Mail an Minister: Borker (91) kämpft für Maskenpflicht in der Pflege

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Seit Wochen macht Theo Krabus keinen Schritt mehr vor die Tür - aus Angst vor dem Coronavirus. Doch ein Kontakt bereitet ihm so große Sorgen, dass er das NRW-Ministerium eingeschaltet hat.

Selm

, 24.04.2020, 14:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Theo Krabus ist stolze 91 Jahre alt. Und doch mitten im Leben. Gut, körperlich ist er nicht mehr ganz so fit ist: „Ich bin dreimal umgefallen und habe deshalb 2015 meinen Führerschein abgegeben.“ Aber geistig macht er sicher manch deutlichem Jüngerem einiges vor.

Hauptthema ist bei Theo Krabus und seiner Frau Frieda (94) aktuell natürlich das Coronavirus - und die Folgen für den Alltag. Das seit stolzen 69 Jahren verheiratete Paar hat klare Konsequenzen gezogen. Beide verlassen nicht mehr das Gelände der Seniorenwohnanlage an der Weiherstraße in Bork. „Und wir empfangen keinen Besuch.“ Fast keinen.

Ehepaar Krabus verzichtet freiwillig auf alle sozialen Kontakte

Eine feste Hilfe kommt zweimal in der Woche und bringt den gebürtigen Gelsenkirchenern Lebensmittel und andere lebensnotwendige Dinge. Ohne sich dabei zu nahe zu kommen. Das sieht beim täglichen Besuch der Pflege natürlich ganz anders aus.

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„Eine Mitarbeiterin des Pflegedienstes Olia wäscht morgens meine Frau und hilft ihr beim Anziehen.“ Einmal in der Woche helfe die Mitarbeiterin Frieda Krabus beim Duschen. „Ohne Mundschutz“, sagt am Donnerstag (23. April) Theo Krabus.

Der Senior übt im Gespräch mit unserer Redaktion heftiger Kritik an den Vorgaben der Landesregierung. Sie habe zwar einen Mund-Nase-Schutz für den öffentlichen Personennahverkehr und den Besuch von Geschäften angeordnet, jedoch nicht für die Pflege.

Anfrage an das NRW-Gesundheitsministerium bleibt unbeantwortet

Theo Krabus hat deshalb per Mail eine entsprechende Anfrage an das NRW-Gesundheitsministerium geschickt mit der Bitte um Aufklärung. Auch wir haben am Donnerstag (23. April) eine offizielle Anfrage an die Pressestelle des Ministeriums gesandt - bislang ohne Antwort.

Für Theo Krabus, seine Frau und wohl viele weitere Senioren, die alle zur „Risikogruppe“ gehören, ist die Situation sehr belastend. Sie tun alles, um sich nicht mit dem Virus zu infizieren - und erwarten deshalb eine Unterstützung vom Land.

Aus Sicht von Krabus sei die Infektionsgefahr, die durch die Mitarbeiter des Pflegedienstes ausgeht, nicht zu unterschätzen. „Sie sind den ganzen Tag unterwegs, haben mit sehr vielen Menschen Kontakt.“

Anja Shehi vom Pflegedienst Olia räumt auf unsere Anfrage ein, dass es mehrere Anfragen zum Thema Maskenpflicht gegeben habe. „Wir verstehen natürlich die Angst der Patienten und Angehörigen. Aber wir machen uns sehr viele Gedanken, wie wir arbeiten.“

„Vorräte innerhalb kürzester Zeit aufgebraucht“

In einem Schreiben vom 24. März (liegt der Redaktion vor) erklärt das „Olia-Team“, warum die Mitarbeiter des Pflegedienstes bei ihren Besuchen keinen Mundschutz tragen: „Würden wir wir nun bei jeder Versorgung wie von einigen gewünscht Masken tragen (...), hätten wir innerhalb kürzester Zeit unsere Vorräte aufgebraucht.“

Im Gespräch mit der Redaktion verweist Anja Shehi zudem auf die damalige Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI). Das habe keine Empfehlung zum Tragen eines Mundschutzes in der Pflege ausgesprochen. Doch diese Einschätzung habe sich in dieser Woche geändert. Anja Shehi kündigte an, dass die Mitarbeiter ab sofort einen Mundschutz tragen würden.

Pflegedienste tragen Kosten für komplette Schutzkleidung

Gestartet sei der Pflegedienst mit einem einfachen Mundschutz (sogenannter OP-Mundschutz). Sie sollen von selbst genähten Masken abgelöst werden. Anja Shehi führt für diese Entscheidung finanzielle Gründe an. „Einwegmasken gibt es nicht zu Preisen, die betriebswirtschaftlich darstellbar sind.“

Weil die Kosten für die komplette Schutzkleidung bislang von den Pflegediensten zu tragen sind, sind am Ende Olia und Theo Krabus nicht weit auseinander. Wenn das Land zumindest für Masken sorgen würde, wäre die Pflege deutlich sicherer.

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