Jörg Hußmann über seine Nichtkandidatur und die Selmer Politik

Bürgermeister-Wahl

SELM Bürgermeister Jörg Hußmann tritt nicht für eine zweite Amtszeit in Selm an. Matthias Münch sprach mit ihm über die Beweggründe.

15.07.2009, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jörg Hußmann vor dem Amtshaus.

Jörg Hußmann vor dem Amtshaus.

Herr Hußmann, Sie haben die anderen Bürgermeister-Kandidaten und die örtlichen Parteien bis zuletzt zappeln lassen. Haben Sie sich wirklich erst so spät entschieden? Hußmann: Ich habe mir immer mal wieder Gedanken gemacht, den Hut noch einmal in den Ring zu werfen. Letztlich habe ich die Entscheidung nicht alleine getroffen. Am Sonntag haben wir in der Familie noch einmal alles abgewogen. Und sind dann gemeinsam zu der Antwort "Nein" gekommen.

Warum hat es bei Ihnen öfter gekribbelt, doch weiter zu machen? Hußmann: Weil ich einen gewissen beruflichen Ehrgeiz habe. Siebeneinhalb Jahre als Beigeordneter und Bürgermeister in Selm sind kein allzu langer Zeitraum. Einiges hätte ich noch gerne umgesetzt, obwohl ich weiß, dass es noch schwieriger wird, als es zuletzt schon war. Denn in der Politik mangelt es an Einsicht und Vernunft. Was in Selm fehlt, ist ein parteiübergreifender politischer Konsens.

Sie sprechen damit die Umsetzung des Konsolidierungspaketes an? Hußmann: Ja, in zwei Ratssitzungen haben wir über 80 Maßnahmen beschlossen. Und nun verweigert man sich bei der Umsetzung. Mich stört, dass die Politik so inkonsequent ist. Das gilt für alle Parteien.

Auch für Ihre eigene Partei, die CDU? Hußmann: Hier vor Ort ja. Die CDU hätte fast immer die Mehrheit haben können. Sie präsentiert sich in Selm zu wenig als "Regierungspartei".

Ihre Amtszeit dauert noch bis zum 20. Oktober. Was haben Sie bis dahin noch vor? Hußmann: Das Tagesgeschäft und die Repräsentationsaufgaben nehme ich natürlich in vollem Umfang wahr. Das bin ich den Wählern und meinen Mitarbeitern schuldig. Auch werden wir weiter an wichtigen Projekten arbeiten, wie der Vermarktung des Dieselweges oder der Lutherschule. Wenn es noch eine Ratssitzung im September gibt, dann kommen noch einige wichtige Dinge auf die Tagesordnung.

Was ist mit den ganz dicken Brocken wie der Gründung von Wirtschaftsbetrieben oder der Vermarktung des Stadiongeländes? Hußmann: Da hat die Verwaltung viel Arbeit rein gesteckt. Aber ich fürchte, da bewegt sich in der Politik vor der Wahl nichts. Das wird wohl bis dahin auf Eis gelegt.

Gehen Sie mit Wehmut? Hußmann: Das wird bestimmt nicht ganz leicht. Am 20. Oktober ist Selm für mich ja nicht einfach so abgehakt. Doch ich weiß: Jeder ist ersetzbar. Hier geht es auch ohne Hußmann weiter.

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