Mutter aus Selm fordert: „Keine Kita-Gebühren ohne Regelbetrieb“

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Die beiden Söhne von Janet Zahn (30) aus Bork sind derzeit in der Not-Betreuung, obwohl sie die zunächst ablehnte. Sie berichtet von ihren Erfahrungen und sendet einen Appell ans Land NRW.

Bork

, 18.05.2020, 20:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Montagmittag sitzt Janet Zahn aus Bork auf einer Bank auf dem Spielplatz am Cappenberger See. Ihre beiden Söhne, Alexander (7) und Maximilian (4), spielen im Freien. „Endlich wieder“, sagt die zweifache Familienmutter erleichtert. Dass ihre Kinder nun wieder auf Spielplätzen toben dürfen, sei für sie eine schöne Sache. Endlich wieder ein Stück Normalität in einer Zeit, die für die meisten Menschen alles andere als normal ist.

Wie erlebt Janet Zahn die Corona-Krise? „Es ist stressig, aber es wird besser“, sagt sie im Gespräch mit dieser Redaktion. Sie arbeitet im Einzelhandel, also in einer systemrelevanten Branche. Kurzarbeit braucht sie für sich nicht zu befürchten. „Im Gegenteil“, sagt sie, „ich arbeite jetzt mehr. Ich baue zurzeit sogar wieder Überstunden auf.“

Angst vor Kurzarbeit - bisher blieb Familie Zahn davon verschont

Bei ihrem Mann sei die Sorge vor Kurzarbeit noch vor gut einem Monat auf jeden Fall da gewesen. „Bei meinem Mann stand das Thema lange in der Schwebe. Er arbeitet aktuell im Homeoffice und anfangs wurden die Aufträge weniger. Inzwischen geht es aber wieder“, berichtet Janet Zahn. Zumindest in der Hinsicht konnte die Familie schon wieder aufatmen.

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Eine andere Frage, die Janet Zahn im April noch Sorgen bereitet hat: „Was ist mit den Kita-Gebühren für den Monat Mai?“ Kurzfristig, Ende April, erhielt sie die Nachricht, dass in NRW im Mai - wie auch schon im Monat April - weiterhin keine Kita-Gebühren erhoben werden. Für Janet Zahn: die richtige Entscheidung. „Das ist eine große Unterstützung bisher.“ Doch ihre Sorgen sind nur verschoben und nicht aufgehoben. Dieselbe Frage stellt sich nun für die kommenden Monate.

Bayern als Vorbild: Langfristig keine Kita-Gebühren erheben

Sie hat einen klaren Wunsch. Sie appelliert ans Land NRW: „Es sollten so lange keine Kita-Gebühren erhoben werden, wie der Regelbetrieb nicht normal läuft.“ Das werde in den kommenden Wochen auch nicht passieren, mutmaßt sie. „Ich glaube, dass auch die Kitas bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben werden.“ Es störe sie, dass sie keine langfristige Planungssicherheit hat: „In Bayern wurden die Kita-Gebühren gleich für drei Monate aufgehoben. In NRW geschieht das bisher nur Monat für Monat. Ich würde mir wünschen, dass das Land NRW auch so handelt wie Bayern. Das würde uns das Gefühl von Sicherheit geben.“

Als Mitarbeiterin in einem systemrelevanten Beruf hätte sie schon Mitte März die Not-Betreuung für ihre Kinder in Anspruch nehmen können. Seit nun einer Woche macht sie von diesem Anspruch Gebrauch. „Erst wollten wir das nicht“, sagt sie, „da man ja auch keine Infektion riskieren möchte.“ Schon Mitte März fragte sie sich, als sie von der Schließung der Kitas erfuhr: „Was mache ich jetzt?“

Antrag auf Not-Betreuung lief schnell und unkompliziert

Nach acht Wochen des Improvisierens, der Nebenbei-Betreuung der Kinder von zu Hause aus, hat sie sich umentschieden und die Notbetreuung nun doch in Anspruch genommen. „Es ging einfach nicht mehr. Die Stimmung wurde immer schlechter zu Hause. Die Kräfte waren bei mir einfach am Ende“, begründet sie ihr Umdenken.

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Und wie läuft die Notbetreuung? War es kompliziert, diese Dinge einzustielen? „Nein, das war sehr unkompliziert und hat super funktioniert“, sagt Janet Zahn. Sonntags habe sie den Antrag per E-Mail geschrieben. Schon am Montag durften ihre beiden Söhne die Notbetreuung in Anspruch nehmen; ihr jüngerer Sohn in der Kita St. Stephanus und ihr älterer Sohn in der OGS der Äckern-Grundschule in Bork. Einmal pro Woche erhält Alexander nun auch wieder Präsenz-Unterricht in der Schule.

Janet Zahn: „Bin froh, dass wir die Notbetreuung jetzt haben“

Es würde jedoch bei Weitem nicht allen Eltern so leicht gemacht werden, wie ihr und ihrem Mann. „Ich habe mit einer Freundin gesprochen. Die musste bei dem Kindergarten ihres Sohnes ihren Dienstplan abgeben und hat nur ein Zeitfenster von einer halben Stunde vor ihrem Dienstbeginn, ihr Kind dort abzugeben. Sie muss sich total abhetzen. Das ist total stressig für sie.“

In der Hinsicht seien die Notbetreuungen für Janet Zahns Kinder deutlich flexibler. „Ich bin jetzt sehr froh, dass wir die Notbetreuung haben. Meine Jungs sind in ihren Betreuungen sehr gut aufgehoben“, sagt sie. Aber auch hier würde sie sich wünschen, „dass die Abläufe überall einheitlich wären. In jeder Kita und jeder Schule wird es unterschiedlich gehandhabt.“

Für ihre Kinder ist es schwer, das alles zu verstehen

Gerade für ihren jüngeren Sohn Maximilian sei es schwer, „das alles zu verstehen“, sagt Janet Zahn, „Abstand zueinander zu halten, niemanden umarmen zu dürfen und warum er Oma und Opa so lange nicht sehen darf. Zum Glück hat mein Kleiner ja seinen großen Bruder und damit einen Spielgefährten zu Hause.“ Durch die Lockerungen und die Inanspruchnahme der Notbetreuung ist zumindest auch die Stimmung im Hause Zahn zuletzt wieder lockerer geworden. Jetzt möchte Janet Zahn auch langfristig planen können, was die Zahlung von Kita-Gebühren angeht. Dafür wartet sie jetzt wieder auf Informationen vom Land.

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