Großeinsatz der Polizei an der Kreisstraße soll Radfahrer für Gefahren sensibilisieren

Kreisstraße

Starker Durchgangsverkehr, viele Schüler, Großbaustelle: Morgens ist am Kreisverkehr B236/Sandforter Weg viel los. Am Freitagmorgen gab es einen Großeinsatz von Polizei und Ordnungsamt.

Selm

, 18.01.2019 / Lesedauer: 3 min
Großeinsatz der Polizei an der Kreisstraße soll Radfahrer für Gefahren sensibilisieren

Viele Gespräche mussten die Polizisten am Freitagmorgen führen, weil die Radfahrer ohne Licht fuhren oder den Radweg auf der falschen Seite nutzten. © Thomas Aschwer

7.30 Uhr am Kreisverkehr: Die Polizeihauptkommissare Frank Medger und Heinz-Willi Quante haben nicht einmal eine Minute ihre Position bezogen, da müssen sie bereits aktiv werden. Ein junger Mann fährt mit seinem Fahrrad vorbei. Ohne Licht. Medger und Quante halten ihn an. Sie weisen ihn auf die Gefahren hin, bei dieser Dunkelheit ohne Licht unterwegs zu sein. Der junge Mann hat Glück. Die Polizisten belassen es mit einer Ermahnung. Allerdings darf er nicht wieder auf sein Rad steigen. Er muss es schieben.

Kinder und Jugendliche bringen sich in Gefahr

Situationen wie diese gibt es immer wieder an diesem Morgen. Insgesamt elf Polizisten, darunter allein fünf vom Verkehrsdienst Unna, müssen feststellen, dass sich viele Kinder und Jugendliche in große Gefahr bringen. Dunkle Kleidung und kein Licht. Für die Auto- und Lkw-Fahrer sind sie damit kaum zu erkennen. Wirkliche Einsicht ist in vielen Gesprächen nicht erkennbar. Dafür sind sie schnell bei den fast immer gleichen Ausreden. „Das Licht ist gerade eben kaputt gegangen“, sagt nur wenige Minuten später ein anderer Jugendlicher. Dass es auch anders geht, beweisen drei weibliche Jugendliche. Die Lichtanlagen funktionieren vorbildlich. Medger ist begeistert. „Sehr gut“, lobt er das Trio.

Falsches Verhalten im Kreisverkehr ist keine Ausnahme

Doch die Freude hält keine Minute an. Dann gibt es die nächste absolut typische Situation. Eine junge Frau kommt aus der Ludgeristraße und zieht nach links über den Zebrastreifen, um dann über den nächsten Zebrastreifen auf die andere Seite der Bundesstraße zu kommen. „Ein typisches Fehlverhalten“, sagt Polizist Michael Jahn vom Verkehrsdienst Unna. Immer wieder muss er feststellen, dass sich Radfahrer gerade in Kreisverkehren falsch verhalten. Um einige Sekunden und damit einige Meter Fahrstrecke zu sparen, ignorieren sie das Rechtsfahrgebot.

Großeinsatz der Polizei an der Kreisstraße soll Radfahrer für Gefahren sensibilisieren

Extrem viel Verkehr und damit sehr gefährlich ist der Kreisverkehr Kreisstraße (B236)/Sandforter Weg/Ludgeristraße. In den vergangenen Jahren hat er sich zum Unfallschwerpunkt entwickelt. © Thomas Aschwer

Doch mit ihren Links-Querungen bringen sie sich in große Gefahr. „Die Autofahrer schauen nach rechts, wenn von dort niemand kommt, fahren sie“, sagt Jahn. „Manchmal muss man halt 50 Meter weiterfahren.“ Aus seiner Erfahrung ist gerade dieses falsche Verhalten der Radfahrer an Kreisverkehren ein entscheidender Grund für viele Unfälle zwischen Rad- und Autofahrern.

Kreisstraße ist die meist befahrene Straße in der Stadt

Am Kreisverkehr Kreisstraße (B236)/Sandforter Weg/Ludgeristraße ist die Gefahr eines Unfalles angesichts der aktuellen Situation besonders groß. „Die Kreisstraße ist die meist befahrene Straße der Stadt mit 12.000 bis 14.000 Fahrzeugen am Tag“, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann. Die Großbaustelle mit starkem Baustellenverkehr auf dem früheren Stadiongelände verschärft die Situation zusätzlich. Aus Sicht der Polizei wäre es gut, wenn die Anlieferungen erst nach dem Schulbeginn erfolgen würden. Die ebenfalls anwesenden Vertreter des Ordnungsamtes nehmen es auf und wollen das Gespräch suchen.

Handy am Ohr bedeutet für Radfahrer 55 Euro Strafe

Keine Diskussionen gibt es nach Aussage von Michael Jahn, wenn Jugendliche mit dem Handy am Ohr auf dem Rad erwischt werden. Stolze 55 Euro sind dann fällig. „Das tut den Jugendlichen richtig weh.“ Jeweils 20 Euro sind fällig, wenn der Radweg auf der falschen Seite befahren wird oder das Licht nicht oder nur teilweise funktioniert. Der Großeinsatz am Freitagmorgen hat allerdings gezeigt, dass diese Strafen viele nicht davon abhalten, ohne Licht oder auf der falschen Seite zu fahren. Und auch der extrem starke Verkehr mit vielen Bussen, Lkw und Autos bringt viele Radfahrer nicht dazu, sich im Kreisverkehr richtig zu verhalten.

  • Stetig gestiegen ist die Zahl der Unfälle im Kreisverkehr Kreisstraße (B236)/Sandforter Weg/Ludgeristraße.
  • 2016 wurde die Polizei zu einem Unfall gerufen, 2017 gab es zwei Einsätze, 2018 sogar vier registrierte Unfälle.
  • Bei den Unfällen im Jahr 2018 waren in drei Fällen Radfahrer beteiligt, in einem Fall war es ein Fußgänger. Unfälle mit zwei motorisierten Fahrzeugen gab es nicht.
  • Die Unfallkommission hat nach den Unfällen die Empfehlung ausgesprochen, die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren und auf die Gefahren hinzuweisen.
  • Insgesamt ahndete die Polizei 14 gebührenpflichtige Verkehrsverstöße. 7 Fahrradfahrer mussten aufgrund von Mängeln am Fahrrad (fehlende oder defekte Beleuchtung) am Fahrrad gebührenpflichtig verwarnt werden.
  • 7 Pkw-Fahrer wurden gebührenpflichtig verwarnt, da ihre Sicht durch vereiste Scheiben behindert war.
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