Mann aus Selm gesteht: Ex-Frau mit Spaten geschlagen und erstochen

Mordprozess

Der Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht gegen einen 57-jährigen Selmer, der seine Ex-Frau im Februar getötet haben soll, hat am Donnerstag begonnen. Direkt zu Beginn des Prozess gesteht der Angeklagte.

Selm, Dortmund

, 23.07.2020, 13:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Verteidiger Marco Ostmeyer neben dem Angeklagten zum Prozessauftakt am Dortmunder Schwurgericht.

Verteidiger Marco Ostmeyer neben dem Angeklagten zum Prozessauftakt am Dortmunder Schwurgericht. © Jörn Hartwich

Die Tatwaffen waren ein Spaten und ein Messer, die Hintergründe liegen in einer gescheiterten Ehe: Nach dem gewaltsamen Tod einer Supermarkt-Mitarbeiterin aus Selm hat in Dortmund der Mordprozess gegen ihren Ex-Mann begonnen. Auch er selbst wollte nach der Tat offenbar sterben. Das geht aus einer Erklärung hervor, die Verteidiger Marco Ostmeyer zum Prozessauftakt vor dem Dortmunder Schwurgericht verlesen hat.

„Ich wollte sie überreden, alles rückgängig zu machen“

Es war der 7. Februar 2020, morgens um 4.50 Uhr. Der Angeklagte will schon die ganze Nacht vor der Garage der ehemals gemeinsamen Ehewohnung in der Eichenstraße verbracht haben. „Ich konnte aber nicht schlafen“, heißt es in der Erklärung. Als seine Frau schließlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren wollte, habe er sie zur Rede gestellt. „Ich wollte sie überreden, sie bitten, alles wieder rückgängig zu machen.“

Rund zwei Monate war das Paar zu diesem Zeitpunkt bereits geschieden. Der Spaten lehnte nach Angaben des Angeklagten außen an der Garage.

„Da habe ich mit dem Spaten zugeschlagen“

Was dann passierte, schilderte der 57-Jährige so: „Ich stellte mich vor sie, sie sagte: Du hast doch sowieso keinen A… in der Hose, so etwas zu tun. Da habe ich mit dem Spaten zugeschlagen.“

Anschließend will er seine Frau in die Garage gezerrt und dort fünf Mal auf sie eingestochen haben. Laut Anklage wurden Lunge und Herz getroffen – die 54-Jährige verblutete.

Der Angeklagte hatte sich anschließend offenbar neben sie gelegt, und sich selbst drei Mal in die Brust gestochen. „Ich gehe davon aus, dass es eine Kurzschlussreaktion war, ein gescheiterter Mitnahmesuizid“, so Ostmeyer am Rande der Verhandlung.

Sohn fand Leiche der Mutter in der Garage

Ein Sohn hatte die Eltern am nächsten Morgen gefunden, als er durch ein Fenster in die Garage geguckt hat. Die ebenfalls im Haus wohnende Mutter des Opfers hatte sich offenbar Sorgen gemacht und auf der Arbeit angerufen. Dort war ihre Tochter aber nicht erschienen. Daraufhin soll sie ihren Enkel geweckt und mit der Suche beauftragt haben.

Das Messer soll sich in einer Plastikschale in der Garage befunden haben. Der Angeklagte hatte es zuvor offenbar für Arbeiten am Auto benutzt. Die Garage selbst soll nicht abgeschlossen gewesen sein.

Keine Vorstrafen, kein Ärger mit der Polizei

Nach Angaben seines Verteidigers war der Angeklagte Vertriebsmitarbeiter in der Reifenbranche, hatte seinen Job aber rund zwei Jahre vor der tödlichen Bluttat verloren. Er sei weder vorbestraft noch jemals polizeilich in Erscheinung getreten. „Einer der Gründe für die Beziehungsprobleme könnte sein sehr zurückgezogener Lebensstil gewesen sein“, so Ostmeyer. Der Angeklagte selbst wollte dazu zum Prozessauftakt nichts sagen.

Die Richter müssen nun versuchen, Hintergründe und Tatablauf genau zu beleuchten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte seine Ex-Frau mit dem Spaten vom Fahrrad geschlagen hat, als sie an ihm vorbeifuhr – was der Selmer bestreitet. Die Verletzungen waren schon durch diesen Schlag massiv. In der Anklage ist von einem doppelten Kieferbruch und einem Wirbelbruch die Rede.

Söhne waren zum Prozessauftakt nicht erschienen

Die beiden erwachsenen Söhne des Paares waren am ersten Verhandlungstag nicht im Gericht erschienen. Sie ließen sich aber durch Anwältinnen vertreten. Das Dortmunder Schwurgericht hat für den Prozess zunächst noch vier Verhandlungstage bis zum 27. August vorgesehen. Die Anklage lautet auf Mord aus Heimtücke. Im Falle einer entsprechenden Verurteilung droht dem 57-Jährigen lebenslange Haft.

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