In Selm leben fast alle landwirtschaftlichen Betriebe von Viehhaltung

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91 von 99 der Selmer Landwirte leben von Viehwirtschaft. Damit liegt die Stadt deutlich über dem Landestrend. Trotzdem sind die hiesigen Landwirte vom gravierenden Strukturwandel betroffen.

Selm, Lünen

, 19.07.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Selm weicht, was die Viehzucht betrifft, vom landesweiten Trend deutlich ab. Wie das statistische Landesamt IT NRW kürzlich veröffentlichte, halten etwa drei Viertel der rund 34.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Nordrhein-Westfalen Vieh. „Und „mehr als die Hälfte davon lebt von der Viehhaltung“, heißt es in der Mitteilung. Die meisten davon von Schweinehaltung.

In Selm gibt es 99 landwirtschaftliche Betriebe, 91 davon viehhaltende: 21 halten Schweine, 31 Rinder, acht betreiben Milchwirtschaft und bei 31 handelt es sich um pferdehaltende Betriebe. „Damit liegen die Rinderhaltung und die Pferdepensionen inzwischen gleich auf“, sagt Heinz-Wilhelm Büscher, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (WLV). „Das ist eindeutig ein neuer Trend, der sich seit circa zehn Jahren entwickelt. Keiner von denen hat mit Pferdehaltung angefangen. Sie haben alle umgesattelt.“

Gravierender Strukturwandel in der Viehhaltung

Die Tierhaltung insgesamt habe sich grundlegend gewandelt. Statt wie noch vor 50 Jahren verschiedene Tiere und auch in kleinerer Anzahl zu halten, gehe die Entwicklung immer weiter in Richtung Mono-Tierhaltung, so Büscher. „Wir haben zum Beispiel weniger als die Hälfte der schweinehaltenden Betriebe im Vergleich zu vor zehn oder 20 Jahren“, sagt Büscher. „Das liegt daran, dass sich Schweinehaltung nur noch in einer großen Anzahl ab etwa 5000 Schweinen lohnt“, sagt der WLV-Geschäftsführer.

Das bestätigt auch IT NRW: In den zurückliegenden Jahrzehnten habe die Landwirtschaft und mit ihr die Viehwirtschaft einen grundlegenden Strukturwandel erfahren. „Zunehmende Spezialisierungen haben dazu geführt, dass in allen Bereichen der Viehhaltung immer weniger Betriebe immer größere Tierbestände halten. Insbesondere bei der Schweinehaltung geht der Trend zu immer größeren Beständen: Anfang November 2019 wurden mehr als zwei Drittel (70,3 Prozent) der 6,93 Millionen Schweine in Nordrhein-Westfalen in Betrieben mit mindestens 1000 Tieren gehalten“, meldet das statistische Landesamt.

„Zu wenig zum Leben und zum Sterben“

Carl Schultz-Gahmen, Mitglied im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband und Landwirt in Selms Nachbarstadt Lünen ist einer, der von von diesem Strukturwandel betroffen ist: Bereits 2003 gab er seine Schweinezucht auf. „Ich hatte 700 Schweine und das ist aus heutiger Sicht zu wenig zum Leben und zu wenig zum Sterben“, so der Landwirt. Er hätte, um wirtschaftlich lukrativ zu sein, den Stall für 2000 bis 3000 Schweine ausbauen und zusätzliches Personal einstellen müssen. „Und das hätte sich wegen der Auflagen nicht gelohnt und wahrscheinlich hätte ich es an der Stadtgrenze auch gar nicht genehmigt bekommen.“

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