Wer von der Waltroper Straße aus auf das Gelände an der Trinitatis-Kirche schaut, sieht eine Menge Veränderungen. Es werden noch mehr. Nicht alle werden auf den ersten Blick sichtbar sein.

Bork

, 16.05.2020, 14:44 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Rohbau des Holzanbaus an der evangelischen Trinitatis-Kirche an der Waltroper Straße in Bork steht. Und er hat gerade ein Dach bekommen. Es fehlen noch Fenster und Verdunkelungselemente. Einrichtung natürlich auch. Aber der Anbau soll ja mal eine funktionale Einheit mit dem Kirchengebäude sein. Dazu bedarf es noch einiger Veränderungen.

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Die evangelische Kirche hat gemeinsam mit dem Architektenbüro „Spital-Frenking + Schwarz“ ein Konzept erarbeitet, wie das gelingen kann. „Es wird einen Durchbruch von der Kirche zum Anbau geben“, berichtet die evangelische Pfarrerin Antje Wischmeyer. Foyer, Toiletten, der Saal und eine Küche sowie ein Abstellraum: Das ist die Aufteilung des Anbaus. Ein Holzanbau, der ja eigentlich nicht zum Baustil der Kirche passt.

Zwischen die Holzbalken des Anbaus werden überwiegend Fenster gesetzt.

Zwischen die Holzbalken des Anbaus werden überwiegend Fenster gesetzt. © Arndt Brede

„Wir haben uns für die Holzständerbauweise entschieden, weil wir ein Gebäude haben wollten, das ganz viel Glas hat“, sagt die Pfarrerin Antje Wischmeyer im Gespräch mit der Redaktion. All das, was jetzt noch zwischen den Balken frei sei, werde mit Glas gefüllt, bekomme also Fenster. „Wir wollten ein sichtbares Zeichen in den Stadtteil setzen, das man auch sieht, wenn hier Menschen sind.“ Allerdings müssen laut neuer Wärmeschutzverordnung auch Verdunkelungselemente angebracht werden, sagt die Pfarrerin. „Hätten wir alles aus Glas haben wollen, hätten wir in das 50-Quadratmeter-Gebäude eine Klimaanlage einbauen müssen, mit hohen Wartungs- und Folgekosten.“

Hier soll der Durchbruch zum Anbau entstehen.

Hier soll der Durchbruch zum Anbau entstehen. © Arndt Brede

Rund um den Anbau wird sich auch etwas tun. An der Westseite des Anbaus wird das Gelände begrünt. Im September soll das Gebäude fertig sein.

Kirche wird innen renoviert

Es soll aber auch noch die Kirche renoviert werden, sagt die Pfarrerin. „Außen bleibt sie, wie sie ist, aber innen soll sie neu gemacht werden.“ Wie genau soll das aussehen? „Die Bänke werden entfernt und es sollen Stühle aufgestellt werden.“ So dass auch der Kirchraum flexibel genutzt werden kann, „weil wir im neuen Anbau ja nur einen relativ kleinen Saal haben“.

Die Wände werden gestrichen und der Fußboden wird in einem Bereich angehoben. Derzeit stehen die Kirchbänke auf beiden Seiten etwas erhöht auf Holzpodesten. Der Mittelgang müsse dann auf das Niveau aufgefüllt werden, damit Stühle aufgestellt werden können. Der Denkmalschutz habe signalisiert, dass die Holzpodeste erhalten bleiben sollen.

Noch wird ein Teil der Kirche für Gruppenarbeit genutzt.

Noch wird ein Teil der Kirche für Gruppenarbeit genutzt. © Arndt Brede

Das Ziel sei, bis Ende des Jahres alle Arbeiten an Kirche und Anbau abgeschlossen zu haben. Sind Weihnachtsgottesdienste dann in der Kirche schon denkbar? „Das wäre das Ziel“, meint Antje Wischmeyer. „Aber in diesen Zeiten ist die Frage, was wir überhaupt Weihnachten machen.“

Kirche ist zurzeit nicht geöffnet

Aktuell mache die evangelische Kirchengemeinde die Trinitatis-Kirche nicht auf, obwohl Gottesdienste jetzt wieder erlaubt seien. Grund: „Wir müssten einige Bänke sperren, und dann kriege ich noch zehn Leute in die Kirche und muss drei Ordner abstellen“, berichtet die Pfarrerin. „Und da Mitte Juni der Durchbruch zum Anbau gemacht werden soll, haben wir uns entschieden, die Kirche nicht aufzumachen.“

Zu Pfingsten werde die evangelische Kirchengemeinde Selm die Kirche am Markt im Selmer Zentrum wieder öffnen und Gottesdienste feiern, auch für die Borker. „Allerdings gehen nach den jetzigen Vorschriften nur 34 Leute rein“, sagt Antje Wischmeyer. Normalerweise fasse die Kirche rund 300 Menschen.

Geplant sei jedoch, einmal im Monat draußen vor der Trinitatis-Kirche Gottesdienst zu feiern. „Allerdings brauchen wir auch für jeden Freiluftgottesdienst ein Hygieneschutzkonzept und die Genehmigung des Ordnungsamtes.“ Antje Wischmeyer lächelt: „Man lernt gerade Demut und Leben im Jetzt.“

Stimmung zwischen Vorfreude und Trauer

Und dann steht ja auch noch irgendwann der Abriss des Gebäudes an, das der Mittelpunkt des weltlichen Lebens der evangelischen Kirchengemeinde am Standort Bork war: des Walter-Gerhard-Hauses. Auch das Pfarrhaus, das gerade entkernt wird, soll fallen. Aufbau des Holzanbaus, Renovierung der Kirche, Abriss traditioneller Gebäude, Corona-Krise mit Auswirkungen auch auf das Leben in der Gemeinde: ein ganz schönes Paket, das die Borker gerade zu stemmen haben. Wie ist denn die Stimmung innerhalb der Gemeinde in Bork? „Es gibt die Vorfreude auf das, was kommt“, berichtet die Pfarrerin. Bei den Älteren gebe es auch Trauer, weil das Walter-Gerhard-Haus bald abgerissen wird. „Aber es ist ein so großes Gebäude für die 1700 Gemeindeglieder, die hier sind, dass wir das finanziell nicht tragen können.“

Nach dem Abriss entstehen auf dem Gelände barrierearme Wohnungen, wie Antje Wischmeyer berichtet.

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