In Bork: Mutmaßlicher Serientäter bedrohte Mutter mit Baby im Zug

hzProzessauftakt in Dortmund

Im Zug von Bork nach Dortmund soll er eine Mutter mit ihrem Baby bedroht haben, die Frau wurde ohnmächtig. Zu Prozessbeginn überraschte der Mann durch seine Teilnahmslosigkeit.

Bork, Dortmund, Lünen

, 28.05.2020, 20:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Dortmunder Landgericht hat am Donnerstag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Serienstraftäter aus dem Kreis Unna begonnen. Der wohnungslose Mann soll vor allem im Jahr 2018 Stammgast auf den Polizeiwachen der Region gewesen sein. Die Staatsanwältin verlas verschiedene Anklageschriften, bei denen es um Ladendiebstähle in Holzwickede und Bergkamen, um Randale vor dem Lüner Rathaus und Schwarzfahrten in der ganzen Region ging.

Angeklagter ist jetzt in Klinik

Den 40-jährigen Mann, der vor acht Monaten vorläufig aus dem Verkehr gezogen wurde und seitdem in einem Krankenhaus für suchtkranke Straftäter untergebracht ist, schienen die Vorwürfe jedoch überhaupt nicht zu interessieren. Demonstrativ stützte er seinen Kopf in die gefalteten Hände und verdrehte mit zunehmender Zeit immer mehr die Augen. Irgendwann machte er sie schließlich ganz zu und wirkte tatsächlich eingeschlafen.

Tatort Zugabteil

Die vielleicht gemeinste Tat seiner mutmaßlichen Serie ereignete sich im Dezember 2018 in einem Zug zwischen Dortmund und Bork. Laut Anklage setzte sich der 40-Jährige in die unmittelbare Nähe einer Mutter, die mit ihrem sechs Monate alten Säugling unterwegs war. Urplötzlich soll er dann eine täuschend echt aussehende Airsoft-Waffe aus der Tasche gezogen, durchgeladen und dann das Baby bedroht haben.

Frau verliert das Bewusstsein

Die Folgen waren dramatisch: Die völlig verängstigte Mutter des Baby schnellte von ihrem Sitz hoch, erlitt dann aber wegen der Aufregung einen Krampfanfall und verlor das Bewusstsein. Erst einer anderen Frau gelang es dann, das Kind zu schnappen und wegzulaufen. Bei seiner anschließenden Festnahme im Bahnhof Bork soll der Angeklagte dann wieder einmal die Beamten beleidigt haben.

Das Problem des 40-Jährigen scheint eindeutig der Alkohol zu sein. Bei fast allen angeklagten Taten soll der Mann stark oder sehr stark betrunken gewesen sein. Unterstrichen wird das auch durch die Wahl der Beute bei den mutmaßlichen Ladendiebstählen. Fast ausnahmslos soll der Mann Wodka und anderen hochprozentigen Schnaps geklaut haben.

Schnaps war bevorzugte Beute

Zu Prozessbeginn wollte sich der 40-Jährige am Donnerstag noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Richter, Staatsanwältin sowie die beiden Verteidiger Boris Strube und Martin Habig zogen sich stattdessen zu einem Rechtsgespräch zurück. Das Ziel ist klar: Der Prozess soll so schnell und mit so wenig Aufwand wie möglich beendet werden, damit der Angeklagte seine Behandlung fortsetzen kann. Psychiater Brian Blackwell ist von den bisherigen Erfolgen bei der Suchttherapie jedenfalls sehr angetan.

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