals der älteren Generation die Augen geöffnet, ich finde es gut, dass es nun eine neue Bewegung der Jungen gibt.“

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Änderungen nicht immer schmerzfrei

„Grundsätzlich finde ich das Engagement von Insa Behrens bemerkenswert und unterstützungswürdig“, sagt Michael Zolda von der Selmer CDU. Besonders die CDU war vor der Europawahl durch ein Video des Youtubers Rezo in den Fokus der Kritik geraten. Rezo hatte die Klimapolitik der Partei als mangelhaft kritisiert und dazu aufgerufen, die CDU, ebenso wie die SPD und AFD nicht zu wählen.

Auch der Umgang der CDU mit dem Video hatte für Kritik gesorgt. Michael Zolda findet, dass die Ergebnisse der Europawahl, bei der CDU und SPD deutlich an Wählern verloren haben, Konsequenzen haben müssen: „Die Politik muss, und das wurde durch die Europawahl mehr als deutlich, umweltpolitisch Prioritäten schaffen“, sagt er. „Das Pariser Klimaschutzabkommen muss, ohne wenn und aber, umgesetzt werden“, so Zolda. Seiner Meinung nach hätten dabei aber bestimmte Umweltthemen Priorität.. Zum Beispiele müsse weltweit insbesondere in Brasilien und Indonesien das Abholzen der Urwälder sofort eingestellt werden, findet er.

Marion Küpper von den Grünen in Selm hatte selbst überlegt, eine entsprechende Petition zu starten, Insa Behrens sei ihr aber zuvor gekommen. Sie findet, dass die Maßnahmen in Sachen Klimaschutz meistens zu kurz gedacht sind und würde daher einen Klimanotstand begrüßen: „Es ist ja nett, über Blühstreifen zu reden, aber das ist nur ein kleiner Teil des Ganzen“, sagt Küpper. Sie freut sich aber, dass in Selm mit der Petition ein Stein ins Rollen gebracht wurde. Übrigens gilt das auch für den gesamten Kreis. Auf Kreisebene hatte die SPD einen entsprechenden Antrag gestellt, Anfang Juli soll darüber in Kreisausschuss und Kreistag beraten werden.

„Ich finde es hervorragend, dass sich junge Menschen wieder engagieren“, sagt Werner Sell, Chef der Fraktion „Wir für Selm“. Den Weg zu mehr klimafreundlichem Handeln findet er „mehr als notwendig“, doch es seien noch „dicke Bretter zu bohren“.

Klimaschutzkonzept wird erarbeitet

Und was sagt die Stadt? „Die Klimaproblematik beschäftigt die Stadt Selm schon seit Jahren“, sagt Norbert Zolda von der Stadt Selm. „Die globale Erderwärmung ist Fakt und bedroht auch uns in vielfältiger Weise. Insofern haben Politik und Verwaltung den aktuellen Handlungsbedarf anerkannt und vor diesem Hintergrund auch die Einrichtung und Besetzung einer entsprechenden Planstelle schon 2017 beschlossen und anschließend umgesetzt“, sagt er.

Ein Antrag zur Förderung eines Klimaschutzkonzeptes war 2017 gestellt und 2018 positiv beschieden worden. Das entsprechende Konzept hat die Firma Gertec GmbH aus Essen, eine Fachfirma, die sich mit Fragen des Umweltschutzes beschäftigt, erstellt. Das Klimaschutzkonzept soll nach den Sommerferien abgeschlossen und dann dem Rat zur Abstimmung vorgelegt werden, so Zolda.

Vorab sei aber am 4. Juli ein Klima-Café im Bürgerhaus geplant, „im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung“, wie es von der Stadt heißt. Ein genaues Programm gibt es aber noch nicht. Das Engagement der Jugendlichen, zum Beispiel bei Fridays for Future, begrüßt die Stadt ausdrücklich: „Wer, wenn nicht die junge Generation, ist berechtigt, die Stimme zu erheben und die Begrenzung der globalen Erderwärmung einzufordern“, so Zolda.

Redaktuerin Sabine Geschwinder kommentiert:
„Klimaschutz ist das Thema“

Die Fridays-for-Future-Bewegung mit ihrer Gallionsfigur Greta Thunberg, der Youtuber Rezo mit seinem kritischen Video und auch junge Menschen, wie Insa Behrens, die nun eine Petition gestartet haben: Sie alle zeigen den Parteien, dass das Thema Klima für sie keines unter vielen ist.

Es ist das Thema. Ein Thema, unter dem alle anderen unterzuordnen sind. Mit welcher Vehemenz die Jugendlichen dafür einstehen und auch wie viel Sachkenntnis sie dabei zeigen, das hat sicherlich viele ältere Menschen und letztlich auch Parteien überrascht. Sie haben das Thema auf der Agenda gehabt, aber nicht mit oberster Priorität. Wie schön, dass die Aktionen der jungen Aktivisten nun zweierlei zeigen: Junge Menschen sind nicht politikverdrossen und politisches Engagement lohnt sich.

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