Kirchring in Bork: historisches Erbe oder abbruchreife Häuser?

hzOrtskernentwicklung in Bork

Der Borker Kirchring ist bald komplett in städtischer Hand. Was mit den Häusern passieren soll, steht noch nicht fest Die Mehrheit in Bork favorisiere aber eine Lösung, hieß es im Rat.

Bork

, 08.09.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Haus Nummer 2 fehlt noch. Aber da ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis es so weit ist. Dann ist die Reihe komplett. Dann ist die Stadt Selm Eigentümerin aller fünf Häuser zwischen Kirchplatz und Hauptstraße: ein schmaler Gebäuderiegel an prominenter Stelle, direkt neben St. Stephanus. Zentraler geht es nicht in Bork. Darin sind sich im Stadtrat alle einig. Damit hört die Einigkeit aber auch schon auf.

UWG gegen Kauf und Abbruch

„Der Kirchring ist unser historisches Erbe“, sagte Maria Lipke (UWG) in der letzten Sitzung des amtierenden Rates. Die Gebäude abzureißen, bedeute, dieses Erbe zu zerstören. Die Borkerin hat sich klar positioniert: Der erneute Hauskauf - die Stadt nutzte ihr Vorkaufsrecht, um auch Haus Nummer 2 zu erwerben -, fand keine Zustimmung bei der UWG. Beim ersten Hauskauf, so Lipke, sei sie ja noch dabei gewesen. „Spätestens beim zweiten und dritten wurden wir dann aber hellhörig.“ Häuser im Zentrum zu kaufen, um sie anschließend abzureißen, finde sie nicht nur falsch. „Es wird auch ganz schön teuer.“ Geld, das die Stadt Selm gar nicht habe. Der Betrag, den Lipke nannte - „fast drei Millionen Euro“ -, blieb aber nicht unwidersprochen.

So sieht die Häuserzeile vom Kirchplatz aus betrachtet aus.

So sieht die Häuserzeile vom Kirchplatz aus betrachtet aus. © Günther Goldstein

„So ein Betrag ist mir nicht bekannt“, sagte Bürgermeister Mario Löhr während der Sitzung. Auf Nachfrage sprach er später von rund 725.000 Euro. In dieser Summe noch nicht enthalten ist das Haus am Kirchring Nummer 2. Mit ihm würden die Kosten für die Immobilien im Zentrum bei 930.000 Euro liegen, inklusive Nebenkosten: eine Investition in Borks Zukunft, wie die Mehrheit im Stadtrat meint. Die große Mehrheit der Borker Bevölkerung, sagte Bürgermeister Mario Löhr, sehe das genauso: eine gefühlte Mehrheit, denn eine Abstimmung darüber hat in Bork nie stattgefunden.

Kirchplatz soll als Marktplatz dienen

Gregor Franzen sieht ebenfalls eine Mehrheit. Er selbst gehört dazu. Franzen ist einer von denen, die beides begrüßen: Kirchring-Kauf und möglichen Abriss. Franzen ist Vorstandsmitglied des Borker Heimatvereins und Mitglied in der Interessengruppe Borker Bürger (IGBB), einem überparteilichen und für alle offenen Kreis von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich aktiv an der Ortskernentwicklung in Bork beteiligen und die Idee maßgeblich entwickelt haben, den Kirchplatz zu einem neuen Marktplatz zu machen.

Zahlreiche Arbeitskreis-Treffen habe es gegeben, sagt Franzen. Immer wieder hätten neue Interessierte mitgemacht und Input gegeben. Grundsätzlichen Widerspruch zum geplanten Abriss des Kirchrings habe es aber nie gegeben - aus zwei Gründen, wie Franzen meint: zum einen, weil alle schnell das Problem erkannt hätten: Bork fehlt ein Platz im Zentrum zum Feiern, Treffen und Markt abhalten. Zum anderen, weil jeder, der sich mit den in den 1950er-, 60er- und 70er-Jahre erbauten Häusern im Kirchring beschäftige, schnell erkenne: „Die sind nicht besonders schützenswert.“

Architektenwettbewerb soll beste Lösung finden helfen

Franzen macht deutlich, dass er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter in der IGBB den Kirchring nicht komplett auflösen wollen. Der Straßenraum der Hauptstraße solle nicht etwa konturlos in einen neuen Kirchplatz übergehen, sondern erkennbar bleiben - zum Beispiel durch eine Fassade oder Mauer. Vielleicht gebe es auch noch andere Ideen. Die IGBB wünscht sich daher einen Architektenwettbewerb. Wie genau der Platz auch immer aussehe: Er werde mehr Platz bieten als der ehemalige Marktplatz zwischen den Straßen Am Nierfeld und Spinnbahn, sagt Franzen. Die Fläche ist inzwischen verkauft: ein Baugrundstück, das die Caritas erworben hatte zum Bau eines Altenheims.

Auch wenn die einzelnen Häuser am Kirchring nicht unter Denkmalschutz stehen: Ohne Zustimmung der Denkmalschutzbehörde, die das Ensemble im historischen Zentrum im Blick hat, wird nichts gehen. Und ohne Fördermittel auch nicht.

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