Kommentar zur Kommunalwahl in Selm: Verkehrte NRW-Welt in Selm

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Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wer Bürgermeister und Landrat werden wird, steht noch nicht fest. In beiden Fällen ist aber klar. Das SPD-Personal aus Selm war überraschend stark.

Selm

, 14.09.2020, 07:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rückenwind für Armin Laschet. So haben viele die Kommunalwahlen im größten Bundesland bewertet. CDU und Grüne sind zwischen Rhein und Weser als Sieger hervorgegangen. Selm ist anders. Um das festzustellen, genügte ein Blick durch den Saal des Bürgerhauses: verhaltener Jubel bei der SPD, angestrengte Gesichter bei der CDU, ein nur minimales Plus bei den Grünen und eine Kleinpartei, die aus dem Stand fast ein zweistelliges Ergebnis einfährt - verkehrte NRW-Welt.

Eine Stichwahl kann noch einmal alles drehen. Das wissen Thomas Orlowski, der Kandidat der SPD, und Michael Zolda. Wer am 13. September vorne liegt, muss nicht notwendiger Weise auch zwei Wochen später die politische Nase vorne haben. Dafür gibt es genügend Beispiele. Dennoch ein Trend ist da, und der überrascht.

Kurs geradeaus muss Kurve nehmen

Aus Selm bekommt Laschet zwar auch keinen Gegenwind. Aber der CDU-Kandidat schneidet schlechter ab als erwartet. Michael Zoldas „klarer Kurs geradeaus“ muss erst einmal die Kurve nehmen über einen zweiten Wahlgang. Das alles auf Corona zu schieben und auf die begrenzten Möglichkeiten, Wahlkampf zu machen, wäre leicht. Doch das macht Michael Zolda nicht. Es würde auch nicht helfen. Denn schließlich hatten alle Kandidaten die gleichen, durch die Pandemie diktierten Rahmenbedingungen.

Zeitlicher Vorteil

Thomas Orlowski, der als erster der sechs Bürgermeisterkandidaten in den Wahlkampf gestartet war, hatte da wohl einen zeitlichen Vorteil: ein langer Anlauf aufs Amt. Der machte sogar vergessen, dass er sich anfangs durch die Gesamtschuldiskussion zur Unzeit fast verstolpert hätte.

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Die Selmer Wahlbeteiligung liegt mit 52 Prozent voll im Landesdurchschnitt. Und der ist nicht gerade überdurchschnittlich. In Zeiten, in denen jeder sieht, wie in Belarus und anderswo Menschen um faire Mitbestimmung kämpfen, sollten sich die Menschen klar sein, dass das Wahlrecht ein echtes Geschenk ist. Dass sich auch in Selm vor den Wahllokalen Schlangen bildeten, war eine schöne Illusion. Das hatte nichts mit dem überaus großen Andrang zu tun, sondern mit den Corona-Auflagen, die nur eine begrenzte Zahl von Menschen im Wahllokal zuließen. Aber immerhin: Vielleicht wäre die Beteiligung noch geringer ausgefallen, wenn nicht so viele Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen hätten: Fünf Männer und eine Frau - das war eine echte Auswahl.

Aufwärtstrend aufrecht erhalten

Egal, wer am 27. September das Rennen mache wird: Die größte Herausforderung für den neuen Bürgermeister steht jetzt schon fest: die Stadt durch die Corona-Krise führen, die noch Jahre ihre Spuren hinterlassen wird. Den Aufwärtstrend, in dem sich Selm befindet, aufrecht erhalten, auch wenn das Tempo der Veränderungen sicherlich abnehmen wird.

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