Kreis hatte krebserregende Dacheindeckung am Straßenrand vergessen: „Jetzt werden wir aktiv“

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Die Dachplatten aus asbesthaltigem Zement liegen noch immer am Straßenrand in Cappenberg - auch noch nach fast vier Wochen. Das soll sich aber noch in dieser Woche ändern.

Selm

, 14.06.2019 / Lesedauer: 3 min

„Gut, dass Sie sich gemeldet haben“, sagt Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna, auf Anfrage der RN. Die wilde Müllkippe an der Borker Straße, die Passanten vor knapp einen Monat gemeldet hatten, liegt nach wie vor unverändert am Straßenrand. Warum?

Vermutlich sei die Angelegenheit etwas aus dem Blick geraten, gibt der Kreissprecher zu. Zum Hintergrund: Unbekannte hatten direkt an der Straße 60 alte Dachplatten mit krebserregendem Zement abgelegt: sogenannte Eternitplatten.

Asbest im Faserzement war in den 1970er-Jahren gefragt

Bei Eternitplatten handelt es sich um Platten aus Faserzement. Der Begriff Eternit ist ursprünglich nur ein Warenzeichen ist. Trotzdem hat sich der Begriff Eternitplatten eingebürgert - wie Tempo für Taschentücher. Dabei hat längst nicht nur das Heidelberger Unternehmen, das auch ein Werk in Beckum hat, die Platten hergestellt.

Asbestfasern waren in den 1960er- bis 80er-Jahren ein beliebtes Material. Seit 1993 ist Asbest allerdings in Deutsch­land verboten - und die Verwendung in Fassaden und Dacheindeckungen damit auch. Am meisten verbreitet sind die gewellten Dach­abdeckungen, wie sie auch in Cappenberg liegen.

Die einge­atmeten Fasern können Lungenkrebs verursachen, wie die Stiftung Warentest mitteilt. Vor allem bei Arbeitern, die oft ohne Schutz asbesthaltige Materialien hergestellt oder verarbeitet hatten, war es zu Asbestose- und Krebs­erkrankungen gekommen.

Im alten Gebäudebestand gibt es noch viel Asbest

Neue Eternitplatten sind damit längst unbedenklich. Die Gefahr ist dennoch immer noch präsent: Die Bundes­anstalt für Arbeits­schutz und Arbeits­medizin (BAuA) warnte 2016, dass sich noch „80 Prozent der ursprüng­lich verwendeten asbesthaltigen Bauteile im heutigen Gebäude­bestand“ befänden. Oder am Straßenrand.

Damit sich dort kein Asbest bei der Verwitterung freisetzt, gibt der Kreis Unna jetzt Gas. Die Platten an der Borker Straße, deren Herkunft noch immer noch nicht geklärt ist, sollen „noch in dieser Woche entfernt werde“, so Max Rolke. Am Donnerstagvormittag lagen sie noch unverändert an der Straße.

Kosten für die Entsorgung trägt die AllgemenheitSie werden dann in Kamen-Heeren-Werve entsorgt: auf der einzigen Deponie im Kreis Unna, die solches Material annimmt und fachgerecht entsorgt: für 200 Euro pro Tonne. Kosten, die jetzt die Allgemeinheit tragen muss, zusätzlich mit den Kosten für die Dienstleistung des Abtransport.

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