Gutachter zu Waffelino-Brand: „Das Feuer ist absichtlich gelegt worden“

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Im Prozess um den Brand im Café Waffelino hat ein Brand-Gutachter bestätigt, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde. Der Sachverständige hatte aber auch eine Überraschung im Gepäck.

Selm

, 19.10.2020, 20:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Feuer im Café Waffelino brach am 5. August 2017 im Küchenbereich des Ladenlokals aus. Ganz genau kann selbst der erfahrene Brand-Experte Ernst Sandmann den Brandherd nicht mehr einkreisen. Das erklärte der 70-Jährige am Montag vor dem Dortmunder Schwurgericht.

Täter steht laut BGH fest

Spätestens seit der Entscheidung des Bundesgerichtshofes über die Revision des Angeklagten Hamza K. steht fest, dass der Betreiber sein eigenes Café in Brand gesteckt hat. Das oberste deutsche Strafgericht hatte den Fall zwar zu einer neuen Verhandlung an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen. Was die jetzigen Richter allerdings nicht mehr klären müssen, ist die Frage, wer der Brandstifter war. Das steht aus Sicht des BGH fest.

Gutachter Sandmann hatte das Gebäude an der Kreisstraße nach dem Feuer dreimal betreten und eingehend untersucht. Danach ist klar: Als Ursache kommt allein Brandstiftung in Betracht. „Wir haben keine anderen Feststellungen treffen können“, so der Experte.

Kein technischer Defekt

Sandmann selbst hatte in seinem eigenen Elektrolabor noch sämtliche elektronischen Bauteile und Leitungen untersucht - ohne Schäden festzustellen. „Und auch Einwirkung von außen, etwa in Form eines Blitzschlags, hat es nicht gegeben“, sagte der Sachverständige den Richtern am Montag.

Der 70-Jährige berichtete außerdem, dass nach dem Brand 16 Bewohner des Hauses wegen einer Rauchvergiftung behandelt werden mussten. Davon habe sich aber zum Glück keiner in stationäre Behandlung begeben müssen.

„Großes Glück gehabt“

Aus Sicht des Gutachters haben alle Beteiligten in dieser Nacht großes Glück gehabt. Denn: „Wäre das Feuer später entdeckt worden, wäre die Situation sicherlich kritischer verlaufen.“

Erstaunlich ist jedoch, was der Brand-Sachverständige zum Zustand des Gebäudes zu sagen hatte. Weil direkt über dem Café Waffelino eine Wohnung lag, hätte die Zwischendecke eigentlich die Klassifizierung „feuerbeständig“ erfüllen müssen. Tatsächlich habe es sich jedoch um eine sehr alte Holzbalkendecke mit aufgebrachtem Putz gehandelt.

Geschossdecke im Fokus

Sandmann sagte: „Diese Decken sind keineswegs schlecht. Sie halten ganz locker 30 Minuten lang einem Brandgeschehen stand.“ Nach heutigen Maßstäben würde die Waffelino-Decke dennoch nicht ausreichen.

Die „Genehmigungsbehörden“, so Sandmann, hätten zum Beispiel darauf drängen können, den Betrieb nur zu erlauben, wenn gleichzeitig eine Rauchmelde-Anlage im Waffelino installiert worden wäre. Das sei aber wohl nicht geschehen. „Ich kann mich jedenfalls an keine Rauchmelder erinnern“, sagte der Sachverständige.

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