Der Selmer Bach ist renaturiert worden. Die Aue dient auch der Aufnahme starker Wassermengen. © Arndt Brede
Starkregen

Hat das Regenüberlaufkonzept des Auenparks beim Starkregen in Selm gegriffen?

Der Starkregen hat am 27. Juli Straßen und Keller in Selm überschwemmt. Die Stadt weist aber darauf hin, dass sich die Regenrückhaltebecken im Auenpark bewehrt haben. Wie geht das zusammen?

Klaus Große Wichtrup ist angefressen. Der Selmer wohnt am Sandforter Weg, in der Nähe des Bahnhofs Beifang. Am Dienstag, 27. Juli, hatte er, wie alle Selmer, erleben müssen, wie Starkregen Straßen überschwemmte. Und nicht nur die. Dieses Ereignis wirft bei dem 64-Jährigen Fragen auf.

„Der Starkregen hat sich eigentlich in Grenzen gehalten“, sagt Klaus Große Wichtrup. „Das waren so 45 Liter Niederschlag. Das ist zwar eine Menge, aber bei weitem nicht eine solche Menge, dass es hätte passieren dürfen, wie es passiert ist.“ Das, was passiert ist, war, dass der Keller vollgelaufen sei. Da habe auch eine Rückschlagklappe nicht gegriffen, weil das Wasser auf der Straße trotz der Gullys gestanden und ins Haus „reingedrückt“ habe. Der Druck sei so stark gewesen, dass ein Abflussrohr, in dem eine Muffe rausgedrückt wurde, nicht mehr schließen konnte. Das Wasser sei von allen Seiten geflossen.

Hoffnungen in den Auenpark gesetzt

Sein Haus und weitere Häuser in seiner Umgebung, so berichtet er der Redaktion, seien in den letzten fünf Jahren mehrfach von Regen und Überflutungen betroffen gewesen. Nun hatte er seine Hoffnungen auf den Auenpark mit seinen Regenüberlauf- und rückhaltebecken zum Schutz vor Hochwasser gesetzt und fragt sich, warum sein Keller trotzdem vollgelaufen ist.

Das schwere Unwetter über Selm und seine Folgen werfen Fragen auf. Bei Bürgern, aber auch bei der Politik.
Das schwere Unwetter über Selm und seine Folgen werfen Fragen auf. Bei Bürgern, aber auch bei der Politik. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Was ihn und auch seine Nachbarn, deren Keller auch vollgelaufen seien, speziell umtreibt, ist die Frage, ob das System des Überlaufs im Konzept des Auenparks nicht gegriffen hat.

CDU stellt der Stadt Fragen zum Hochwasserschutz

Unterdessen hat sich auch die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Selm mit der Frage befasst, wie gefährdet die Stadt Selm angesichts von Starkregen ist und welche Konsequenzen derartige Überschwemmungen für die Stadt selbst sowie die Bürgerinnen und Bürger hätten. Sie hat der Stadt folgenden Fragenkatalog geschickt:

  • Ist bekannt, welche Bereiche im Stadtgebiet bei großen Niederschlagsmengen besonders gefährdet sind, überflutet zu werden? Wenn ja, welche Bereiche sind das?
  • Gibt es bei der Stadtverwaltung Konzepte für den Fall, dass es im Stadtgebiet zu massiven Überschwemmungen kommt?
  • Sind sämtliche städtische Gebäude gegen Elementarschäden (insbesondere Hochwasser) versichert? Wenn nein, wie teuer wäre eine zusätzliche Elementarschadenversicherung?
  • In welcher Etage sind die zentralen Server der Stadt Selm aufgestellt? Gibt es bei den betreffenden Räumen besondere Schutzvorkehrungen gegen Hochwasser?
  • Werden digitale Daten nur lokal gespeichert oder gibt es externe Backups?

Wir haben die Stadt Selm zu diesem Punkt um Stellungnahme gebeten und Fragen gestellt:

Sind die fünf Regenrückhaltebecken im Auenpark am Dienstag, 27. Juli, übergelaufen? „Nein“, antwortet Stadtsprecher Malte Woesmann. „Gegen circa 19 Uhr waren die Becken nach Aussage eines Mitarbeiters der Stadtwerke, der zum Bereitschaftsdienst am naheliegenden Pumpwerk Seiland war, etwas mehr als zur Hälfte gefüllt. Überläufe wurden nicht festgestellt.“

Gab es Schäden im Auenpark? Woesmann dazu: „Schäden am und im Auenpark sind bisher keine gemeldet und auch nicht erkennbar.“

Stadt: Auenparkkonzept hat sich bewährt

Hat sich das Wasser-Konzept als erfolgreich erwiesen oder muss nachgesteuert werden? „Das Auenparkkonzept, was ja für Starkregenereignisse ausgelegt ist, hat sich bewährt“, erklärt Malte Woesmann. „Ein Nachbesserungsbedarf ist daher nicht erkennbar, da bei den beiden vergangenen Starkregenereignissen in Selm die Regenrückhaltebecken ihre Funktion vollumfänglich erfüllt haben.“

Das Konzept der Regenrückhalte- und überlaufbecken im Auenpark dient dem Hochwasserschutz.
Das Konzept der Regenrückhalte- und überlaufbecken im Auenpark dient dem Hochwasserschutz. © Arndt Brede © Arndt Brede

Warum dann kurz nach dem Starkregen Bagger am Regenrückhaltebecken arbeiteten, erklärt Woesmann so: Es gehe „um Anpassungsarbeiten bei den Übergängen zwischen den Becken und/oder dem Selmer Bach“, schreibt er. Bei der Endabnahme des Auftrags sei festgestellt worden, „dass diese Übergänge nicht immer den Vorgaben entsprochen haben“. Der damalige Auftragnehmer müsse das im Rahmen der Gewährleistung ausbessern. „Diese Abweichungen haben aber keinen Einfluss auf die Funktionsfähigkeit der Becken bei Starkregenereignissen.“

Klaus Große Wichtrup sagt, noch am Samstag, 31. Juli, – also fünf Tage nach dem Starkregen – seien er und seine Frau gemeinsam mit Nachbarn beschäftigt gewesen, Schäden zu beseitigen.

Bei all dem Ärger, den Klaus Große Wichtrup und seine Frau durch das Unwetter haben, – wie zum Beispiel Reinigung der verschlammten Räume – vergisst er nicht, die Menschen lobend zu erwähnen, die ihm und seiner Frau am Tag des Unwetters zur Seite gestanden haben: die Feuerwehrleute aus Selm. „Die waren ganz schnell bei uns und haben uns geholfen, abzupumpen.“

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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