Feuerwehr Selm muss am Samstagabend zu einem ungewöhnlichen Einsatz ausrücken

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Dieser Baum ist eine Wucht: ein knorriger Kirschbaum in Beifang. Am Samstagabend hat sich unter seiner Krone die Selmer Feuerwehr versammelt - allerdings nicht, um die Früchte zu bewundern.

Selm

, 08.06.2019, 22:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Hauseigentümer ist sichtlich geschockt. Am Vortag, als er in seinem Garten hinter dem Zechenhaus Rasen gemäht hatte, war noch alles in Ordnung. Und jetzt stehen die uniformierten Männer des Löschzugs Selm in seinem Garten an der Körnerstraße/Ecke Steinstraße.

Huckel und Riss lassen Schlimmes erahnen

Auf den ersten Blick ist gar nichts Ungewöhnliches zu erkennen. Der Kirschbaum zieht alle Blicke auf sich. Wuchtig reckt sich der rund 70 Jahre alte Baum in die Höhe, vielleicht zwölf Meter hoch. Seine breite Krone mit den ausladenden Ästen beugt sich zum Haus, wie immer. Nur ein Huckel auf dem gemähten Rasen ist neu. Er fällt erst bei näherem Hinsehen auf. Und ein frischer, tiefer Riss im mächtigen Stamm.

Der Hauseigentümer hat sofort richtig gehandelt und Hilfe gerufen, wie Feuerwehrchef Thomas Isermann feststellt. Der Wurzelteller des Baums habe sich angehoben: nur eine Frage der Zeit, bis das ganze, mächtige Gewächs stürzen würde - auf das Haus. Eine akute Gefahr, der die Feuerwehrleute abhelfen - aber nicht mit der Säge.

Einsatz mit Kanthölzern und Seilen

Der Einsatz der Säge, sagt Isermann, sei in diesem Fall gar nicht so einfach. Um zu verhindern, dass der schiefe Baum mit der ausladenden Krone beim Fällen aufs Haus stürzt, sei der Einsatz einer Winde erforderlich oder noch besser ein Kran. Die Feuerwehrleute greifen erst einmal zu etwas anderem.

Mit Kanthölzern und Seilen fixieren sie den Stamm. So etwas habe die Feuerwehr immer dabei, sagt Isermann. „Jetzt ist die aktue Gefahr gebannt.“ Der Baum könne nicht mehr kippen. Alles Weitere müsse der Hauseigentümer mit einer Fachfirma klären: ein größeres Projekt, aber der Hauseigentümer könnte noch Glück im Unglück haben, wie Isermann vermutet

Unwetter über NRW

Der Einsatz der Feuerwehr sei kostenlos, sagt er dem Mann und seiner Familie. Die Kosten der noch ausstehenden Arbeiten, um den mit Früchten übersäten Baum zu fällen - das sei leider unumgänglich, wie der Feuerwehrchef festgestellt hat -, werde möglicherweise die Versicherung übernehmen. Der Zusammenhang zwischen der gefährlichen Schieflage des Baums und dem Sturm in der Nacht sei offensichtlich.

Auch wenn es in der Nacht zu Samstag auch in Selm heftig geweht hat. Die Feuerwehr musste nicht ausrücken. Isermanns Kollegen in anderen Teilen des Landes hatten da eine deutlich unruhigere Nacht. Der Deutsche Wetterdienst hatte am Freitag vor Sturmböen gewarnt. Im Kreis Gütersloh war ein Veranstaltungszelt mehrere Meter durch die Luft geweht worden. Zwölf Menschen wurden dabei verletzt.

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