Ferien verlängert: Schulleitungen in Selm kritisieren Kommunikation

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Die Weihnachtsferien starten wegen Corona früher. Die Entscheidung sei inhaltlich nicht überraschend, meint ein Selmer Schulleiter. Kritik gibt es dennoch. Besonders über fehlende Kommunikation.

Selm

, 12.11.2020, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Weihnachtsferien in Nordrhein Westfalen sollen wegen der Corona-Pandemie früher beginnen. Der letzte Schultag in diesem Jahr wäre demnach der 18. Dezember. Das hatte Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch (11.11.) gegenüber dem WDR gesagt.

Für Ulrich Walter, Schulleiter des städtischen Gymnasiums Selm, war die Entscheidung „inhaltlich gar nicht so überraschend“. Kritik übt Walter, auch Vorsitzender der Bezirksdirektorenkonferenz der Gymnasien und Sprecher der Gymnasialdirektoren im Kreis Unna, an der Kommunikation. „Ich habe das gestern Abend über den WDR mitbekommen und habe mir die Augen gerieben“, sagt er am Donnerstag (12.11.) auf Anfrage der Redaktion.

Noch keine konkrete Anweisung für Schulen

Er hätte es besser gefunden, wenn das Ministerium die Schulleitungen im Vorfeld mit ins Boot geholt hätte. „Eine konkrete Anweisung dazu gibt es noch nicht“, so Walter weiter. Das heißt: Offiziell wissen die Schulen noch gar nicht, wie ein früherer Ferienstart konkret umgesetzt werden soll.

In letzter Zeit keine Seltenheit. Es sei die bekannte Vorgehensweise der vergangenen Monate, sagt Walter. „Das sagt auch etwas über die Wertschätzung der Schulen aus.“

„Das ist seit den Corona-Verordnungen immer wieder der Fall gewesen“, bestätigt auch Karin Vogel, Schulleiterin der Sekundarschule in Selm. Auch sie wünsche sich hier mehr „perspektivisches Handeln“ vom Schulministerium. Dafür gebe es Gremien und Verbände schließlich.

Denn auch wenn „nur“ zwei Schultage wegfallen, ergeben sich für Schulen, Schüler, Lehrer und auch den Familien daraus organisatorische Konsequenzen. Richtig ist auch: bis zu den Weihnachtsferien sind noch fünf Wochen Zeit. „Das klingt nach viel“, sagt Walter, für die langfristigen Planungen im Schuljahr helfe es aber nur bedingt.

Klausuren müssten verschoben werden

Beispielsweise in Betreuungsfragen für berufstätige Eltern, aber auch ganz konkret im Unterrichtsalltag: „Die Schulen haben langfristig Pläne erarbeitet, gerade die Abiturjahrgänge“, so Walter. Die angehenden Abiturienten am städtischen Gymnasium Selm etwa schreiben an diesen beiden Tagen eigentlich noch Klausuren. Der Beurteilungszeitraum vor dem Abitur ende mit den Weihnachtsferien.

Auch an der Sekundarschule stehen noch Klassenarbeiten an, die dann angepasst werden müssten, sagt Vogel. Auch diese Termine sind seit Anfang des Schuljahres geplant.

Die Entscheidung der NRW-Landesregierung, Schüler wegen der Corona-Pandemie früher in die Weihnachtsferien starten zu lassen, hat am Freitag auch ein Nachspiel im Landtag: Auf Antrag von SPD und Grünen wird es eine Aktuelle Stunde im Plenum geben, bei der sich die Landesregierung erklären soll.

Wie der Landtag am Donnerstag mitteilte, wird der neue Tagesordnungspunkt gleich zu Beginn der Sitzung um 10 Uhr aufgerufen. Nach Angaben ihres Hauses wird Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) selbst im Landtag Stellung nehmen.

Kritik an der Verlängerung der Weihnachtsferien kam am Donnerstag auch von verschiedenen Lehrer- und Elternverbänden in NRW.

Bis auf Weiteres gelte für Walter: „Ich habe es zur Kenntnis genommen. Ich werde das auch umsetzen, dazu bin ich verpflichtet. Aber optimal ist das nicht.“

Mit Material von dpa

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