Nutrias sind im Selmer Auenpark gesehen worden. Im Park sollen sich alle möglichen Tierarten ansiedeln. © picture alliance/dpa
Auenpark

Nutrias im Auenpark Selm gesichtet – Gefahr für andere Tiere?

Es scheint, als ob der Auenpark in Selm neue Bewohner hat: Nutrias. Da lässt eine Meldung aus Lippstadt aufhorchen, wo ein Hund von einem Nutria totgebissen wurde. Kann das in Selm auch passieren?

Für Aufruhr sorgte jüngst eine Meldung über einen Hund aus Lippstadt, der von einer Nutria getötet wurde. Berichten zufolge habe die Nutria den Hund, der am Ufer unterwegs war, geschüttelt, bis er tot war. Die Tiere leben auch im Auenpark in Selm. In einer Gruppe in den Sozialen Medien äußerten einige Selmer Bedenken.

Doch was für Tiere sind Nutrias eigentlich? Eigentlich stammen sie aus Südamerika und wurden für die Pelzproduktion nach Europa gebracht. Entflohene Tiere konnten sich an den hiesigen Gewässern ansiedeln, denn sie fühlen sich auch im Europäischen Klima wohl. „Vermutlich ist die Nutria im Kreis Unna weit verbreitet. Nachweise liegen mindestens entlang der Lippe und Ruhr samt ihrer Auenlandschaften vor“, sagt Diplom-Geograph Stefan Kauwling von der Biostation Unna.

Die Biberratte ist also ein Einwanderer. Eine unerwünschte Art ist die Nutria dadurch aber nicht zwingend – obwohl man ihre Ansiedlung aus wissenschaftlicher Sicht als „Invasion“ bezeichnet. Die Nutria haben in den hiesigen Lebensräumen kaum natürliche Feinde und finden laut Kauwling genug Nahrung. „Zudem besteht kaum eine Konkurrenz um den Lebensraum zu den ähnlich lebenden Nagern Bisam, der ebenfalls eingeführt wurde, und dem heimischen Biber.“

Der Auenpark bietet den Tieren somit einen guten Lebensraum, in dem sie auch ihren Nachwuchs großziehen. „Nutrias können sich ganzjährig fortpflanzen. Zwei oder drei Würfe mit 6-8 Jungen sind jährlich möglich“, so Kauwling. Auch zurzeit haben die Nutrias im Auenpark Jungtiere, wie eine Selmerin in einer Facebook-Gruppe schrieb. Eine Phase, in der man sich mit seinem Vierbeiner von den Tieren fernhalten sollte. Denn wenn ihnen ein Hund zu nahe kommt und die Nutrias ihre Jungtiere bedroht sehen, sei laut Kauwling durchaus ein verteidigendes Verhalten möglich. „In einer solchen Bedrohungssituation werden als Reaktion sicher schützende Verhaltensweisen ausgelöst.

Nutrias nicht füttern

Dennoch sei das ein Fall, der im seltensten Fall vorkommen könnte. Im natürlichen Umfeld meiden die Tiere den Kontakt mit Menschen und ihren vierbeinigen Gefährten. „Hunde sollten in einer solchen Konstellation eh angeleint sein, wie es zum Beispiel in allen Naturschutzgebieten des Kreises Unna verpflichtend ist“, gibt Kauwling zu Bedenken. Begegnet man einer Nutria im städtischen Umfeld, sollte man zumindest die Fütterung unterlassen – das sei mindestens genauso schädlich wie Entenfütterungen. „Der unmittelbare Kontakt mit Wildtieren provoziert zudem, auch einmal mit einem unerwarteten Verhalten konfrontiert zu werden.“

Wie sieht die Stadtverwaltung die Tatsache, dass Nutrias sich im Auenpark angesiedelt haben sollen? Weiß sie davon? „Die Stadtverwaltung hat vor gut zwei Wochen gemeldet bekommen, dass mindestens ein Nutria im Auenpark gesehen wurde“, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage der Redaktion.

Nutrias sind im Selmer Auenpark gesehen worden. Im Park sollen sich alle möglichen Tierarten ansiedeln.
Nutrias sind im Selmer Auenpark gesehen worden. Im Park sollen sich alle möglichen Tierarten ansiedeln. © Arndt Brede © Arndt Brede

Hält die Verwaltung nach, welche Tierarten sich im Auenpark ansiedeln. Antwort des Stadtsprechers: „Eine Liste, welche Tiere sich im Auenpark ansiedeln, wird nicht geführt.“

Ist es gewünscht, dass sich alle möglichen Tierarten im Auenpark ansiedeln? Gibt es Tierarten, die die Stadt lieber nicht im Auenpark hätte? Malte Woesmann antwortet darauf so: „Die Renaturierung des Selmer Baches inklusive Anlage der Auen wurde bewusst so gehalten, dass die Natur und damit die Tierwelt sich selbst überlassen werden.“

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