Glücksvögel über Cappenberg: Verspäteter Flug der Kraniche gen Süden zum Jahreswechsel

hzNatur

Jetzt kann ja nichts mehr passieren. Kurz vorm Jahreswechsel sind Glücksvögel über Cappenberg in Richtung Süden geflogen. Dabei ist der eigentliche Vogelzug doch längst vorbei.

Cappenberg

, 31.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich war Ende Oktober Schluss. Damals waren noch einmal mehr als 200.000 Kraniche aus Norddeutschland in Richtung Frankreich und iberische Halbinsel aufgebrochen: eine Reise, auf der viele von ihnen auch über Selm, Lünen und Werne hinwegfliegen. Danach schien der Zug der 1,30 Meter großen Vögel des Glücks, wie Kraniche seit Alters her heißen, aber beendet zu sein - bis jetzt.

Glücksvögel über Cappenberg: Verspäteter Flug der Kraniche gen Süden zum Jahreswechsel

Was ist das denn? Kraniche am Himmel - und das Ende Dezember! Das Tier mit der größten Erfahrung fliegt vorne. © Sylvia vom Hofe

Auch wenn ihre Keil-Formation am Himmel nicht so groß war, wie im Herbst: Was da am 27. Dezember über Cappenberg in Richtung Ruhrgebiet flog, waren Kraniche: Hals lang nach vorne, Beine herausragend und dann noch diese trompetenden Rufe. Auch der Werner Ornithologe Klaus Nowack bestätigt: „Das waren Kraniche.“

Kraniche können 2.000 Kilometer am Stück fliegen

An die 2.000 Kilometer können die Vögel ohne Zwischenstopp zurücklegen, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 65 Stundenkilometern. Bei konstanten Flugbedingungen könnten die Tiere also ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen. Sie legen aber oft eine Pause ein. Schlechtes Wetter und Nebel halten sie oft tagelang am Boden, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mitteilt.

Es sind Vögel aus Schweden und Norwegen, die über die Ostsee erst zu Rastplätzen am Darß und auf Rügen ziehen und von hier aus dann zu Rastplätzen in der Diepholzer Moorniederung bei Osnabrück, wo sie einen Zwischenstopp einlegen.

Immer mehr überwintern in der Diepholzer Moorniederung

Von dort geht es laut der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland Nonstopp quer über das Ruhrgebiet, das westliche Rheinland-Pfalz und Luxemburg zu Rastplätzen in Nordost-Frankreich - oft zumindest. Denn immer häufiger überwintern Kraniche in Deutschland.

Ob es einigen dieser neuen Wintergäste etwas zu kalt geworden ist und sie nicht mehr ausreichend Nahrung fanden? Das mag ein Grund sein für den verspäteten Kranichzug zwischen Weihnachten und Silvester.

Europäische Kraniche verstehen sich untereinander

Was die Biologen der Arbeitsgemeinschaft dagegen mit Bestimmtheit sagen können: Egal, ob es sich um Kraniche aus Skandinavien handelt oder um solche, die in Deutschland aus dem Ei geschlüpft sind: An den gemeinsamen Rast- und Überwinterungsplätzen gibt es keine Sprachbarrieren. Tiere seien nebeneinander zu beobachten. „Es kommt auch gelegentlich vor, dass ein deutscher Kranich mit schwedischen Kranichen mitfliegt.“

Wer die Glücksvögel im Dezember verpasst hat: Im Februar/März ist der Hauptzug wieder zurück aus dem Süden.

Lesen Sie jetzt