Nach Überfall auf Rentner: Angeklagter könnte doch noch sein Schweigen brechen

hzLandgericht Dortmund

Im Prozess um den Überfall auf einen Rentner an der Lange Straße denkt der Angeklagte möglicherweise an einen Wechsel der Verteidigungsstrategie. Sagt der Angeklagte doch noch aus?

Selm

, 22.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Bislang hatte der 32-Jährige vor der 32. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts eisern geschwiegen. Doch was stattdessen die Zeugen den Richtern erzählten, dürfte dem Angeklagten überhaupt nicht gefallen haben. Tatsache ist, dass an einem Nachtspeicherofen im Wohnzimmer des Überfallsopfers ein Fingerabdruck des Angeklagten gefunden wurde. Und zwar einer von so guter Qualität, dass selbst erfahrene Spurensicherungs-Polizisten schier ins Schwärmen gerieten.

Vorstrafe spricht Bände

Und dann ist da auch noch das Vorstrafenregister des 32-Jährigen, das durchaus von Interesse ist. Drei Eintragungen weist die Akte auf - und vor allem die letzte hat es in sich. Wenige Wochen vor dem Überfall in Selm wurde der Angeklagte nämlich zusammen mit einem Landsmann vom Amtsgericht Burgwedel zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der Vorwurf lautete damals: versuchter Diebstahl. Und die Tat, die der Verurteilung zugrunde lag, erinnert frappierend an den Überfall auf den Rentner an der Lange Straße.

Versuchter Diebstahl in Burgwedel

Auch in Burgwedel versuchte einer der Täter zunächst, eine hoch betagte Frau an deren Haustür in ein Gespräch zu verwickeln. Unterdessen drang der andere durch ein auf Kipp stehendes Fenster in die Wohnung ein und überraschte die Seniorin. Genau so sollen die beiden Täter auch im Fall des 73-Jährigen vorgegangen sein. Der Unterschied ist nur, dass der Selmer Rentner sofort niedergeschlagen und gefesselt wurde.

Genau diese Eskalation könnte dem Angeklagten nun zum Verhängnis werden. Denn statt wegen versuchten Dienstahls ist er diesmal wegen Raubes angeklagt. Und die Richter erteilten ihm am Montag sogar noch den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen „erpresserischen Menschenraubes“ in Betracht kommt. Die Mindeststrafe dafür beträgt fünf Jahre Haft.

„Wir haben Beratungsbedarf“

Aus diesem Grund könnte sich der Angeklagte nun doch noch zu einem Wechsel der Verteidigungsstrategie entscheiden. „Wir haben Beratungsbedarf“, ließ Verteidiger Jan-Henrik Heinz die Richter am Montag wissen. Er könne natürlich noch nicht vorgreifen und sicher sagen, was dabei herauskomme. „Es kann aber sein, dass sich mein Mandant am nächsten Tag doch zu den Vorwürfen äußern wird.“

Würde der 32-Jährige dann ein Geständnis ablegen und vielleicht sogar den Namen seines Mittäters verraten, könnte er auf deutliche Strafmilderung hoffen. Eine Bewährungsstrafe wie in Burgwedel wäre aber auch dann so gut wie ausgeschlossen.

Selbst im Fall einer Einlassung des Angeklagten ist das Urteil in diesem Fall nicht mehr weit. Gut möglich, dass noch in dieser Woche plädiert werden wird.

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