Feuerwehrmann: Aus Verzweiflung Brand gelegt

Prozess gegen Selmer

Böser Verdacht gegen ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr Selm: Mindestens dreimal soll der 27-Jährige selbst Brände gelegt haben. Zu Prozessbeginn vor dem Dortmunder Landgericht hat der Angeklagte am Dienstag eine Tat gestanden - und auch erklärt, warum er das Feuer gelegt hatte: Er war verzweifelt.

SELM/DORTMUND

25.07.2017, 12:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der 27-Jährige (r.) mit seinem Verteidiger beim Prozessauftakt.

Der 27-Jährige (r.) mit seinem Verteidiger beim Prozessauftakt.

Danach steht fest, dass der junge Mann am 24. Januar an der Seilandstraße eine Gartenlaube angezündet hat. „Ich habe Spiritus ausgekippt und dann ein Feuerzeug daran gehalten“, sagte der Angeklagte. Kurze Zeit später tauchte der 27-Jährige damals erneut an der Brandstelle auf – diesmal zusammen mit seinen Feuerwehrkollegen. Er löschte, beteiligte sich vorbildlich an dem Einsatz – doch nach der Rückkehr zum Gerätehaus nahm die Polizei ihn fest.

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Die Ermittler hatten den 27-Jährige da schon seit Monaten im Visier. Wenn es stimmt, was der Angeklagte sagt, allerdings völlig zu Unrecht. Mit den anderen Bränden, die seit Sommer 2016 in Selm gelegt wurden, will der Feuerwehrmann nämlich nichts zu tun haben.

Ist es also reiner Zufall, dass er fast immer als einer der ersten Feuerwehrmänner am Gerätehaus war, als der Einsatz gemeldet wurde? Ist es Zufall, dass die Polizei mithilfe einer GPS-Wanze am Fahrrad des 27-Jährigen ein Bewegungsprofil erstellen kann, das ihn sehr häufig in der Nähe der Tatorte zeigt? Und ist es auch Zufall, dass einer seiner Kollegen gerade ihn bei der Polizei gemeldet hat: „Seht euch den mal genauer an, der benimmt sich immer so komisch…“

Angeklagter: "Lob und Anerkennung durch das Löschen"

Die Staatsanwaltschaft hat keinen Zweifel, dass der Feuerwehrmann zumindest noch für zwei weitere Brände verantwortlich ist: für das Feuer im Keller eines Mietshauses an der Kurt-Schumacher-Straße am 14. Januar und für das Feuer an einem Mehrfamilienhaus an der Südkirchener Straße am 17. Januar. Ein Geständnis gibt es zu diesen Fällen aber nicht.

Was die Gartenlaube angeht, begründet der 27-Jährige die Tat übrigens so: „Ich war an diesem Abend verzweifelt, weil meine Partnerin Schluss machen wollte. Ich dachte, ich könnte durch das Löschen Lob und Anerkennung bekommen.“ Tatsächlich sitzt der junge Mann seit dieser Nacht in Untersuchungshaft.

 

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