Nicht nur in der Aktiven Mitte bleibt er aktiv. Mario Löhr hat zwei Themen ausgemacht, die besonders wichtig seien: Zukunftsaufgaben, die der scheidende Bürgermeister noch selbst angehen will.

Selm

, 10.08.2019, 03:52 Uhr / Lesedauer: 4 min

Sie haben neben dem Amt des Bürgermeisters von Selm seit Jahresbeginn ein zweites dazu: das des Wahlkämpfers für das Landratsamt im Kreis Unna. Wie geht beides?

Das ist schon eine Doppelbelastung. Dadurch, dass ich ein neues Amt anstrebe, habe ich als Bürgermeister hier ja nicht weniger zu tun. Eines stand aber von vorne herein fest: Ich werde als Bürgermeister von Selm bis zum Wahltermin im September 2020 Gas geben.

Stichwort Gas geben: Das geht seit Kurzem ja auch wieder auf der Kreisstraße – 29 Monate nach Beginn der Umbauarbeiten …

… stimmt. Ich fahre da ja auch lang. Ich konnte den Unmut der Bürger wegen der Sperrung und der langen Umwege ja auch verstehen. Aber jetzt höre ich auch viel Positives, weil die Menschen die Veränderungen sehen können. Bis zum nächsten Jahr wird das alles noch viel sichtbarer werden. Dann werden die Kreisel bepflanzt sein, und auch die letzte Bank und der letzte Mülleimer seinen Platz gefunden haben.

Löhr: „Es gibt zwei Riesenherausforderungen für meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin“

Die Kreisstraße ist nach langem Umbau jetzt wieder frei. © Günther Goldstein


Die Achtung-Baustelle- und Durchfahrt-Verboten-Schilder kommen aber schon bald zurück. In den Herbstferien (ab 14. Oktober) wird es wieder eine Vollsperrung der Kreisstraße geben, für zwei bis drei Wochen, um auf dem Kilometer zwischen Selm und Bork die Straßendecke zu erneuern. Ließ sich das nicht anders regeln?

Wir sind ja nicht alleine Herr des Verfahrens. Entscheidend ist, dass während der neuen Sperrung gleich mehrere Maßnahmen gebündelt werden. Neben der neuen Decke wird es eine Querungshilfe an der Haus-Berge-Straße geben. Damit entsprechen wir einem Wusch, den Anlieger schon seit Langem immer wieder an uns herangetragen haben. Außerdem müssen Versorgungsleitungen für das neue Gewerbegebiet am vierten Arm des Kreisels Kreisstraße/Zeche-Hermann-Wall verlegt werden. Das geht nur in offener Bauweise und damit unter Vollsperrung.

Am Campus drehen sich gerade sieben Baukräne …

… stimmt. Nach der WBG hat jetzt auch der Bauverein zu Lünen begonnen. Zusammen werden beide 100 Wohnungen dort bauen. Und mit dem Haus der Wirtschaft geht es jetzt auch los, in das unter anderem Sparkasse und Jobcenter einziehen werden.

Mal ehrlich, wie oft schlendern Sie über den Campus?

Schlendern? Gar nicht so oft. Ich fahre da aber eigentlich jeden Tag morgens und spät abends lang. Zum einen um zu sehen, wie alles vorangeht. Zum anderen, um zu gucken, weil mir das Thema Sauberkeit wichtig ist am Campus und am Sportpark.

Und?

Da würde ich mir schon wünschen, dass man die Mülleimer auch benutzt und die Kaugummis nicht auf das Pflaster klebt. Tatsächlich müssen wir jetzt schon langsam über eine Reinigung nachdenken. Und auch die Schmierereien auf dem Kunstrasenplatz müssen ja nicht sein.

Also zurzeit mehr Ärger als Freude mit der Aktiven Mitte?

Nein, im Gegenteil. Man sieht doch auch, wie gut das Gelände angenommen wird. Nicht nur die Skateanlage, die schon länger geöffnet ist, sondern auch die Bereiche, die noch gar nicht fertig sind. Der BMX-Parcours und der Rodelhügel im Auenpark. Da sind ja täglich Leute.

Ist das ein Problem?

Nein, auf keinen Fall. Ich sage immer: Lasst sie doch. Die Kinder freuen sich. Das zeigt, dass die Flächen angenommen werden. Man muss nur aufpassen, dass sie die Baufirmen nicht stören.

Löhr: „Es gibt zwei Riesenherausforderungen für meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin“

Sind im Eigentum der Stadt: die Häuser 84 bis 68 an der Kreisstraße. © Sylvia vom Hofe


Zurück zur Kreisstraße: Die Stadt hatte dort sieben alte Häuser für 4,2 Millionen Euro gekauft. Wie geht es damit weiter?

