Bei der Stadt Selm gibt es regelmäßig Hinweise darauf, dass es zu Verstößen gegen die Coronaregeln kommt. © Jürgen Weitzel (A)
Coronavirus

Führt die Corona-Krise zu mehr Beschwerden bei der Stadt Selm?

„Petz-Portal“: So wurde der Service der Stadt Essen verschrien, über den man anonym Corona-Verstöße melden kann. In Selm gibt es so ein Portal zwar nicht, Hinweise gibt es dennoch häufig.

Einen möglichen Corona-Verstoß in Essen zu melden, ist vergleichsweise einfach. Die Stadtverwaltung setzt dazu eine Extra-Software ein, über die die Bürger ganz schnell und unkompliziert melden können, wann, wo und wie aus ihrer Sicht jemand gegen die gerade geltende Verordnung verstoßen hat. Und das anonym. Für das seit fast einem Jahr aktive „Denunziationsportal“ oder „Petz-Portal“ hat es in den Sozialen Medien viel Kritik gegeben.

So eine Software extra für Corona-Verstöße gibt es in Selm zwar nicht: Aber über das Telefon gehen auch beim Selmer Ordnungsamt Hinweise auf Verstöße ein, wie Stadtsprecher Malte Woesmann bestätigt. Dass die Krise gerade dazu führe, dass mehr Menschen das Fehlverhalten anderer Leute an die Stadtverwaltung herantragen, kann er bestätigen. „Ja“, erklärt er: Seit der Corona-Pandemie gehen beim Ordnungsamt mehr Hinweise ein als vor der Corona-Pandemie.

Ruhestörungen, Abfall und Parken

Circa 30 bis 40 Hinweise gebe es im Durchschnitt pro Woche. Dabei gehe es aber nicht immer um Corona. Ruhestörungen, Hinweise zum Thema Abfall oder Parken, saisonal auch um Eichenprozessionsspinner oder Straßenschäden und -verschmutzungen: Das seien die häufigsten Gebiete, zu denen die Bürger Hinweise lieferten. Die Coronakrise habe daran nichts geändert: „Das Aufkommen dieser Hinweise ist unverändert“, so Malte Woesmann. Die Beschwerden beim Verstoß gegen die Corona-Schutzverordnung kommen also oben drauf.

Wie viele es insgesamt waren in den vergangenen Monaten, wie sich das von den Jahren zuvor unterscheidet und so weiter: Das kann die Stadt nicht beantworten.

„Über sämtliche Hinweise wird keine Statistik geführt, da diese telefonisch oder auch direkt an den Außendienst mündlich erfolgen“, erklärt Malte Woesmann.

Zu zwei Dritteln gerechtfertigt

Auf die Zahl genau kann die Behörde entsprechend auch nicht benennen, in wie vielen Fällen hinter den Hinweisen am Ende auch tatsächlich nachgewiesene Verstöße stecken. Die Schätzung des Ordnungsamtes ist hier aber deutlich: „Zu einem Großteil (circa zwei Drittel) der Hinweise liegt ein offensichtlich berechtigter Beschwerdegrund vor“, so Malte Woesmann.

Zusätzlich zur telefonischen Kontaktaufnahme zum Ordnungsamt ist es auch in Selm außerdem möglich, Mängel über ein Formular online an die Stadt zu melden. Wesentlicher Unterschied beim Mängelmelder, der über das Serviceportal der Stadt erreichbar ist, und dem Essener Angebot ist aber, dass man in Selm seinen vollständigen Namen und seine Mail-Adresse angeben muss, um die Beschwerde abschicken zu können.

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