Joan-Hendrik Rüschkamp ist Eigentümer des gleichnamigen Autohauses und fährt ebenfalls E-Auto. © Sebastian Wolligandt | supertram
Elektro-Mobilität

In Selm gibt es 584 Prozent mehr E-Fahrzeuge als vor zwei Jahren

Der Umstieg in Selm auf E-Fahrzeuge nimmt Fahrt auf. Sechsmal mehr Fahrzeuge mit einem E-Kennzeichen seit 2019 fahren auf den Straßen in Selm herum.

Nicht zuletzt die Flutregen-Katastrophe Mitte Juli brachte den Klimawandel auf die Tagesordnung des öffentlichen Diskurses. Trockene Sommer und Fridays-for-Future-Demonstrationen machen schon länger darauf aufmerksam, dass sich das Klima der Welt verändert. Einer der Hauptgründe für die Erderwärmung ist laut Meinung der Wissenschaftler der zu hohe CO2-Ausstoß. Und damit sind es auch die Verbrennungsmotoren – also Autos, LKWs und viele weitere Fahrzeuge, die mit Diesel oder Benzin betankt werden.

Der Umbau der Verkehrslandschaft hat deshalb begonnen. Immer mehr Fahrer greifen auf Elektro-Autos zurück. Auch in Selm und im Kreis Unna. Das beweisen die Zulassungszahlen des Kreises.

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der zugelassenen Autos mit einem E-Kennzeichen in Selm um ungefähr 584 Prozent gestiegen. In absoluten Zahlen: Waren es Ende 2019 37 Autos mit einem E-Kennzeichen, die in Selm gemeldet waren, sind es Ende Juni 2021 216. Autos mit E-Kennzeichen können sowohl reine E-Autos sein als auch Hybrid-Fahrzeuge. Reine E-Autos in Selm gab es 2019 noch 26, mittlerweile sind es 125.

Es ist davon auszugehen, dass es in den kommenden Jahren noch mehr E-Fahrzeuge werden. Allein die durch die Decke schießenden Tank-Preise sorgen bereits dafür, dass Kunden sich überlegen, ob das nächste Auto ein E-Auto wird. Das sorgt aber auch für Probleme. Denn wo will man sein Auto laden? An jeder Ecke gibt es noch keine Ladesäulen - auch in Selm nicht.

Da seien die Kommunen gefragt, sagt Kreissprecherin Birgit Kalle. „Wir können Wünsche äußern. Aber direkten Einfluss darauf haben wir nicht.“ In Selm gibt es zurzeit neun öffentliche Ladesäulen der Stadt, teilte Norbert Zolda von der Stadt Selm auf Anfrage der Ruhr Nachrichten mit.

  • In Bork sind es zwei auf dem Adenauerplatz.
  • In Selm sind zwei in der Kreisstraße, zwei am Sandforter Weg sowie je eine in der Industriestraße, Körnerstraße und der Botzlarstraße.

Dazu sollen laut Auskunft der Stadt insgesamt drei weitere Ladesäulen mit zwei Ladepunkten entstehen. Dafür hat die Stadt Selm einen Förderantrag gestellt. Errichtet werden sollen diese an der Ludgerikirche und der Zweifachturnhalle in Selm sowie an der Freiherr-vom-Stein-Straße in Cappenberg.

Weitere Ladensäulen in der Stadt wollte das Autohaus Rüschkamp errichten - und das noch in diesem Jahr. Dieser Zeitplan ist allerdings nicht zu halten, teilte Joan-Hendrik Rüschkamp, Eigentümer des gleichnamigen Autohauses, nun mit. Am neuen Standort an der Schachtstraße sollten in diesem Jahr die neuen Ladesäulen entstehen, an denen E-Fahrzeuge im Schnelladeverfahren - mit Wechselstrom - „auftanken“ können.

In Selm gibt es an mehreren Stellen Ladesäulen. Unter anderem am Bürgerhaus. © Matthias Münch (Archiv) © Matthias Münch (Archiv)

Eigentlich sollten die Säulen im dritten Quartal, spätestens im vierten dieses Jahres errichtet sein. Ob die Förderanträge genehmigt werden, entscheide sich nun aber später, teilte Rüschkamp mit - erst im Januar 2022. „Die Förderlandschaft ändert sich jeden Tag. Ohne die Förderung geht es aber nicht“, so der Autohaus-Besitzer.

Ohnehin gehe er davon aus, dass öffentliche Ladesäulen nicht die Regel sein werden - auch wenn sich immer mehr Personen ein E-Auto beschaffen. „Ich gehe davon aus, dass 60 bis 80 Prozent der E-Auto-Besitzer zuhause oder auf der Arbeit laden werden.“ Dann könne der Fahrzeughalter die Zeit zum Laden produktiv nutzen. „Das ist heute noch nicht möglich“, so Rüschkamp.

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