Trotz Gefängnisstrafe: „Autoschieber“ (30) aus Selm ist zufrieden

hzLandgericht Bochum

Nach knapp dreimonatiger Verhandlungsdauer ist das Urteil im „Autoschieber-Prozess“ gefallen. Für den Angeklagten aus Selm lautete das Fazit – verurteilt, aber trotzdem zufrieden.

Bochum/Selm

, 06.04.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Autos anmieten, heimlich anbieten, dreist abkassieren: Nach einer Serie von Betrügereien zulasten mehrerer Autovermietungen ist ein 30-jähriger Familienvater aus Selm am Bochumer Landgericht zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Zwei parallele Entscheidungen der Richter sorgten aufseiten des Selmers aber für Erleichterung: Zum einen soll der 30-Jährige laut Urteil einen Teil der Haftstrafe in einer geschlossenen Drogen-Entziehungsanstalt absolvieren können. Zum anderen wurde er vom Verdacht der Brandstiftung freigesprochen – was für das zwischenzeitlich angeschlagene Gerechtigkeitsempfinden des Familienvaters und seines Verteidigers Christian Simonis wie Balsam wirken dürfte.

„Kronzeuge hat gelogen, dass sich die Balken biegen“

„Der Teilfreispruch erfolgte völlig zu Recht“, zeigte sich der Dortmunder Strafverteidiger im Anschluss an das Urteil der 11. Strafkammer erleichtert. Und weiter: „Der Kronzeuge hat im Prozess manipuliert und gelogen, dass sich die Balken biegen.“ Der Familienvater aus Selm, so Anwalt Christian Simonis, könne jetzt in der Entzugstherapie „sein Leben wieder ins Lot bringen“.

Der 30-jährige Selmer hatte in dem seit Anfang Januar laufenden Prozess von Anfang an zugegeben, in Serie von ihm zuvor angemietete Pkw im Wert von teilweise mehr als 50.000 Euro später gegen 4.500 Euro Provision an einen Bekannten – den jetzigen Belastungszeugen – zum Weiterverkauf der Pkw weitergegeben zu haben.

Zu den geschädigten Autovermietungen gehörten unter anderem Filialen von „Europcar“ und „Sixt“ in Dortmund, Essen und Hamm.

Aussage des Zeugen überzeugte die Richter nicht

Die Staatsanwaltschaft hatte den Selmer aber außerdem auch angeklagt, am 15. Juli 2017 einen Brandanschlag auf einen von ihm in Bergkamen geparkten Audi A6 in Auftrag gegeben zu haben, um 25.000 Euro von seiner Versicherung ausbezahlt zu bekommen. Bei dem inszenierten Feuer sollen auch acht Mülltonnen, ein Wohnwagen und ein anderes Fahrzeug in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Obwohl der Belastungszeuge an diesem Vorwurf gegen den Angeklagten im Prozess festgehalten hatte, sahen sich die Bochumer Richter am Ende wegen zu vieler Zweifel zu einer Verurteilung außerstande - und sprachen den vehement bestreitenden Selmer nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ teilweise frei.

Verteidiger Christian Simonis hatte die Rolle des Kronzeugen, der bereits in einem eigenen Verfahren verurteilt, aber von weiterer Haft verschont worden ist, im Prozess mehrfach scharf kritisiert und der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, zum Aufbau eines wichtigen Zeugen „mit verdeckten Karten gespielt“ zu haben.

Das Urteil lautet auf gewerbsmäßigen Betrug.

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