„Knick in der Leitung“: Wie erklärt RKI die Probleme der Datenübermittlung im Kreis Unna?

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Die Diskrepanz ist groß, wenn man die Coronazahlen für den Kreis Unna auf der Homepage des Kreises und beim Robert-Koch-Institut vergleicht. Wie ist das gekommen? Und was sind die Folgen?

Selm, Lünen, Werne

, 07.10.2020, 14:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Diskrepanz ist deutlich: Das Robert-Koch-Institut (RKI) nennt für den Landkreis Unna eine Sieben-Tages-Inzidenzzahl von 27,86. Nach eigenen Berechnungen des Kreises liegt dieser Wert, der erfasst, wie viele Neuinfektionen es innerhalb der vergangenen sieben Tage pro 100.000 Einwohner des Landkreises gab, aber deutlich höher. Bei 36,48 habe sie am Montag gelegen, hatte der Gesundheitsdezernent des Kreises Unna, Uwe Hasche, erklärt. Am Dienstag sind die Fallzahlen noch mal deutlich gestiegen: Laut Berechnungen der Redaktion liegt der Wert derzeit bei 41,04.

Wie kommt es zu dieser deutlichen Diskrepanz? Uwe Hasche, der den Fehler schon am Sonntag bemerkt hatte, spricht von einem technischen Fehler. Es habe eine Umstellung des Meldesystems gegeben, mehrere Fälle seien nicht an die Landeszentrale und das RKI übermittelt worden. Es gebe eine Art „Knick in der Leitung“ entstanden, erklärte er in einer Pressekonferenz.

Eine viel detaillierte Erklärung für diesen Knick hat das RKI selbst auch nicht. „Diskrepanzen können aufgrund vieler Ursachen entstehen“, sagt Sprecherin Ronja Wenchel am Mittwoch auf Anfrage der Redaktion.

Wie erklärt das RKI die Diskrepanz

„Zum Beispiel wenn das Gesundheitsamt bereits Fälle an die Landesstelle übermittelt hat, diese aber noch nicht vom Land an das RKI übermittelt worden sind oder durch einen anderen Datenstand. Das RKI verwendet den Datenstand jeweils 0 Uhr, das Gesundheitsamt oder Land verwendet für seinen Situationsbericht möglicherweise einen anderen Datenstand“, erklärt sie weiter.

Im Kreis Coesfeld zum Beispiel entspricht der aktuelle Wert von 25,46 (Stand 7.10., 0 Uhr) auch den Berechnungen unserer Redaktion, wenn man die Zahlen bis zum 6. Oktober für die Berechnung zu Grunde legt.

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Problematisch, so sagte es der Unnaer Gesundheitsdezernent, sei allerdings, dass für das Einleiten von Maßnahmen tatsächlich die Zahlen des RKI ausschlaggebend sind. Gerade jetzt, wo der Inzidenz-Wert von 35 überschritten ist. Ab dieser Grenze sieht die Coronaschutzverordnung nämlich Handlungsbedarf bei den Landkreisen: Unter anderem muss die Teilnehmergrenze für private Feiern im öffentlichen oder angemieteten Raum auf 50 heruntergesetzt werden.

Vorschläge für strengere Regeln vom Kreis Unna

Der Kreis Unna hat drüber hinaus - wie berichtet - Vorschläge für Maßnahmen in Schulen und Kindergärten und auch in Bezug auf Handball- und Fußball-Spiele gemacht. Allerdings gibt es laut Kreis-Sprecherin Constanze Rauert derzeit (Stand: Mittwochmittag) noch kein Signal von der Bezirksregierung, die diese Vorschläge absegnen muss. Unter anderem muss dabei auch geprüft werden, ob die vom Kreis selbst errechneten Werte statt der des RKI als Grundlage für das Verschärfen der Regeln genommen werden dürfen.

Schon am Dienstag hatte Uwe Hasche diese Situation „unbefriedigend“ genannt. Allerdings wies er in der Pressekonferenz auch zurück, in Bezug auf die Probleme bei der Datenübermittlung als „Desaster“ zu bewerten. „Von unserer Seite aus ist seit Sonntag alles getan worden. Wir haben mit einer Sitzung des Krisenstabs unmittelbar reagiert - und das ohne jeden Zeitverzug“, betonte er.

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Auch Ronja Wenchel vom RKI sieht die Diskrepanz eher unaufgeregt: „Das RKI weist auch immer darauf hin, dass es durch den Meldeverzug zu einer Unterschätzung der Siebentage-Inzidenz kommen kann, vor allem bei dynamischen Entwicklungen.“

Von einer dynamischen Entwicklungen kann man im Kreis Unna wohl durchaus sprechen. Seit einigen Tagen steigen die neuen Coronafälle täglich weiter. Was genau das für Konsequenzen hat und ob die Vorschläge des Kreises Unna abgesegnet werden, soll ich am Mittwoch im Laufe des Tages entscheiden.

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