Familie Kontou feiert später Ostern und Mister Bevan vermisst Schokolade

hzOstern International

Ostern ist anders - wegen Corona. Familienbesuche müssen ausfallen, weltweit. Katerina Kontou aus Selm und Stephen Bevan aus Olfen berichten über Osterbräuche in ihren Heimatländern.

Selm, Olfen

, 12.04.2020, 09:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Katerina Kontou kann noch hoffen. Für sie ist Ostern noch eine Woche entfernt. Die aus Griechenland stammende Wirtin des Restaurants Olympia an der Olfener Straße feiert nicht an diesem Wochenende, sondern erst am 19. April – einem besonderem Datum nicht nur für alle griechisch-orthodoxen Christen.

Größte Osterfreude am 20. April gilt als unwahrscheinlich

Wegen der Corona-Krise hatte die Landesregierung NRW alle Schulen im Land geschlossen - bis zum 19. April. Auch der Erlass des Landes, der praktisch alle Freizeitaktivitäten verbietet, endet dann. Auch Restaurants - und das wäre die größte Osterfreude für Familie Kontou –- könnten am 20. April wieder Gäste empfangen, theoretisch. Denn praktisch gilt das als unwahrscheinlich.

Katerina Kontou mit ihrem Sohn Teo., als sie noch zusammen mit ihrem Team im Restauran Olympia Gäste empfangen durfte. Die orthodoxen Christen feiern das Osterfest in diesem Jahr eine Woche später als in der westlichen Kirche.

Katerina Kontou mit ihrem Sohn Teo., als sie noch zusammen mit ihrem Team im Restauran Olympia Gäste empfangen durfte. Die orthodoxen Christen feiern das Osterfest in diesem Jahr eine Woche später als in der westlichen Kirche. © Marcel Schürmann

Längst sind viele Stimmen zu hören, die eine Verschiebung empfehlen. Welche Verhaltensregeln tatsächlich dann gelten werden, will die Landesregierung am 15. April mitteilen – zwei Tage nach dem deutschen Ostermontag. Und fünf Tage vor dem griechischen.

Schuld ist der andere Kalender

In der orthodoxen Kirche ist Ostern zwar auch am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Allerdings wird dafür nicht der Gregorianische, sondern der Julianische Kalender genutzt.

Egal nach welchem Kalender: Stephen Bevan ist gerade ausgebremst. Der gebürtige Brite aus Olfen ist Fahrlehre. Der Unterricht bei der Fahrschule Janke in Olfen muss wie überall sonst auch coronabedingt pausieren: Gelegenheit, im Gespräch mit der Redaktion auf Ostern zu blicken: „Easter.“

Easter bunny gibt es gar nicht

Vom Easter bunny, also dem Osterhasen, habe auf der Insel „noch nie jemand etwas gehört“, sagt Bevan. Und wer färbt dann dort die Eier? „Niemand“, sagt Bevan. Es gebe nur Schokoeier: „Die sind riesig und schmecken zuhause viel besser als hier.“ Hühnereier anzumalen sei nicht verbreitet. Osterfeuer anzuzünden auch nicht – zum Glück, wie er findet.

Das Foto des britischen Fahrlehrers Stephen Bevan stammt aus dem Archiv. Zu Ostern vermisst er besonders die Englische Schokolade.

Das Foto des britischen Fahrlehrers Stephen Bevan stammt aus dem Archiv. Zu Ostern vermisst er besonders die Englische Schokolade. © Marcel Schürmann (A)

Während Katerina Kontou noch nie die Gelegenheit hatte, in ihrer Wahlheimat Deutschland ein Osterfeuer zu besuchen – „dann arbeite ich immer in unserem Restaurant“, sagt sie, bislang in Legden, jetzt in Selm – , weiß der Brite aus Olfen, worum es geht. Und er bedauert nicht, dass 2020 keine Holzhaufen brennen dürfen – nicht, weil er die Geselligkeit nicht mögen würde. Er hasse den Rauch, der noch Tage in der Luft liegt, sagt er. Osterfeuer, „Easter fire“, gebe es in England bestenfalls auf dem Land bei streng katholischen Menschen, meint er. Tatsächlich habe er die Tradition erst in Deutschland kennengelernt.

Fastenzeit trifft auf Tea time

Auch die Tradition, sieben Wochen lang zu fasten, sei in seinem Heimatland nicht populär, meint er: „Das kennt kaum jemand“, sagt Bevan und lacht: „Wir können doch nicht auf die Tea-Time verzichten.“

Anders in Griechenland: „In der Woche vor Ostern essen die Menschen kein Fleisch“, sagt Wirtin Katerina Kontou. An Karfreitag werde den ganzen Tag über gar nichts gegessen. „Da darf auch keine Arbeit verrichtet werden. Keine Gartenarbeit, kein Wäschewaschen, gar nichts.“

Keksgebäck schmilzt nicht in der griechischen Sonne

Schoko-Hasen verschenken und Eier verteilen: Das sei in Griechenland auch nicht üblich, sagt sie. Stattdessen gebe es ein spezielles Sesam-Kringel-Keksgebäck mit dem Namen: Kuluria: garantiert sicher davor, in der schon warmen Frühlingssonne zu schmelzen.

Das Eierfärben sei durchaus üblich - allerdings in Rot, der Farbe des Blutes Jesu. Ein traditionelles Oster-Essen gebe es auch: Lammbraten.

Frohe Ostern, „Kalo Pascha“, wünschten sich Griechen in der Osternacht nach dem Gottesdienst – vorausgesetzt, man kann es verstehen bei der ganzen Knallerei. Es sei eben nicht üblich, Osterfeuer anzuzünden, sondern stattdessen ein Osterfeuerwerk abzubrennen – zumindest in der Nicht-Corona-Zeit.

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