Andacht to go und Co: So will die Gemeindediakonin auch Nichtgläubige in die Kirche locken

hzEvangelische Kirchengemeinde

Seit März 2019 ist Petra Grohnert Diakonin der Evangelischen Gemeinde in Selm. In den vergangenen Monaten hat sie bereits Einiges verändert und dabei auch alte Strukturen aufgebrochen.

Selm

, 14.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Evangelische Kirchengemeinde kämpft in Deutschland gegen einen Mitglieder-Rückgang. Waren es Ende 2017 noch etwa 21.536.000 Angehörige, zählte die Evangelische Kirche ein Jahr später fast 400.000 Gemeindemitglieder weniger. Um mehr Menschen wieder von der Kirche zu überzeugen, durchbricht die Selmer Gemeindediakonin Petra Grohnert alte Strukturen.

Als sie im März in Selm anfing, hatte Petra Grohnert einige neue Ideen für die Gemeinde mitgebracht. Ein paar konnte sie nun bereits umsetzen. „Die ersten Angebote sind angelaufen“, erzählt sie zufrieden. Bislang seien sie auch gut angenommen worden.

Neueingeführte „Andacht to go“ kommt gut an

Wichtig sei es ihr, „gerade Menschen anzusprechen, die skeptisch gegenüber der Kirche sind“. Ein Projekt, welches sich vor allem auch an diejenigen richtet, die nicht vollends überzeugt sind oder glauben, keine Zeit für die Kirche zu haben, ist „Himmelrauschen neun 1/2“.

Die immer dienstags um 11 Uhr stattfindende Andacht „soll nicht länger als zehn Minuten dauern“, erklärt Petra Grohnert. Es ist quasi „eine Andacht to go“. Diese komme bislang gut bei den Kirchgängern an. Auch Nicht-Mitglieder könnten so mal „kurz reinschnuppern“ und danach über ihre Erfahrungen reden.

Jetzt lesen

Der Trend geht ein wenig weg vom klassischen Kirchenalltag mit einem Sonntagsgottesdienst als Höhepunkt der Woche. Der, so sagt es Petra Grohnert, werde aber noch immer gut besucht, genauso wie die Kirche generell. „Die Leute besuchen uns aktiv und kommen miteinander ins Gespräch“, erzählt sie.

„Ein Forum, in dem die Leute sich äußern können“

Neben der Einführung der kurzen Andacht am Dienstagvormittag, hat die Gemeindediakonin noch weitere Dinge verändert. So ist das Gemeindezentrum nun auch häufiger und länger für Besucher geöffnet - „wenn von uns jemand im Haus ist“. Wenn beispielsweise nur eine Sekretärin im Gebäude war, sei es bislang immer abgeschlossen gewesen. „Warum eigentlich?“, fragt Grohnert. Nun könne jeder einfach anklingeln und reingehen, wenn jemand im Haus ist.

Darüber hinaus will die in Castrop-Rauxel lebende Diakonin ihre Tätigkeit nicht nur im Gemeindezentrum und der Kirche ausüben. „Oft bin ich freitags auf dem Markt oder in einem Café anzutreffen“, erzählt sie. Dann trage sie auch immer ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ich höre zu“.

„Wir sind es gewohnt, dass wir hier drin sind und warten, dass die Leute reinkommen“, sagt die Diakonin. „Dann erzählen wir was und die Leute hören zu.“ Genau das wolle sie mit ihrer „Ich höre zu“-Aktion verändern. „Es ist wichtig, ein Forum zu haben, in dem die Leute sich äußern können“, erklärt sie die Idee hinter der Aktion.

Viele Veranstaltungen zum 100. Geburtstag

  • Im kommenden Jahr feiert die Evangelische Kirchengemeinde in Selm ihren 100. Geburtstag.
  • „Wir werden ganz schöne Sachen machen“, erzählt Petra Grohnert.
  • Geplant sind unter anderem mehrere Konzerte und Kabarette, verrät die Gemeindediakonin.
  • Beginn ist direkt am 1. Januar mit einem Auftaktgottesdienst. Veranstaltungen soll es das ganze Jahr über geben, die letzte ist für den 31. Dezember geplant.
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt