Der Gaspreis steigt. Was bedeutet das für die Verbraucher? © picture alliance/dpa
Gas und Strom

Preise schießen in die Höhe – Darauf müssen die Selmer achten

Gas- und Strompreise schnellen derzeit im Großhandel in die Höhe. Worauf müssen die Bürger vor Ort achten? Die Verbraucherzentrale gibt wertvolle Tipps.

Die Preise für Strom und Erdgas schießen vielerorts in die Höhe. Erste Versorgungsunternehmen verschicken Schreiben mit Preiserhöhungen. Die Verbraucherzentrale für Lünen, Selm und Werne weiß, worauf die Bürger vor Ort zu achten haben, wenn sie von Preiserhöhungen betroffen sein sollten.

Jutta Gülzow, Leiterin der Beratungsstelle in Lünen, hat Antworten auf die Fragen der Bürger. Sie gibt wertvolle Tipps.

Registriert die Verbraucherzentrale einen Anstieg von Anfragen bezüglich Erhöhungen im Gas- und Strom-Preis?

„Es kommen aus allen Orten, für die wir zuständig sind, Anfragen. Das ist für diese Jahreszeit nicht untypisch. Wenn die Jahresabrechnung kommt oder man hört, dass die Preise steigen, wenden sich die Bürger an die Verbraucherzentrale.“

Jutta Gülzow schildert die vier großen Themen, die Verbraucher während der Pandemie am Herzen lagen und liegen.
Jutta Gülzow schildert die vier großen Themen, die Verbraucher während der Pandemie am Herzen lagen und liegen. © Verbraucherberatung © Verbraucherberatung

Erste Schreiben mit Preiserhöhungen sind von Versorgungsunternehmen verschickt worden. Worauf müssen die Verbraucher achten?

„Manche Schreiben sind intransparent. Sie wirken wie ein normales Schreiben und im dritten Absatz kommt dann, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt der Preis um einen gewissen Betrag erhöht wird. Wir raten dazu, die Schreiben aufmerksam zu lesen.“

Welche Möglichkeiten haben die Verbraucher bei solchen Schreiben?

„Rein rechtlich gesehen haben die Kunden bei einer Preiserhöhung ein Sonderkündigungsrecht zum Zeitpunkt der Preiserhöhung. Wenn der Preis beispielsweise zum 1. Januar erhöht wird, besteht die Möglichkeit, zu diesem Zeitpunkt aus dem Vertrag auszusteigen.

Das macht aber nur Sinn, wenn man vorher die Tarife bei Mitbewerbern vergleicht. Und da wiederum muss man aufpassen, dass man nicht die aktuellen Preise mit denen ab Januar vergleicht.“

Worauf ist bei einem Anbieterwechsel zusätzlich zu achten?

„Wichtig ist, dass man bei einem Anbieterwechsel verschiedene Portale nutzt und dabei nicht die voreingestellten Häkchen nimmt. Dazu empfehlen wir einen maximal zwölfmonatigen Vertrag, so dass man flexibel ist. Außerdem sollte man die Boni beim Vergleichen rausnehmen. Sonst hat man einen längeren Vertrag, kündigt den nicht und am Ende hat sich ein Wechsel gar nicht gelohnt, weil der Preis im zweiten Jahr so hoch ist.

Für Kunden, die sowieso darauf achten, regelmäßig die Verträge zu wechseln, ist der Bonus zwar gut. Aber grundsätzlich gilt: Erst einmal die Boni raus und gucken, wie das ausschaut.

Außerdem ist wichtig, dass man auch auf die normalen Seiten des Anbieters geht und da nach den Tarifen guckt. Man kann zwar auch bei den Tarifportalen selber wechseln, aber dann fehlt einem der objektive Vergleich. Lieber den Tarif merken und nochmal auf der Seite des Anbieters gucken und dort den Vertrag abschließen.“

Hilft die Verbraucherzentrale bei einem Tarifwechsel?

„Ja, wenn die Preiserhöhungsnachrichten oder die Nachzahlungswünsche kommen, bieten wir den Kunden auch an, zu helfen. Wir gucken dann auch, warum die Nachzahlungsforderungen so hoch sind und helfen den Kunden, ihren Verbrauch zu kontrollieren. Zum Beispiel beim Thermostat: Wenn ich einen Grad absenke, spare ich sechs Prozent der Energiekosten. Das sind einfache Sachen, die man verändern kann.“

Was sind eigentlich die Gründe für die derzeit steigenden Preise?

„Beim Gas ist es so, dass wir einen langen und kalten Winter hatten und die Speicher nicht aufgefüllt sind. Dazu kommt, dass die Wirtschaft nach dem langen Lockdown wieder mehr Energie benötigt. Und wenn die Nachfrage hoch ist, hat das eine Auswirkung auf den Preis.“

Was muss der Staat dagegen aus Ihrer Sicht tun?

„Finanzschwache Haushalte sind sicherlich besonders betroffen von solchen Preiserhöhungen. Es wäre beispielsweise eine Möglichkeit, das Wohngeld anzupassen. Dass die Personen, die Bezieher von Wohngeld sind, die Kosten nicht selbst tragen müssen.“

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