Gerettet: So wie hier bewahren die Helfer der Waldschule Cappenberg im Frühjahr Amphibien vor dem fast sicheren Überfahren durch Autos. In diesem Jahr verhindert das Coronavirus diese wertvolle Arbeit. © Canan Kizilgöz (Archiv)
Waldschule Cappenberg

Kröten leben dieses Jahr auf Cappenberg gefährlicher als sonst

Kröten leben im Frühjahr gefährlich. Auf ihrem Weg zu den Laichplätzen werden viele von ihnen Opfer von Autoreifen. Eine Sicherheitsmaßnahme fällt diesmal weg.

Die Waldschule Cappenberg ist für Bildungsarbeit in Sachen Natur überregional bekannt. Dazu gehört Krötenschutz. Im Frühjahr spannen Waldschulmitarbeiter und freiwillige Helfer – unter anderem Schüler – Krötenschutzzäune entlang der bevorzugten Wege der Amphibien, fangen die Kröten auch in Eimern auf und bringen sie dann gefahrlos zu den Laichplätzen. So war es in den letzten Jahren. In diesem Jahr wird das nicht so sein, wie Martina Schmidt von Boeselager, Geschäftsführerin der Waldschule Cappenberg, im Gespräch mit der Redaktion erklärt.

„Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahr keinen Amphibienschutz zu machen“, sagt sie. Grund: „Wir haben keine Helfer.“ Die Schulen seien wegen Corona nicht im vollen Präsenzunterricht, dürfen auch außerschulische Lernorte nicht aufsuchen. Die hauptamtlichen Waldschulmitarbeiter seien in Kurzarbeit. Und es gebe auch niemanden, der derzeit ein Freiwilliges ökologisches Jahr in der Waldschule absolviere. Sprich: Corona legt den Bildungsbetrieb und damit auch den Krötenschutz lahm. Denn Krötenschutz sei eine Arbeit, bei der sich die Helfer näher kommen, weil sie zumindest beim Aufbauen der Zäune zusammenarbeiten.

Ein gewohntes Bild im Frühjahr: Die Waldschule Cappenberg und ihre Helfer retten Amphibien auf dem Weg zu ihren Laichgewässern.
Ein gewohntes Bild im Frühjahr: Die Waldschule Cappenberg und ihre Helfer retten Amphibien auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. © Canan Kizilgöz (Archiv) © Canan Kizilgöz (Archiv)

„Wir hoffen nun, dass die Kröten eine Chance haben, auch ohne Krötenschutzzäune und -eimer ihre Laichgewässer zu erreichen“, erklärt die Waldschulleiterin. „Wir bitten alle Autofahrer, dass sie besonders vorsichtig und langsam fahren.“ Es seien vor allem die Bereiche Dreischfeld/Cappenberger Straße, Brauereiknapp und Hirschwiese/Schlossberg/Varnhöveler Straße, in denen die Amphibien bevorzugt unterwegs seien.

Kröten wandern voraussichtlich bis Ende März

Um die Notwendigkeit umsichtigen Fahrens zu begreifen, muss man wissen, was im Frühjahr bei den Kröten los ist: „Die haben sich in der kalten Jahreszeit im Wald eingegraben, werden jetzt, wo es wärmer wird, wach“, berichtet Martina Schmidt von Boeselager. „Der Stoffwechsel wird angeschmissen. Und es wird jetzt absehbar auch nachts über zehn Grad warm. Die optimale Wanderzeit für die Amphibien ist die Abenddämmerung.“ Das heißt, dass die Kröten jetzt schon die Straßen überqueren, um die Laichgewässer zu erreichen. Sie wollen instinktiv ihren Laichplatz finden, wo sie selber geschlüpft seien, erklärt die Expertin. Das sei quasi ein Automatismus, der zu den Amphibienwanderungen führe. Damit müssen Autofahrer voraussichtlich bis Ende März rechnen.

Und diese massenhaften Wanderungen haben trotz der Schutzmaßnahmen der Waldschule regelmäßig zu unzähligen Vorfällen geführt, dass Autofahrer Amphibien überfahren haben. Dem stehen aber auch veritable Zahlen von Amphibien gegenüber, die die Waldschule und ihre Helfer vor dem Tod bewahrt haben.

2020 waren es laut Waldschule 925. Weitere Zahlen aus den vergangenen Jahren: 2007: 3085; 2008: 890; 2009: 2463; 2010: 1826; 2011: 4097; 2012: 3161; 2013: 3422; 2014: 5061; 2015: 5197; 2016: 1065; 2017: 1704; 2018: 560; 2019: 1633.

Die Schwankungen in den Zahlen von Jahr zu Jahr haben mit Faktoren wie Kälteeinbruch, Trockenheit und optimaler Versorgung seitens der Waldschule und ihrer Helfer zu tun.

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Redaktion Selm
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