Man hat schon alles gesehen: Erdbeeren zum Selberpflücken, Blumen zum Selberpfücken. Aber Kartoffeln zum Selberernten ist neu. Zumindest in Selm. Und anders, als man denkt.

Selm, Capelle

, 17.05.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein 1,5 Hektar großes Feld westlich der Kreisstraße zwischen dem Kreisverkehr Alte Zechenbahn und dem Kreisel Zeche-Hermann-Wall: Es sind schon schnurgerade Bahnen gezogen. Sie deuten darauf hin, dass bereits etwas gesät wurde. Konkret: Am 16. April. Was hier jetzt wachsen soll? Belana und Marabel. Kartoffeln also.

Diese Kartoffeln können Interessierte im September - das ist der Erntemonat - selber ernten. Die Idee dazu hatte der Hof Pröbsting aus Capelle. „Wir haben ja Erdbeerfelder zum Selberpflücken und sind nun auf die Idee mit der Kartoffelernte gekommen“, berichtet Sophia Pröbsting. Sie ist auf dem Hof Pröbsting verantwortlich für den Erdbeeranbau und seit Kurzem eben auch für das Kartoffelprojekt. Das ist nämlich in diesem Jahr als Idee geboren worden, wie die 25-jährige Masterstudentin der Agrarwissenschaften im Gespräch mit der Redaktion erzählt.

Felder mit Industriekartoffeln gibt es auf dem Hof Pröbsting schon. „Da werden Kartoffeln für Pommes frites und Chips angebaut. Warum jetzt Speisekartoffeln? „Wir haben jetzt gemerkt, dass Kartoffeln in Supermärkten oft knapp waren. Weil uns diese Fläche hier in Selm noch zur Verfügung steht und die Lage passt, haben wir uns dazu entschieden, Kartoffeln zum Selberernten anzupflanzen“, führt Sophia Pröbsting aus.

Man muss nicht komplett selber buddeln

Sie verspricht den Kunden ein echtes Erlebnis, mal Kartoffeln aus konventionellem Anbau selber zu ernten. Aber wie geht das überhaupt. Beim Erdbeerpflücken und auch beim Pflücken von Blumen muss man selber ran, was manchmal auch anstrengend sein kann. Um wie viel anstrengender ist es, als Laie Kartoffeln aus dem Boden zu holen? „Man muss nicht komplett selber buddeln“, sagt Sophia Pröbsting und lacht. „Wir fahren mit einer Maschine, einer Vorstufe zum Kartoffelroder, die Dämme entlang und die Kartoffeln werden damit aus der Erde geholt und liegen dann auf den Dämmen. Man kann sie einfach so runter sammeln.“

Mit dieser Maschine werden die Kartoffeln aus dem Boden geholt und auf die Dämme gelegt.

Mit dieser Maschine werden die Kartoffeln aus dem Boden geholt und auf die Dämme gelegt. © Pröbsting

Aber dieses „einfach so runter sammeln“ geschieht geordnet. Das Prinzip: Man kauft so viele Meter Kartoffeldamm, wie man will. Pro Meter können vier bis fünf Kilogramm Kartoffeln geerntet werden, erklärt die 25-Jährige. Anfang September wird gerodet „und wir werden dann an zwei bis drei Tagen - wahrscheinlich an zwei Wochenenden freitags bis sonntags - Verkauf und Ernte haben“. Mitarbeiter des Hofes Pröbsting werden anwesend sein. Der jeweilige Bereich, den ein Kunde gekauft hat, werde entsprechend gekennzeichnet, und der Kunde dürfe dann ja auch nur in seinem Bereich ernten. Kunden dürfen übrigens aussuchen, welche Sorte Kartoffeln sie haben möchten, ob festkochend (Belana) oder vorwiegend festkochend (Marabel). Der Ertrag, den der Kunde erntet, wird dann auch abgerechnet.

Das Ziel sei, das komplette Feld abzuernten, sagt Sophia Pröbsting. „Wir sind gespannt, wie die Nachfrage ist. Aber auch wenn Kartoffeln übrig bleiben, werden sie noch verwertet und anders vermarktet.“

Preis steht noch nicht fest

Was der Meter Kartoffeldamm kostet, stehe noch nicht fest, berichtet die angehende Agrarwissenschaftlerin. „Da sind wir noch in der Findungsphase.“ Was aber schon klar sei: „Es wird nicht teuer als in Geschäften. Man bringt ja seine Arbeit ein, man erntet selber. Da fallen ja schon mal Kosten weg.“

Innerhalb der nächsten zwei Wochen werde der Preis feststehen. Ab dann können sich Interessierte anmelden. „Das wird voraussichtlich mit einem Formular auf unserer Homepage geschehen“, kündigt Sophia Pröbsting an.

Der Hof werde den Kunden Behältnisse zur Verfügung stellen, in denen man die Kartoffeln gut lagern könne. Kunden können aber selber Holzkisten oder Jutesäcke mitbringen.

Zwei Sorten Kartoffeln wachsen auf dem Feld an der Kreisstraße. Festkochende und vorwiegend festkochende Kartoffeln.

Zwei Sorten Kartoffeln wachsen auf dem Feld an der Kreisstraße. Festkochende und vorwiegend festkochende Kartoffeln. © Arndt Brede

Nun geht der Blick von Sophia Pröbsting zunächst mal regelmäßig gen Himmel: „Wir freuen uns über jeden Regen.“ Allerdings dürfe es bei der Ernte möglichst nicht regnen. Das schade den Kartoffeln auf den Dämmen.

Wagt Sophia Pröbsting schon einen Ausblick für den Fall, dass das Projekt ein Erfolg wird? Wird es 2021 auch wieder Kartoffeln zum Selberernten geben? „Ja, aber nicht auf diesem Feld. Es braucht vier Jahre Pause, damit man wieder Kartoffeln anpflanzen kann.“ Mais, Weizen oder Gerste seien Optionen für diese vier Jahre für den Anbau auf diesem Feld. Kartoffeln können 2021 voraussichtlich auf einem anderen Feld in Selm angebaut werden. „Bei Bekannten von uns.“

Wissen, wo die Kartoffeln herkommen

Zunächst aber erwarten die Pröbstings mit Spannung, wie sich das Premierenprojekt entwickelt. Um den Kunden eine Motivationsspritze zu geben, einzusteigen, listen sie die Vorteile dieses Projektes auf: Man könne den Kartoffelvorrat für das ganze Jahr ernten. Man wisse, wo die Kartoffeln herkommen. Es gebe geringe Transportwege. Man unterstütze regionale Landwirte.

Kontakt: Hof Pröbsting, Werner Straße 11 in Nordkirchen-Capelle; Tel. (02596) 3399; Mail: info@proebsting-agrar.de. www.hofproebsting.de

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