EU bespricht mögliches Verbot: Müssen alle Kunstrasenplätze in Selm umgerüstet werden?

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Das Gummi-Granulat, welches als Einstreumaterial auf Kunstrasenplätzen verwendet wird, steht aktuell zur Diskussion. Das sagen die Stadt Selm und die einzelnen Vereine zum möglichen Verbot.

Selm, Bork, Cappenberg

, 25.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Nachricht ging durch ganz Deutschland: Die EU plant ab 2022 ein Verbot von Gummi-Granulat. Betroffen wären tausende Sportvereine, die das Granulat für ihre Kunstrasenplätze austauschen müssten.

Zuerst dachte Marcel Michl, Vorsitzender des PSV Bork, an eine sogenannte Zeitungsente, also eine Falschmeldung, erzählt er. „Für einen Verein wie uns ist das erst mal ein Schlag ins Gesicht“, gibt er zu. Nun sei es zuallererst wichtig, zu beobachten, „wie sich alle Beteiligten aufstellen werden“.

Vor etwa sechs Jahren wurde der Platz in Bork fertiggestellt - zur gleichen Zeit wie der Platz bei GS Cappenberg und die zwei Plätze auf dem Gelände der SG Selm. Deren Vorsitzender, Georg Hillmeister, war von der Diskussion ebenfalls überrascht. Darüber, wie es nun weitergehen könnte, habe er sich aber noch keine Gedanken gemacht.

„Wir wollen nicht in Panik verfallen“

Marcel Michl will erst mal Ruhe bewahren. „Wir wollen nicht in Panik verfallen, das bringt ja nichts“, sagt er. Der Vorsitzende des Borker Vereins gibt aber auch zu, dass das Thema „für mich und meine Kollegen komplettes Neuland“ ist.

EU bespricht mögliches Verbot: Müssen alle Kunstrasenplätze in Selm umgerüstet werden?

2013 bekam der PSV Bork einen neuen Kunstrasenplatz. Nun könnte die EU das verwendete Granulat verbieten. © Instenberg

In naher Zukunft sei zumindest schon mal denkbar, zu prüfen, ob der Wechsel auf ein anderes Einstreumaterial überhaupt durchführbar wäre. Die Stadt Selm geht davon aus, dass das machbar ist. „Nach Auskunft der Hersteller ist es prinzipiell möglich, das Granulat zu tauschen“, erklärt Pressesprecher Malte Woesmann. Daher seien komplette Umbauten an den einzelnen Plätzen nicht notwendig.

Doch genauso wie Marcel Michl und der PSV Bork, will auch die Stadt Selm erst mal abwarten. „Ob die EU-Kommission ein Verbot dieses Plastik-Einstreumaterials vorschlagen wird, steht noch längst nicht fest“, heißt es in der Mittelung. Daher sei in Selm auch noch nicht über mögliche Alternativen nachgedacht worden. Die aktuelle Diskussion werde die Stadt aber weiterhin „aufmerksam verfolgen“.

Experte war in Cappenberg vor Ort

In Cappenberg sieht man die Diskussion ebenfalls erst mal gelassen. „Wir lassen das auf uns zukommen“, sagt Thorsten Garber, Präsident von Grün-Schwarz Cappenberg. Sein Verein hat neben dem Kunstrasenplatz, der mit denen in Selm und Bork fertiggestellt wurde, noch einen weiteren, den er 2007 selbst gebaut hatte.

Wie es der Zufall so will, hatte sich Thorsten Garber sogar am Mittwochmorgen, 24. Juli, noch mit einem Experten für Kunstrasenplätze getroffen. Dieser sei allerdings nicht vor Ort gewesen, um über das Gummi-Granulat zu sprechen. Vielmehr ging es um eine Ausbesserung am Platz, die im vergangenen Jahr vorgenommen wurde. Denn bei der wurden einige Linien nicht gut verlegt, erklärt er.

Kork oder Sand statt Gummi-Granulat

Dabei sei dann natürlich auch über die Pläne der EU gesprochen worden, verrät Thorsten Garber. Der Experte, so erzählt der Vereinspräsident, rechne mit einem Verbot frühestens in fünf Jahren. Und auch der Vereinspräsident selbst glaubt, dass ein solches Gesetz nicht so schnell in Kraft treten wird.

EU bespricht mögliches Verbot: Müssen alle Kunstrasenplätze in Selm umgerüstet werden?

Auch die SG Selm bekam 2013 neue Kunstrasenplätze. © Jürgen Weitzel

Dennoch wolle er das Thema ernstnehmen. „Wir wollen, dass die Spieler auf einem gesunden Untergrund spielen“, sagt er. Als möglichen Gummi-Granulat-Ersatz nennt er den natürlichen Stoff Kork. „Von Sand halte ich gar nichts“, lehnt er eine weitere Alternative entschieden ab. Generell ist er sich aber sicher, dass ein Weg gefunden werden wird, mit dem am Ende alle leben können. „Es wird sicher eine Lösung geben, davon bin ich überzeugt.“

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