Auf den Knien Kartoffeln ernten, ist anstrengend, macht aber Spaß, sagen (v.l.) Jasmin, Marlene und Peter Kroes. © Arndt Brede
Kartoffeln

Kartoffeln selber ernten in Selm: Dreckige Knie und Vorfreude auf Püree

Mit großem Andrang ist am Samstag, 18. September, Tag 1 der „Kartoffeln zum selber ernten“ in Selm gelaufen. Es gibt viele Gründe, warum ganze Familien auf dem Acker gekniet haben.

Marlene hat schmutzige Knie. Sie guckt an sich runter und lacht. Kein Wunder, warum sie dreckige Knie hat, hat mit einer Aktion zu tun, die der Neunjährigen unglaublich viel Spaß gemacht hat. „Tolle Knolle – Kartoffeln zum selber ernten“ heißt sie und fußt auf einer Idee des Hofes Pröbsting in Capelle. Was im Titel steht, ist auch drin. Drei Kartoffelsorten stehen zur Auswahl: Belana, Marabel und Laura. Und ernten müssen diejenigen, die zum Acker an der Kreisstraße kommen, selber.

So wie Familie Kroes aus Werne mit Marlene (9), Schwester Hannah (12), Mama Jasmin und Papa Peter. Warum die Familie diesen nützlichen Ausflug macht, beschreibt Peter Kroes so: „Es ist gut, regionale Betriebe zu unterstützen“, sagt Peter Kroes. „Und die Kinder haben Spaß. Das ist eine sehr gute und nachhaltige Aktion, den Kindern zu erklären, wo die Kartoffeln herkommen.“ Und, dass die Kinder wissen, dass eine Menge Arbeit beim Kartoffelanbau dahinter steckt.

Marlene zeigt, wie unterschiedlich groß Kartoffeln sein können.
Marlene zeigt, wie unterschiedlich groß Kartoffeln sein können. © Arndt Brede © Arndt Brede

Jetzt ist dieses Kartoffeln zum selber ernten ja eine nicht ganz saubere Angelegenheit. Macht das eigentlich Spaß? „Ja“, sagt Marlene. „Ich habe schon ein paar Kartoffeln geerntet.“ Schwester Hannah nickt bestätigend. Wobei beide Mädchen bescheiden sind. „Ein paar Kartoffeln“, wie die beiden sagen, ist massiv untertrieben.

Bezahlt wird nach gebuchten Metern

Unterdessen trägt Sophia Pröbsting, die Organisatorin dieser Aktion, zwei Säcke Kartoffeln von der Waage zum Auto eines älteren Ehepaares. Das Paar lächelt, froh darüber, dass die junge Frau hilft. „Das mache ich gern für ältere Leute.“ Über die Resonanz ist Sophia Pröbsting zufrieden: „Es haben sich Menschen für 400 Meter angemeldet.“ 400 Meter? „Die Leute können auswählen, wie viele Meter sie ernten wollen.“ Heißt: Egal, ob man zwei Kartoffeln oder 20 Kilo Kartoffeln erntet, bezahlt wird nach den gebuchten Metern.

Familie Kroes hat zwei mal fünf Meter gebucht. Aber das Ergebnis berechnen Peter und Jasmin Kroes nach Kilogramm: „Letztes Jahr haben wir 52 Kilo geerntet“, erzählt Peter Kroes. Das wolle die Familie in diesem Jahr noch toppen. Die Ausbeute werde einige Wochen reichen, sagt Jasmin Kroes. An diesem Nachmittag, wenn die Familie Kroes nach Hause kommt, werden natürlich auch Kartoffeln verarbeitet: „Zu Spitzkohl mit Kartoffeln.“

Ab und zu wiegt Sophia Pröbsting die Kartoffeln aus. Meistens wird aber nach gebuchten Metern bezahlt.
Ab und zu wiegt Sophia Pröbsting die Kartoffeln aus. Meistens wird aber nach gebuchten Metern bezahlt. © Arndt Brede © Arndt Brede

Wobei Marlene und Hannah andere Varianten der Kartoffelzubereitung bevorzugen. „Ich esse am liebsten Kartoffelpüree mit Fischstäbchen und Spinat.“ Fischstäbchen und Spinat mag Hannah auch. Aber die Zwölfjährige bevorzugt statt Püree gekochte Kartoffeln.

„Goldgräberstimmung“

Kinder haben eben ihren ganz eigenen Willen. Aber gerade die Tatsache, dass Kinder auf den Kartoffelacker gehen, sei wichtig, sagt Sophia Pröbsting. Am 16. September hatte sie eine Schulklasse und drei Kitagruppen zu Gast. „Wir haben ihnen was zu den Kartoffeln erklärt, und dann ging es auf den Acker.“ Wie war es? „Es herrschte Goldgräberstimmung“, berichtet Sophia Pröbsting lachend.

Es ist gerade diese sehr persönliche und natürliche Art, wie Kinder mit den Kartoffeln in Berührung kommen, die nachhaltig bei den Mädchen und Jungen wirken dürfte. „Wir wollen das Bild der Landwirtschaft nach außen tragen und zeigen, wie Kartoffeln angebaut werden. Viele Kinder wissen ja gar nicht, wo die herkommen.“

Jetzt wissen diejenigen, die mit dabei waren, dass Kartoffeln nicht natürlicherweise als Pommes frites in der Fritteuse oder als Chips in der Tüte wachsen.

Kartoffeln zum selber ernten geht weiter. Am Sonntag, 19. September, und am Sonntag, 26. September, jeweils von 9 bis 16 Uhr auf dem Acker an der Kreisstraße 107 in Selm. Infos: www.hofproebsting.de

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Redaktion Selm
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