Lächelnd betrachtet Pater Joachim Hagel die kleine Topfpalme, die er zur Amtseinführung geschenkt bekommen hatte. Es blieb nicht bei dem einen Lacher. Im Hintergrund: Abt Albert Dölken. © Sylvia vom Hofe
Pfarrwechsel

Humorvoller Start: Pater Joachim Hagel ist neuer Pfarrer von Cappenberg

Zwei Charaktereigenschaften hat Cappenbergs neuer Pfarrer gleich während seiner Amtseinführung offenbart. Er ist humorvoll und schlagfertig. Das musste auch Selms Bürgermeister feststellen.

Cappenberg hat einen neuen Pfarrer. Nachdem sich Pater Gregor Pahl (39) eine Woche zuvor verabschiedet hatte, erhielt am Sonntag (7. 3.) Pater Dr. Joachim Hagel (59) seine bischöfliche Ernennungsurkunde und sorgte gleich für frischen Wind.

Der neue Pfarrer ist Universitätsdozent für Moraltheologie: die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit dem richtigen und guten sittlichen Verhalten der Menschen beschäftigt. Dass deshalb seine Predigten nicht strenge Vorlesungen sind, hat der aus Ibbenbüren stammende Hagel gleich am ersten Tag klar gemacht. Schon früh in seiner 1992 begonnenen Priester-Laufbahn hätten Gottesdienstbesucher seine „Bikini-Predigten“ gelobt, erzählte er: „knapp und reizvoll“.

Abtei in Duisburg-Hamborn schickt den achten Pfarrer

Bei der Amtseinführung im Theatersaal des Schlosses Cappenberg – die fast 900 Jahre alte Stiftskirche bleibt bis mindestens Ende des Jahres 2021 wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten für die Öffentlichkeit gesperrt – hatten andere den größeren Redeanteil. Vor allem Abt Albert Dölken, der Leiter der Prämonstratenser-Abtei Duisburg-Hamborn, der nicht nur Pater Joachim Hagel, sondern auch seine sieben Vorgänger angehören. Einer von ihnen war Dölken selbst.

1974 hatte Pater Isfried Liebermann diese Tradition begründet. Die Wurzeln sind wesentlich älter: Gottfried von Cappenberg hatte 1122 seine Burg und seinen weiteren Besitz dem kurz zuvor gegründeten Orden der Prämonstratenser geschenkt: die Keimzelle für das erste Kloster der damals jungen Gemeinschaft auf deutschem Boden.

Mit 60 Gästen ist das Schlosstheater unter Corona-Bedingungen voll besetzt. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Die besondere Bindung hält bis in die Gegenwart. Der 1993 verstorbene Abt Florian Pröll hatte dem Bistum Münster das feierliche Versprechen gegeben, „dass wir einen Pfarrer für Cappenberg stellen, so lange es in Duisburg-Hamborn ein Kloster gibt“, sagte Dölken. An diese Worte sehe er sich gerne gebunden: der Grund, warum die zweitkleinste katholische Kirchengemeinde im Bistum Münster bislang von allen Fusionsplänen verschont blieb.

Kleine Palme als Wunsch nach Kontinuität

Auch Thomas Weckwerth vom Pfarreirat und Prof. Alfons Rinschede vom Kirchenvorstand ergriffen im mit 60 Besucherinnen und Besuchern ausgebuchten Gottesdienst das Wort. Der erste überreichte einen Geschenkkorb mit Wanderkarte und Cappenberger Tröpfchen, der zweite eine auffallend kleine Palme im Blumentopf. Der neue Seelsorger für Cappenberg und Langern solle nicht eher abberufen werden, bis sich das Pflänzchen zu einem stattlichen Bäumchen gemausert habe, sagte Rinschede.

Angesichts der aktuell „turbulenten Zeiten für die Kirche“ insgesamt und die speziellen Herausforderungen für Cappenberg durch die Sanierung von Kirche und Pfarrhaus und das bevorstehende Jubiläum „900 Jahre Schenkung von Gottfried“ wünsche er sich mehr Kontinuität in der Leitung der Pfarrei, so der Sprecher des Kirchenvorstands.

Vom Wolfgangsee zum Ternscher See

Bürgermeister Thomas Orlowski hatte im Gegensatz zu seinen beiden Vorrednern kein Geschenk mitgebracht: ein Umstand, den er bedauernd hervor hob – und gleich eine Kostprobe erhielt von Pater Joachim Hagels schlagfertigen Humor. Der Bürgermeister solle sich nicht grämen: „Das können wir doch nachholen.“

Sebastian Graf von Kanitz (2. v. l.) sowie Prof. Alfons Rinschede und Dr. Michael Funke (3. und 4. v. l.) vom Kirchenvorstand suchten nach dem Gottesdienst das Gespräch mit Pater Dr. Joachim Hagel zwischen Wasserturm (l.), Schlosstheater und eingerüsteter Kirche.
Sebastian Graf von Kanitz (2. v. l.) sowie Prof. Alfons Rinschede und Dr. Michael Funke (3. und 4. v. l.) vom Kirchenvorstand suchten nach dem Gottesdienst das Gespräch mit Pater Dr. Joachim Hagel zwischen Wasserturm (l.), Schlosstheater und eingerüsteter Kirche. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Pater Hagel war zuletzt in Österreich tätig. Im Erzbistum Salzburg hatte er einen Pfarrverband am berühmten Wolfgangsee geleitet: drei Gemeinden und vier Kirchorte. Wie Pater Norbert Rebmann (88), der ebenfalls in Cappenberg lebt und arbeitet, aus dem gleichnamigen Singspiel zitierte, steht im „Weißen Rössl am Wolfgangsee (…) das Glück vor der Tür“. Glücklich könne er aber auch auf Cappenberg werden, versicherte der Abt seinem Mitbruder. Und bei Heimweh empfahl Bürgermeister Orlowski einen Ausflug zum Ternscher See.

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Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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