Giftköder im Cappenberger Wald: Tierärztin und Ordnungsamt skeptisch

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Eine Spaziergängerin fand vor knapp zwei Wochen einen vermeintlichen Giftköder im Cappenberger Wald. Eine Tierärztin aus Lünen stellte das infrage. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

Cappenberg, Lünen, Werne

, 06.07.2020, 21:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Dr. Barbara Seibert das Foto von dem vermeintlichen Giftköder im Cappenberger Wald sah, wurde sie stutzig. „Ich bezweifle, dass das wirklich ein Giftköder ist“, erklärt die Tierärztin aus Lünen. Auf dem Bild war ein Haufen mit Fleischstücken, Trockenfutter und Gras zu sehen.

An dem Haufen seien ihr vor allem zwei Sachen aufgefallen. „Warum sollte jemand Gras zu einem Giftköder hinzu tun und ihn dann noch ganz offensichtlich auf den Weg legen, wo ihn jeder Spaziergänger sofort entdeckt?“, fragt sie sich. Denn normalerweise seien diese irgendwo am Wegesrand versteckt.

Sie hat deswegen einen anderen Verdacht, wie dieser Haufen dort auf dem Weg gekommen ist. „Ich kann mir vorstellen, dass das vielleicht Erbrochenes von einem Hund ist“, sagt sie. Denn wenn es Hunden schlecht ginge, fressen sie Gras, um erbrechen zu können. Das würde auch dazu passen, dass der Haufen direkt auf dem Weg lag.

Spaziergängerin fand vermeintlichen Giftköder

Doch warum war dann anfangs von einem Giftköder die Rede? Alles fing vor gut zwei Wochen an. Da hatte eine Spaziergängerin in Werne den Haufen mitten auf einem Waldweg im Cappenberger Wald gefunden. Da der Weg auf Werner Stadtgebiet ist, informierte sie das Ordnungsamt. Die wiederum gaben die Polizei Kreis Unna Bescheid und entsorgten den Haufen. In einer späteren Pressemitteilung der Polizei steht dann das Wort „Giftköder“.

Warum das so ist, ist nicht klar. Die Polizei beruft sich auf das Ordnungsamt in Werne. Dort geht aber auch Werner Kneip vom Ordnungsamt nicht von einem Giftköder aus. Denn einen weiteren Köder habe das Ordnungsamt beim weiteren Suchen nicht gefunden.

Keine Scherben oder Rasierklingen gefunden

Seine Kollegin habe den Haufen entsorgt und ihn vorher noch mit den Händen abgetastet, darin keine Rasierklingen, Scherben oder Ähnliches gefunden. Eine zusätzliche chemische Untersuchung gab es aber nicht, denn die ist sehr teuer.

„Das machen wir, wenn es einen konkreten Hinweis gibt, bei dem zum Beispiel ein Hund so einen Köder gegessen hat“, erklärt er. Denn dann ist so ein Vergehen eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz, wofür die Polizei zuständig ist. Im aktuellen Fall im Cappenberger Wald gab es für die Polizei im Kreis Unna jedoch keine weiteren Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen.

Doch auch wenn der Haufen ein Fehlalarm gewesen sei: Die Gefahr von Giftködern für Hunde besteht. Häufig kommt das jedoch nicht vor. In Werne habe es vor etlichen Jahren mal einen Fall gegeben, erinnert sich Werner Kneip. Wann genau das war, kann er nicht sagen. Damals hatte ein Unbekannter Wurstscheiben für Hunde ausgelegt.

Giftköder sind eine große Gefahr

Deswegen sollten Hundebesitzer vorsichtig sein. „Es ist nicht lustig, mit solchen Ködern Angst und Schrecken zu verbreiten“, erklärt Dr. Barbara Seibert. Denn wenn Hunde diese Köder fressen, kann das verheerende Folgen haben. Sie spricht aus Erfahrung.

Die Tierärztin hatte in der Vergangenheit aber schon einmal einen Hund, der einen Köder mit Rasierklingen gefressen hatte. „Solche Tiere verbluten dann innerlich ganz elendig, weil die Rasierklinge die Darm- und Magenwand langsam kaputt macht“, erklärt sie.

Hundebesitzer können einen Köder entweder daran erkennen, dass dort Glasscherben, Nähnadeln, Rasierklingen oder andere scharfe Gegenstände versteckt sind. Typisch für Giftköder ist zudem auch die Farbe: „Rattengift ist zum Beispiel rot oder leuchtend-türkis“, so die Tierärztin.

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