Fast elf Jahre Haft: Richter verurteilen Hamza K. wegen Mordversuchs

hzWaffelino-Prozess

Im Waffelino-Prozess hat das Dortmunder Schwurgericht am Freitag das Urteil verkündet. Die Richter sind sich sicher: Hamza K. hat das Feuer im Café selbst gelegt.

Selm

, 07.06.2019, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der Vorsitzende Peter Windgätter die entscheidenden Worte ausgesprochen hatte - zehn Jahre und neun Monate Haft wegen Mordversuchs und schwerer Brandstiftung - zuckten die Mundwinkel des Angeklagten leicht. Wirklich überrascht wirkte Hamza K. dagegen nicht. Zu vieles hatte in dem Prozess darauf hingedeutet, dass die Richter aufgrund der zahlreichen Indizien am Ende von der Schuld des Selmers überzeugt sein würden.

Umsätze waren gesunken

In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende wörtlich: „Im August 2017 fasste der Angeklagte den Entschluss, das Café in Brand zu setzen, die Versicherungssumme zu kassieren und sich auf diese Weise zu sanieren.“ Nach erfolgreichem Start waren die Umsätze des „Waffelino“ zuletzt immer weiter gesunken. Schuld daran war wohl auch die große Dauerbaustelle auf der Kreisstraße.

Nach Ansicht der Richter kann es nur Hamza K. selbst gewesen sein, der in einem Abstellraum im hinteren Bereich des Cafés eine unbekannte Menge Brandbeschleuniger ausschüttete und die Flüssigkeit schließlich anzündete. „Und ihm war zu diesem Zeitpunkt auch bewusst, dass sich in dem Wohn- und Geschäftshaus noch weitere Personen aufhielten“, sagte Richter Windgätter. Elf Personen mussten in dieser Nacht aus dem Haus gerettet werden. Zum Glück erlitt keiner ernsthafte Verletzungen.

Viele Indizien sprechen gegen Hamza K.

Wie kommen die Richter nun darauf, dass Hamza K. der Schuldige ist? Da sind zum einen die vielen Lügen, die der Selmer nach dem Brand erzählt hat. Schon unmittelbar am Tatort verheimlichte er der Polizei, dass er sich bis kurz vor dem Brand in dem Café aufgehalten hatte. Zum anderen glauben die Richter, dass auch nur der Gastwirt selbst einen Schlüssel zum Café hatte. Und der Täter muss einen Schlüssel gehabt haben, denn die Einbruchsspuren an der Tür erwiesen sich später als nachträglich angebracht.

Außerdem spricht auch die Eile des Angeklagten gegen ihn. Schon zwei Stunden nach dem Feuer - also noch mitten in der Nacht - meldete er den Schaden bei seiner Versicherung. Zur Auszahlung der Summe kam es deshalb nicht.

Angeklagter bestritt bis zuletzt

Hamza K. hat dagegen stets bestritten, der Brandstifter zu sein. Doch auch die von ihm zaghaft gelegten Spuren zu einer libanesischen Großfamilie, mit der er zur Tatzeit Streit hatte, erwiesen sich als unbrauchbar. Tatsächlich war es sogar ausgerechnet ein Mitglied dieser Familie, das den Brand als erstes entdeckte und deshalb an dem Haus Sturm klingelte, um die Bewohner aus dem Schlaf zu reißen und damit zu wecken. „Das muss man dem Mann hoch anrechnen“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

Mit dem Urteil blieben die Richter nur unwesentlich unter dem Antrag, den Staatsanwalt Christoph Köster in seinem Plädoyer gestellt hatte. Elf Jahre Haft hatte dieser gefordert. Verteidiger Ralf Bleicher hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Der Rechtsanwalt hatte zwar eingeräumt, dass es durchaus Indizien gebe, die gegen seinen Mandanten sprechen würden. Insgesamt würden diese seiner Meinung nach aber nicht ausreichen, um am Ende alle Zweifel vom Tisch zu wischen.

Revision gegen das Urteil ist wahrscheinlich

Es gilt deshalb als wahrscheinlich, dass Bleicher und Hamza K. gegen das Urteil des Schwurgerichts Revision einlegen werden. Sobald die schriftliche Urteilsbegründung vorliegt, haben sie einen Monat Zeit, um den Einspruch zu begründen. Dann gehen die Akten erst zur Bundesanwaltschaft und schließlich zum Bundesgerichtshof. Dort würde das Urteil dann auf Rechtsfehler überprüft. Bis zu einer Entscheidung über die Revision werden sicherlich noch Monate vergehen. Monate, die Hamza K. weiter in Untersuchungshaft sitzen wird. Dort sitzt er, seit er nach seiner Wiedereinreise festgenommen worden war. Kurz nach der Tat hatte er sich erst einmal abgesetzt.

Lesen Sie jetzt