Müll als Geschenk zu Weihnachten: So verhindern die Tafeln in Selm und Olfen Frust und Ärger

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Die Nachricht schlägt hohe Wellen: Die Wattenscheider Tafel streicht dieses Jahr Weihnachtspäckchen, weil sie in den Vorjahren oft Müll enthielten. Die heimischen Tafeln gehen andere Wege.

Selm, Olfen

, 19.11.2019, 16:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verantwortlichen der Lüdinghauser Tafel kennen das Problem: Hinter einer schönen Fassade (buntes Geschenkpapier) steckte auch immer wieder Schmutz. Also Abfall. Dinge wie alte Putzlappen, die nur in den Müll gehören.

Die Tafel Lüdinghausen mit einer weiteren Ausgabestelle in Olfen ist deshalb vor Jahren einen anderen Weg gegangen. „Wir haben die Päckchen selbst gepackt“, sagt der Vorsitzende Bruno Bierschenk. Dieses Jahr werde es allerdings keine Päckchen geben. Mit der Entscheidung der Wattenscheider Tafel hat das aber nichts zu tun.

Umzug der Tafel ist so arbeitsintensiv, dass es keine Päckchen gibt

„Wir ziehen gerade in Lüdinghausen um und sind mit der Aufgabe komplett ausgelastet“, sagt Bierschenk. Rund 1000 Arbeitsstunden werden die Mitarbeiter geleistet haben, wenn ab dem 4. Dezember die Tafel an neuer Stelle in Lüdinghausen die Menschen am Existenzminimum bedient.

Die Entscheidung der Wattenscheider Tafel war am Dienstagmorgen auch das Gesprächsthema bei den Verantwortlichen der Tafel im Kreis Unna mit neun Ausgabestellen - darunter auch in Selm. „Wir haben das gerade besprochen“, sagt Ulrike Trümper vom Vorstand auf unsere Anfrage.

Tafel in Unna hat keine Müllprobleme wie in den Großstädten

Sie zeichnet ein differenziertes Bild von den rund 500 Geschenken, die jährlich abgegeben werden. Anders als in Bochum, Essen oder Oberhausen haben die Verantwortlichen in Unna nicht mit verpacktem Müll zu kämpfen. Allerdings komme es vor, dass gebrauchte Schuhe, Pullover oder Hosen mit verpackt wurden.

Aus Sicht von Ulrike Trümper haben aber auch gebrauchte Sachen ihren Wert. „Vielleicht ist es auch so, dass der Spender kein Geld für neue Sachen hatte, aber dennoch etwas von seinem Wenigen abgeben wollte.“ Getragene Sachen würde Ulrike Trümper nicht als „Müll“ bezeichnen. Aus ihrer Sicht muss nicht alles neu oder zu 100 Prozent in Ordnung sein. Allerdings hat die Tafel ihre eigene Vorgehensweise.

Tafel in Unna öffnet die meisten Päckchen vor der Weitergabe

„Wir haben viele Menschen mit Migrationshintergrund“, nennt Ulrike Trümper einen wichtigen Grund, warum die Tafel die Päckchen vor der Abgabe genau anschaut - und in den meisten Fällen auch öffnet. Die Tafel will gerade auch zu Weihnachten die muslimischen Empfänger nicht mit Schweinefleisch verärgern.

Um Frust bei Empfängern und Helfern zu vermeiden, nehmen die Helfer das Schweinefleisch und auch (gebrauchte) Kleidungsstücke heraus. „Sie werden so herausgegeben, schließlich sollen die Empfänger auch die Sachen tragen können“, sagt Ulrike Trümper.

Sie berichtet auch von Päckchen mit Namen oder einer detaillierten Inhaltsliste. Scheint der komplette Inhalt unproblematisch, bleibt das Päckchen ungeöffnet. Verbunden mit der Hoffnung, den bedürftigen Menschen eine Freude machen zu können.

Konserven oder Pflegeprodukte als Geschenk zu Weihnachten

Die Tafel in Unna bereitet sich übrigens schon Monate vorher auf das „Fest der Liebe vor“. Rund 2000 Päckchen werden benötigt, gespendet würden aber „nur 500“. Deshalb sammelt die Tafel das Jahr über Konserven oder Pflegeprodukte, um sie zu Weihnachten zu verschenken.

Es fehlen aber nicht nur insgesamt viele Geschenke. Vor allem für Jugendliche ist kaum etwas dabei. Mit Gutscheinen von Drogeriemärkten oder Pflegeprodukte, die es im Normalfall nicht bei der Tafel gibt, könne man dieser Gruppe eine große Freude bereiten.

Wer die Tafel in Selm unterstützen will, kann (Weihnachts-)Geschenke oder Gutscheine im Evangelischen Gemeindezentrum am Markt, Willy-Brandt-Platz, abgeben. „Nicht nur zur Ausgabezeit am Freitagnachmittag zwischen 15 und 16.15 Uhr“, sagt Ulrike Trümper. Die Tafel im Kreis Unna möchte zu Weihnachten allen Kunden eine Freude machen. Mit wertigen Sachen und nicht mit Müll.

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