Bei einer Tuning-Veranstaltung am Lasise in Bork hat es am Sonntag zahlreiche Kontrollen der Polizei gegeben. Schikane, finden Besucher der Messe und der Veranstalter.

Bork

, 28.05.2019, 16:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bright Spots - Staatsfeind Nummer 1“ lautet der Name der Veranstaltung, die am Sonntag am Forschungs- und Technologiezentrum (Lasise) in Bork stattfand. Eine Tuning-Messe.

Aber: „Dass der Titel Staatsfeind Nummer 1 Programm wird, hätte ich nicht gedacht“, sagt Dirk Lange, der Geschäftsführer des Veranstalters Fourty-Four-Car-Culture aus Dortmund. Die Polizei hatte bei dem Tuning-Treffen massiv kontrolliert. Zum einen wurden die Geschwindigkeiten gemessen, zum anderen kontrolliert, ob die Fahrzeuge Mängel aufwiesen. Kontrolliert wurde an insgesamt drei Stellen, wie Vera Howanietz von der Kreispolizei in Unna sagt.

Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen

Dabei wurden insgesamt 352 Verwarngelder erhoben und 19 Ordnungswidrigkeitsanzeigen erstellt, wie die Polizei mitteilt. Außerdem wurde ein Fahrverbot ausgesprochen.

Die Kontrollen betrafen allerdings nicht nur Besucher der Tuning-Messe, sondern auch Autofahrer, die an den entsprechenden Messstellen unterwegs waren, wie Howanietz betont.

Sehr wohl die Besucher der Tuning-Messe betreffen aber diese Zahlen: 16 Fahrzeuge wurden einem Sachverständigen vorgeführt, sechs Fahrzeuge für eine spätere Begutachtung sichergestellt. In einigen Fällen sei die Weiterfahrt untersagt worden. Einige Tuner hätten auch direkt das passende Werkzeug im Kofferraum gehabt, um ihre Autos wieder „in den vorschriftsgemäßen Zustand zurückzubauen“, so die Polizei. Sie durften dann auch weiterfahren.

Kritik an Polizei

Im sozialen Netzwerk Facebook regte sich an dem Vorgehen der Polizei Kritik. Die Polizei habe sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, schreibt zum Beispiel ein Nutzer auf der Seite zur Veranstaltung bei Facebook. „An sich richtig“, findet er die Kontrollen. „Es geht aber besser und vor allen Dingen humaner.“ Andere Kommentatoren sehen das anders: „Ich bin bei Gott auch kein Freund von der deutschen Polizei. Aber sie machen nur ihren Job. Und dass sie es machen müssen, kannst du bei jedem Treffen live sehen.“

Auch Veranstalter Dirk Lange hat Verständnis für die Kontrollen der Polizei „ich bin für Geschwindigkeitskontrollen der Polizei an solchen Tagen“, sagt Lange, aber, dass die Polizei zum Beispiel am Eingang des Geländes gestanden und dieses somit quasi abgeriegelt habe, „fand ich Schikane.“ „Ich finde es gut, was die Polizei macht, aber es war zu viel.“ Das sei schon geschäftsschädigend gewesen.

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Besucher drehten um

Er habe mitbekommen, dass viele Tuner kurz vor ihrem Ziel in Bork umgedreht seien, weil sie von den zahlreichen Kontrollen mitbekommen haben. Das betreffe zum Beispiel Freunde von ihm aus Holland, denn dort müssten die Änderungen am Fahrzeug anders als in Deutschland nicht eingetragen werden. Lange schätzt, dass etwa 500 bis 600 Besucher am Sonntag gekommen sind, etwa 400 seien wegen der Kontrollen weggeblieben. So fallen auch Einnahmen weg: 5 Euro zahlten Besucher, 16 Euro galt pro Auto. „Irgendwie muss man da über die Verhältnismäßigkeit der Mittel reden“, findet Lange.

Auch von der Stadt Selm seien Beschwerden wegen der Lärmbelästigung an ihn herangetreten worden. „Das wäre ohne die Rückstaus nicht passiert“, ist sich Lange sicher.

Die Stadt Selm sagt auf Anfrage, dass einige Bürger sich beschwert hätten, weil ein sogenanntes Drift Taxi, ein Rennwagen, für deutlichen Lärm gesorgt habe. Das sei im Vorfeld nicht abgesprochen gewesen. „Das Ordnungsamt der Stadt Selm habe daraufhin sofort Kontakt mit dem Veranstalter sowie der Geschäftsführung von Lasise aufgenommen“, sagt Norbert Zolda von der Stadt Selm. „In Kürze sollen Gespräche zu nutzungs- und immissionsrechtlichen Vorgaben stattfinden.“ André Bubenzer, Geschäftsführer des Veranstaltungszentrums Lasise, möchte sich auf Anfrage nicht äußern, da er nicht Veranstalter ist.

Der Veranstalter Foutry-For-Car Culture ist ursprünglich aus einem Tuning-Treff entstanden und führt die Veranstaltung „Bright Spots“ bereits seit 2012 durch, wie Dirk Lange sagt. An wechselnden Veranstaltungsorten. Im vergangenen Jahr erstmals am Lasise. Damals habe es aber keine Polizeikontrollen gegeben. „Wir hatten bisher nie Probleme mit der Polizei“, sagt Dirk Lange.

Polizei reagiert auf Kritik

Vera Howanietz von der Polizei bestätigt, dass Kontrollen bei Tuning Treffen nicht jedes Mal gemacht werden, allerdings habe die Polizei frühzeitig von der Veranstaltung erfahren und auch wegen des großen Zulaufs der Veranstaltung habe man sich dazu entschieden, zu kontrollieren.

„Die, die wir angehalten haben, hatten auch Verständnis“, sagt Vera Howanietz. Die Kritik in den sozialen Netzwerken hat die Polizei ebenso zur Kenntnis genommen, wie die Äußerungen, dass einige Fahrer wieder umkehren wollten. Dazu sagt die Polizei: „Wer jedoch mit einem nicht den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung entsprechenden Kraftfahrzeug im öffentlichen Verkehrsraum unterwegs ist, stellt oftmals eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar und hat auf der Straße nichts zu suchen.“

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