Protest zeigt Wirkung: Stadt schaltet sich ein im Streit um die Erdgastankstelle in Selm

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Der wachsende Protest gegen die Schließung der einzigen Tankstelle für Erdgasautos in Selm zeigt Wirkung. Bürgermeister Mario Löhr verspricht: „Wir werden eine Lösung finden.“

Selm

, 21.11.2019, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 9. Dezember soll Schluss sein. Dann schließt die einzige Erdgastankstelle von Selm. Auch aus Olfen und Lüdinghausen kommen Erdgasauto-Fahrer, um an der Selmer Kreisstraße ihre Fahrzeuge zu betanken. Denn die nächste Säule steht in Lünen. Die bevorstehende Schließung ist ein echtes Ärgernis für alle, die auf den umweltschonenden Antrieb setzen. Jetzt gibt es neue Hoffnung.

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„Erdgas ist derzeit der einzige Antrieb, der sauber und günstig und alltagstauglich ist“, hatte Norbert Viezens, der Gründer und Sprecher der bundesweiten Initiative „CNGasgeben“ den Ruhr Nachrichten gesagt. Und noch etwas: Es lohne sich, gegen die Schließung einer Tankstelle zu protestieren: mit Informationen. In Lippstad habe das zum Erfolg geführt. Viezens’ Worte sind offenbar gehört worden - im Rathaus.

Löhr führt Gespräche mit Rüschkamp

Von Planwirtschaft halte er nichts, sagte Bürgermeister Mario Löhr am Donnerstagabend (21.11.) in der Sitzung des Selmer Stadtrates. Angebot und Nachfrage regelten den Markt. Das habe sich in Selm etwa bei den Taxis gezeigt. Das Angebot an Abend- und Nachtfahrten unter der Woche sei gestrichen worden, weil es keine Nachfrage danach gegeben habe. Bei der Gastankstelle sehe es ähnlich aus.

Dennoch, sagte Löhr, habe er bereits das Gespräch mit dem Unternehmen Rüschkamp gesucht. Es ist Eigentümerin der Fläche der Aral-Tankstelle an der Kreisstraße. Rüschkamp gibt die Fläche auf, zieht 500 Meter weiter an den Kreisel Kreisstraße/Zeche-Hermann-Wall und baut dort neu: einen Burger-King, einen Ladepark für E-Autos und eine HEM-Tankstelle: nach Meinung der Erdgasautofahrer ein idealer Standort für die Erdgas-Tanksäule.

Auf Anfrage hatte Rüschkamp-Geschäftsführer Wilke aber bereits darauf verwiesen, dass die Entscheidung über die Gastankstelle am neuen Standort allein der neue Tankstellenbetreiber HEM treffe. Und der lehnt ab.

Seier: Auch Gespräche mit Orangegas führen

Hubert Seier (UWG), selbst Erdgasautofahrer, schlug im Rat vor, dass die Stadt Kontakt aufnehmen solle mit dem niederländische Unternehmen Orangegas. Das bietet zurzeit noch die Zapfsäule mitsamt dem aus Stroh produzierten Biomethan an: ein Geschäft, das sich aus Sicht des des Geschäftsführers von Orangegas Deutschland, Wijtze Bakker, lohne: „Die Umsätze sind gut in Selm.“ Warum, wollte der Bürgermeister wissen, habe sich Bakker dann noch nicht an die Stadt gewandt?

Thema im Aufsichtsrat der Stadtwerke

Löhr sagt, er werde das Problem in die Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke tragen. „Wir werden eine Lösung finden.“ In Lippstadt, der Heimatstadt von Norbert Viezens, dem Sprecher von „CNGas geben“, hat das funktioniert. Die Stadtwerke Lippstadt betreiben die dortige Erdgastankstelle.

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