Kita-Kinder müssen nicht auf Kuchen verzichten

Nach Streit in Leipzig

Ein Geburtstag ohne Kuchen für die anderen Kindergartenkinder? Unvorstellbar für viele Kinder und ihre Eltern. Und doch gibt es jetzt darüber heftige Diskussionen. Wir haben uns erkundigt, was Auslöser war und wie Kindergärten vor Ort mit dem Thema umgehen und möchten Ihre Meinung wissen.

Selm

, 17.10.2015, 10:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Selmer Kitas gehört der Kuchen zum Kindergeburtstag dazu.

In Selmer Kitas gehört der Kuchen zum Kindergeburtstag dazu.

Der Aufschrei war groß, als Ende September das Jugendamt in Leipzig den Eltern das Mitbringen von selbst gebackenem Kuchen untersagte. Erst als Bürgermeister Thomas Fabian Anfang Oktober das Kuchenverbot persönlich wieder aufhob, beruhigte sich die Situation wieder.

Neu ist das Thema allerdings nicht. Bereits vor einem Jahr hat der Kita-Zweckverband im Bistum Essen klare Regeln erlassen. „Wir raten unserem Personal dringend davon ab, selbst gebackenen Kuchen anzunehmen“, sagt eine Sprecherin, und fügt hinzu: „Ein Verbot sprechen wir aber nicht aus.“

Geschäftsführer Peter Wenzel geht es nicht nur um hygienische Vorschriften. Aus seiner Sicht sollten Kinder nicht ausgegrenzt werden, die keinen Kuchen mitbringen können. Als dritten Aspekt führt er religiöse Bedenken an. Allesamt Argumente, die in Selm offenbar nicht ziehen.

Borker Geburtstage werden gefeiert

In der Kindertageseinrichtung „Die kleinen Strolche“ in Bork werden die Geburtstage gefeiert. „Die Kinder möchten das. Und sie bestehen auch darauf, dass sie ihren Kuchen mitbringen dürfen“, sagt die Leiterin Susanne Gründken. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass auch muslimische Kinder die Einrichtung besuchen. Und auch sie würden sich die Feier wünschen.

Ein besonderes Lob zollt Susanne Gründken den Eltern. Sie würden bei den Kuchen Rücksicht darauf nehmen, dass es ein Kind mit einer schweren Nussallergie gebe. Und wenn sich das eigene Kind aber doch einen Kuchen mit Nüsse wünschen, würden sie einen zweiten Kuchen backen. Fester Bestandteil der Geburtstagsfeiern sind weitere Dinge wie die Geburtstagskrone und der besondere Geburtstagsstuhl.

Natürlich haben aber auch die kleinen Strolche die Diskussion um Kindergeburtstage verfolgt. In der nächsten Vorstandssitzung in der kommenden Woche wird das Thema deshalb auf der Tagesordnung stehen. Dabei wird Susanne Gründken den starken Wunsch von Kindern und Eltern vortragen, die beliebten Feiern nicht abzuschaffen.

"Hat noch nie Diskussionen gegeben"

Sigrid Sroka, Leiterin der Kita St. Ludger, bestätigt diese Position. „Bislang hat es noch nie Diskussionen gegeben. Es ist ein besonderer Tag im Leben des Kindes.“ Deshalb gibt es am Eingang der Einrichtung auch einen Kalender. So erfährt jedes Kind morgens direkt, ob ein Junge oder Mädchen der Kita an dem Tag Geburtstag hat. Die Feier findet dann in der jeweiligen Gruppe statt. „Die Geburtstagskinder dürfen sich Lieder und/oder Geschichten wünschen. Und wenn sie möchten, können sie sich eine eigene Krone basteln.“

Aus vielen Gesprächen weiß Sigrid Sroka, welch große Bedeutung der eigene Kuchen für die Kinder hat. Auch die Eltern seien mit großer Begeisterung dabei. „Wir müssen sie eher ausbremsen, dami sie nicht zu viel mitbringen.“ Dass nur feste Kuchen mitgebracht werden dürfen, sei allen Eltern bekannt. Alternativ gibt es die Möglichkeit, dass im Kindergarten gemeinsam Nudeln gekocht werden. „Wir bitten die Eltern, dies frühzeitig anzukündigen“, sagt die Kita-Leiterin.

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