Den ganzen November über müssen die Restaurants geschlossen bleiben. Manche halten sich mit dem Außer-Haus-Geschäft über Wasser, andere tun es aus Leidenschaft, obwohl es sich nicht rentiert.

Selm

, 12.11.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit dem 2. November sind die Gaststätten wieder geschlossen. Während die meisten Betriebe ihre Speisen zum Abholen anbieten, haben manche sich nach den Erfahrungen des ersten Lockdowns gegen die Abholmöglichkeit entschieden. „Die Stimmung unter den Gastronomen ist eine Mischung aus Hilflosigkeit, Frustration und Unverständnis. Die Restaurants wurden geschlossen, obwohl die Wirte alle Auflagen erfüllt haben. Wir konnten nichts gegen die Schließung tun, egal wie gut die Maßnahmen gewirkt haben“, sagt Thorsten Hellwig, Pressesprecher der Dehoga Westfalen.

„Wir könnten weiterhin leisten, was zu leisten ist und was wir schon geleistet haben, um das Virus einzudämmen, wenn man uns ließe. Wenn man dem RKI glaubt, und das tun wir, war die Zahl der Infektionen im Gastgewerbe vor dem Lockdown sehr gering. Geschlossen wurden wir aber trotzdem. Trotz aller erfolgreichen Maßnahmen und Zahlen“, fügt er hinzu. Die Gastwirtschaft sei keine Licht an/aus-Branche, man müsse im Voraus planen, Waren einkaufen und Mitarbeiter einplanen.

Weniger Betrieb, aber für Weihnachten ausgebucht

„Es läuft schlechter als im ersten Lockdown. Warum, kann ich mir auch nicht erklären. Vielleicht, weil es nicht so plötzlich kommt, die Leute vorher nochmal essen waren und sich mit Lebensmitteln eingedeckt haben. Aber wir sind ja erst in der ersten Woche, vielleicht wächst der Heißhunger noch“, meint Astrid Vogt, Chefin des Restaurants Zum Alten Feld. Hauptsächlich seien es Familien, die sich etwas zu Essen abholen, weniger Einzelpersonen. „Mal kommt gar keiner, mal ist richtig viel zu tun - deshalb ist es besonders schwierig, zu kalkulieren und Waren zu kaufen. Am Muttertag im ersten Lockdown wurde es beispielsweise eng“, sagt Vogt und bittet daher, das Essen möglichst 1-2 Tage im Voraus zu bestellen.

Besonders gefragt seien Braten, Wild und Gans, vor allem am Wochenende. „Wir hoffen, dass wir bis Weihnachten wieder öffnen dürfen. Wir sind ausgebucht. Dass wir schon Anfang Dezember wieder öffnen dürfen, halte ich für eher unwahrscheinlich“, sagt Vogt. Ihr Tipp: Gutscheine. Die verfallen nicht, können auch in einem Jahr noch eingelöst werden. Aktuell gäbe es noch keine große Nachfrage nach Gutscheinen, doch das ändere sich in der Regel wenige Tage vor Weihnachten schlagartig: Dann ziehen die Menschen los, um noch die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen.

Annettes To-Go-Fenster ist beliebt

Annette Heitmann vom Jakobsbrunnen blickt ähnlich skeptisch auf das Weihnachtsgeschäft. Auf unsere Frage, ob sie zu Weihnachten ausgebucht seien, sagt sie: „Wie kann man da ausgebucht sein? Der Dezember ist unplanbar. Hoffentlich hilft der Lockdown und wir dürfen bald wieder öffnen.“ Dennoch kann sie über die aktuelle Situation nicht klagen: „Es läuft sehr zufriedenstellend, vor allem zum Wochenende. Wie im letzten Lockdown bleiben uns unsere Gäste treu.“ Am beliebtesten sind Schnitzel und der Fischfreitag. Es werden aber auch besondere Wünsche wie Gänsebraten zubereitet.

„Die Leute wollen was Gutes für Zuhause, also kommen sie zu uns“, meint Heitmann. Dass es aktuell gut läuft, bezeugt der Anrufbeantworter des Lokals: Bei unserem Anruf in der Mittagszeit verkündete der, dass das Abholfenster an jenem Tag bis 19.15 Uhr komplett ausgebucht sei. Auch Barbara Bulk, Mitarbeiterin von „Zur schnellen Küche XXL“, kann sich nicht über wenig Arbeit beschweren: „Wir spüren den Lockdown gar nicht, wir sind immer gut besucht. Das war im letzten Lockdown genau so. Hunger auf Schnitzel haben die Leute wohl immer.“

Gastronomen haben aus dem letzten Lockdown gelernt

Der Dehoga-Pressesprecher Thorsten Hellwig ordnet die Lage so ein: „Im ersten Lockdown konnte man grob drei Gruppen unterscheiden. Da gab es die Gastronomen, die kein to-go-Geschäft angeboten haben, weil es sich für sie betriebswirtschaftlich schlichtweg nicht gelohnt hat. Andere wollten den Kontakt zu den Gästen nicht verlieren und hatten weiter „geöffnet“, auch wenn es sich nicht oder nur bedingt rentierte.“

Es habe aber auch Gastronomen gegeben, die das Abhol- und Liefergeschäft gut für sich nutzen konnten. Etwa, weil sie es davor auch schon betrieben hatten und ausbauten oder aus der Not eine Tugend machen konnten. „Im jetzigen Teil-Lockdown bietet der Außerhaus-Verkauf etwas mehr Chancen, weil man in der Branche aus dem ersten Lockdown bereits gemachte Erfahrungen nutzen kann“, fügt Hellwig hinzu.

Warten auf konkrete Vorgaben und Entschädigungszahlungen

Der Hotel- und Gaststättenverband fordert laut Hellwig von der Politik, dass sie langfristiger plant und verschiedene Szenarien im Vorfeld bedenkt. „Wir schauen nicht nur auf den Dezember, sondern möchten gerne darüber hinaus planen. Im Moment steht alles in den Sternen. Wir können nicht in die Glaskugel schauen – eine Prognose abzugeben, wie die Lage zu Weihnachten aussehen wird, ist unmöglich. Wir haben keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen und was die Politik daraus macht.“

Die angekündigten Entschädigungszahlungen für das Gastgewerbe seien noch immer nicht geflossen: Es bleiben viele Fragen offen: Wann kommt das Geld? Wer ist genau wie berechtigt, und wie bekommt man es? Wir haben jetzt den 11., das heißt der November ist noch 19 Tage lang, und wir haben noch keine klaren Anweisungen, aber trotzdem unsere laufenden Kosten zu bezahlen.“

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