Tatsächlich wird es an der Kreisstraße auch künftig nie so ganz ruhig werden, obwohl der Kreisstraßenumbau ja nun vorbei ist. Das hat aber erst einmal mit den Bauaktivitäten am vierten Arm des Kreisels Kreisstraße/Zeche-Hermann-Wall zu tun. Dort kommen die Tankstelle, der Burgerking und ein Wasch-, Saug- und Ladepark des Autohauses Rüschkamp hin. Nächstes Jahr werden dann Aldi und Rewe umziehen an den jetzigen Standort von Rüschkamp. Und dann kommen die sieben Häuser, die wir gekauft haben, an die Reihe.

Wie lange können also die Mieter in den alten Häusern bleiben?

Das hatten wir ja von Anfang an so gesagt: bis Ende 2021. Dann wird es auch da losgehen.

Das heißt also: abreißen und neu bauen. Wer wird denn dort investieren?

Wir sind zurzeit in Gesprächen mit einem Investor, der den gesamten Bereich durch einen langfristen Erbpachtvertrag übernehmen will. Ich halte daran fest: Die Veränderung ist richtig für die Stadtentwicklung. Ein solcher Vertrag sichert uns außerdem auch Einnahmen.

Die Kreisstraße ist also im Aufwind. Und die Altstadt?

Die Nebenzentren Bork und Selm-Altstadt wollen wir weiter fördern. Das hängt aber auch an den Eigentümern. In Bork hatten wir das Glück, dass die Gaststätte Dörlemann dank des Einsatzes einer Bürgergemeinschaft und Privaten weiter läuft. Natürlich können wir als Stadt nicht selbst eine Kneipe betreiben, aber wir können geeignete Immobilien dafür zur Verfügung stellen. Das ist eine der beiden wichtigsten Aufgaben für uns zurzeit.

Und die andere?

Klimaschutz. Das sind die beiden größten Herausforderungen für Selm: Möglichkeiten zu finden, Gastronomie zu fördern und Klimaschutz vor Ort: auf jeden Fall große Herausforderungen für meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin. Ich werde aber nicht warten, bis ich im Herbst 2020 aus dem Amt scheide. Das Thema „Fahrradfreundliches Selm“ als Aspekt des Klimaschutzes will ich jetzt schon angehen.
Wie?

Mit Fahrradzonen, in denen Radfahrer Vorrang haben. In Cappenberg könnten wir beginnen.

Wenn es etwas weiter gehen soll und das Fahrrad deshalb ausscheidet, sind die Menschen meistens doch wieder aufs Auto angewiesen. Denn der ÖPNV ist sehr lückenhaft. Gibt es da Abhilfe?

Das wird ein Schwerpunktthema sein in meinem Wahlkampf. Wir müssen sicherstellen, dass die Bürger von A nach B kommen. Von Selm nach Werne: Die Berufsschule dort hat bereits festgestellt, dass Selmer Schülerinnen und Schüler lieber nach Lünen zur Berufsschule gehen, weil sie gerade im Nachmittagsbereich schlecht aus Werne wieder zurückkommen können. Da konnten wir helfen.

Wie?

Es gibt jetzt eine Busverbindung im Nachmittagsbereich zusätzlich.

Die Stadt setzt auf Zuzug: neue Arbeitsplätze, neue Wohngebiete. Warum?

Wir brauchen auch diese Entwicklung, damit wir auch finanziell gut da stehen: Campus-Platz, Auenpark mit Eigentumswohnungen, Vermietung und Einfamilienhäuser, ein Baugebiet im Fährenkamp und ein weiteres kleines Cappenberg – ich bin sicher, der Bedarf wird da sein. Und uns wird das weiter voranbringen.

Was macht Sie optimistisch?

Die Erfahrung, die wir bereits gemacht haben. Wenn wir nicht investiert hätten in unsere Infrastruktur und die Stadtentwicklung und stattdessen Einnahmen, wie etwa aus dem Verkauf der Verwaltungsnebenstelle, direkt in den Schuldenabbau gesteckt hätten, wären das kurzfristige Erfolge. Wir wären aber nicht da, wo wir heute sind. Dann wäre kein McAirlaids gekommen, dann hätten WBG und Bauverein nicht entschieden, in Selm 100 Wohnungen zu bauen. Ich hatte vor meiner Wahl nie gesagt: Ich mache hier Bestandspflege, sondern immer: Selm kann mehr.

Kann Selm auch Gesamtschule, wie Thomas Orlowski, ihr SPD-Parteifreund und Kandidat für Ihre Nachfolge, es fordert?

Ich sage das mal so: Die Sekundarschule und das Gymnasium entwickeln sich sehr gut. Wir haben da zurzeit überhaupt keinen Bedarf. Insbesondere, weil die Kooperation zwischen dem Gymnasium und der Sekundarschule sehr gut angelaufen ist. Wir investieren an beiden Standorten im Bereich der Digitalisierung: in ein zukunftsfähiges gutes Schulsystem.

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