In der Stiftskirche: Über das Kochen des Kaisers

Historiker über Barbarossa

Der Begriff "Leibkoch" hat seit Donnerstagabend eine neue Bedeutung - zumindest für die rund 200 Besucher, die sich in der Stiftskirche Cappenberg versammelt haben. Dr. Schmitz-Esser referierte fachkundig über den Leichnam Barbarossas und folgte somit einer Einladung des Rotary-Clubs Selm.

CAPPENBERG

, 30.09.2016, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter dem Titel "Ertrunken und gekocht" hat der Mittelalterexperte über über den Tod und die Bestattung von Kaiser Barbarossa gesprochen - nur wenige Schritte entfernt von dem Panzerschrank, in dem die Kirchengemeinde den berühmten vergoldeten Kupferkopf nach dem Bildnis des Kaisers verwahrt. 

Die Ausführungen von Schmitz-Esser haben Kopfkino unterschiedlicher Genres in Gang gesetzt. Deswegen sagen wir drei mal: Film ab! 

Der Historienfilm

Der 10. Juni 1190 ist ein heißer Tag. Auch der Kaiser schwitzt. Sein weißes Haar - die Zeiten, als es rot war und ihm den Beinamen Barbarossa bescherte, sind längst vorbei - klebt im Gesicht des Greises. Hatte er sich zuviel zugemutet, als er vor einem Jahr als einziger europäischer Herrscher zum zweiten Kreuzzug aufgebrochen war?

Der 69-jährige verscheucht den Gedanken wie die lästigen Fliegen. Bislang ist doch alles gut gelaufen: Sein Heer hat erfolgreich gegen den Sultan gekämpft und die Stadt Konya geplündert. Barbarossa lächelt, steht auf und geht entschlossen zum nahen Ufer des Flusses Saleph. Er will nicht über die Hitze klagen, sondern handeln. Ein Sprung und die noch immer schlanke Gestalt ist im erfrischend kühlen Nass verschwunden. Schnitt.

Der Horrorfilm

Die Augen des Koches glänzen seltsam - Vielleicht weil er so viele Tränen vergossen hat, nachdem Barbarossa ertrunken ist. Eventuell aber auch, weil er seiner großen Aufgabe entgegenblickt, einem letzten Dienst für seinen Herrn. Der Koch legt sich Messer unterschiedlicher Größe zurecht und stellt einen großen Kessel mit Essigwasser aufs Feuer. Jetzt bindet er sich eine Schütze um. Schnitt.

Die Doku

Der schlanke Wissenschaftler mit der dunklen Brille und dem Bart steht im Lichtkegel der Kirche in Cappenberg: Die Stimme von Dr. Romedio Schmitz-Esser ist ruhig, sein Tonfall sachlich. "Leichenschändung ist ein Begriff, der nicht passt." Was im 12. und 13. Jahrhundert Herrschern widerfuhr, die fern der Heimat starben, sei vielmehr "eine besondere Form der Ehrung" gewesen. Man habe die toten Körper vorbereitet, um sie später beisetzen zu können.

Der Wissenschaftler lässt seinen Blick über das Publikum schweifen: interessierte Gesichter. Angeekelt sieht niemand aus. Ziel erreicht: "Nicht der Kitzel des Makabren" sei Ansporn für ihn, den Leichnam in den Mittelpunkt seiner Mittelalterforschung zu stellen, hatte Schmitz-Esser anfangs gesagt, sondern das, was man vom Umgang mit ihnen lernen kann. Schnitt.

Jetzt steht eine Frau am Lesepult: Christiane Damberg, Präsidentin des "Rotary Clubs Selm-Kaiser Barbarossa". Sicher, wirke das Mittelalter mitunter fremd, sagt sie. Dazu gehörten auch die damaligen Bestattungsregeln. "Wir haben heute aber gar keine mehr. Bestattungen sind beliebig geworden." Abspann.

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